DZ Research Blog

Mehrwert Wissen

Von A wie Aktienstrategie bis Z wie Zinsentwicklung präsentiert der DZ Research Blog ein breites und fundiertes Analysespektrum. Zu Wort kommen die Expertinnen und Experten aus dem DZ BANK Research, das mit 85 AnalystInnen und VolkswirtInnen eine der größten Einheiten dieser Art in Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland ist. Im DZ Research Blog analysieren sie aktuelle Daten zu den konjunkturellen Trends, bewerten die neuesten Entwicklungen an den Kapitalmärkten und kommentieren die Auswirkungen politischer Ereignisse auf die Wirtschaft. Profitieren auch Sie von diesem Mehrwert Wissen.

China beendet Corona-Jahr 2020 mit kräftigem Schlussquartal

China ist immer wieder für eine Überraschung gut. Auch die aktuellen Zahlen zum Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr machen da keine Ausnahme. So ist die chinesische Wirtschaft im zurückliegenden Endquartal 2020 um 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen – ein gutes Stück kräftiger als erwartet, und das trotz des wieder schwierigeren Umfelds. China konnte damit nicht nur den abgerissenen Wachstumspfad der Vor-Corona-Zeit wiederaufnehmen, sondern das Wachstum vom Schlussquartal 2019 noch übertreffen. Für das Gesamtjahr 2020 steht nun ein BIP-Zuwachs von 2,3 Prozent zu Buche. Das ist zwar der niedrigste Anstieg seit Jahrzehnten. Damit zählt China aber zu den ganz wenigen Volkswirtschaften, die im vergangenen Jahr überhaupt gewachsen sind, während die Weltwirtschaft um schätzungsweise mehr als vier Prozent geschrumpft ist. Wichtigste Säule der kräftigen wirtschaftlichen Erholung war die für ein Krisenjahr verblüffend starke Exportkonjunktur. Chinas Exportindustrie profitierte zunächst von der hohen Nachfrage nach medizinischer Schutzausrüstung und Homeoffice-Ausstattung, danach von den verschobenen Konsumgewohnheiten…

Niederländische Regierung tritt zurück – kein Grund zur Panik

Rund zwei Monate vor der Parlamentswahl am 17. März ist die niederländische Regierungsmannschaft geschlossen zurückgetreten. Der Hintergrund für den überraschenden Rücktritt liegt in einer Affäre um Kinderbeihilfen. Um vermeintlichen Betrug zu bekämpfen, hatten niederländische Steuerbehörden von etwa 2013 bis 2019 von Eltern jeweils Zehntausende Euro Kinderbeilhilfen zurückgefordert. Rund 20.000 Familien gerieten in den Niederlanden so in finanzielle Not. Eine Untersuchungskommission kam im Dezember letztendlich zu dem Urteil, dass diese Praxis Unrecht war und die „Basisprinzipien des Rechtsstaates“ verletzt wurden – ein herber Schlag für die niederländische Politik. Rutte und sein Team übernehmen zwar die politische Verantwortung für das Debakel, insgesamt kann der geschlossene Rücktritt aber eher als symbolischer Akt verstanden werden – kein Grund zur Panik. Sigrid Kaag, Ministerin für Außenhandel, sagte hierzu: „Das Vertrauen in den Staat muss wiederhergestellt werden.“ Der Regierungsrücktritt trifft die Niederlande mitten in der Corona-Krise: Die Neuinfektionszahlen liegen trotz der massiven Beschränkungen für die Bevölkerung…

November-Lockdown drosselt die britische Wirtschaft erneut

Seit dem 6. Januar herrscht in Großbritannien wieder ein strenger Lockdown. Die Verbreitung einer hochansteckenden Mutation des Corona-Virus hatte die Zahl der Neuinfektionen über Weihnachten und Neujahr erschreckend schnell in die Höhe schießen lassen. Damit befindet sich das Land inmitten der dritten Infektionswelle, nachdem es gerade erst die zweite Welle vom Herbst mehr schlecht als recht unter Kontrolle gebracht hatte. Für den gesamten November hatte Premierminister Boris Johnson dem öffentlichen Leben einen weitgehenden Stillstand verordnet – nicht-essentielle Geschäfte, Freizeiteinrichtungen sowie Pubs und Restaurants mussten schließen, Arbeitnehmer waren aufgerufen, von zu Hause zu arbeiten. Welche Auswirkungen die Maßnahmen auf die britische Wirtschaft hatten, zeigen die aktuellen Zahlen zur Wirtschaftsleistung. Das Bruttoinlandsprodukt sank im November um gut 2 ½ Prozent gegenüber dem Vormonat Oktober – verglichen mit dem Frühjahr ein relativ glimpfliches Ergebnis. Hart getroffen hat es allerdings erneut die Gastronomie, deren Output sich im Monatsvergleich fast halbierte. Der Groß- und Einzelhandel…

Herausfordernde Zeiten auch für die türkische Wirtschaft

Nach kräftigem Wachstum im dritten Quartal dürfte die türkische Wirtschaft auch im Schlussquartal 2020 ein positives Ergebnis erzielt haben. Unterm Strich ergibt sich deshalb für das abgelaufene Jahr immerhin ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent. Diese im internationalen Vergleich erstaunlich gute Bilanz beruht vor allem auf einem sichtbaren Zuwachs beim privaten Konsum sowie bei den Investitionen in Maschinen und Ausrüstungen. Wegen einer deutlich verschärften Lage bei der Corona-Pandemie mussten zum Jahreswechsel jedoch einige Lockdown-Maßnahmen verschärft werden. Die hierdurch entstehenden Belastungen, die vor allem den Dienstleistungsbereich betreffen, drosseln den konjunkturellen Schwung im ersten Quartal. Auch das weltweit weiter verschärfte Infektionsgeschehen lastet auf dem Ausblick für den Tourismussektor in der ersten Jahreshälfte. Weitere bremsende Effekte für die Wirtschaft sind von dem Kurswechsel bei der Geldpolitik zu erwarten. Zur Bekämpfung der erhöhten Inflation hat die Notenbank den Leitzins inzwischen auf 17 Prozent erhöht. Vor diesem Hintergrund zeigen die jüngsten Umfrageergebnisse ein eingetrübtes Stimmungsbild bei…

Neuwahlen in Italien wären aus Marktsicht die schlechteste Option

Nach dem Aus des Drei-Parteien-Bündnisses in Rom sucht Ministerpräsident Conte nach einem Weg, die Regierung fortzusetzen und damit eine noch größere politische Krise inmitten der Pandemie zu verhindern. Da nur der kleinste Koalitionspartner, Italia Viva, seinen Rückzug aus der Regierung erklärt hat, wird der Premier Gespräche mit moderaten Oppositionsparteien führen. Hierzu müsste Conte entweder auf die Forza Italia (Fi, Mitte-rechts) oder auf mehrere Kleinst- und Regionalparteien zugehen. Ein solches Bündnis wäre voraussichtlich aber politisch instabil und nur für kurze Zeit denkbar. Gelingt es Conte nicht, neue Mehrheiten zu schmieden, läge der Ball zunächst im Feld des Staatspräsidenten Mattarella. Er würde mit den größten im Parlament vertretenden Parteien über die Möglichkeiten einer Regierungsneubildung sprechen. Hier könnte eine Regierung der „nationalen Einheit“ ins Gespräch kommen, die von einer überparteilichen Person geführt würde und bis zum Ende der Pandemie im Amt bleiben könnte. Gelingt es dem Staatspräsidenten und den führenden Parteien nicht, eine…

EUR-USD mit weiterem Aufwertungspotenzial im Jahr 2021

Die Corona-Krise wütet weiter ungemindert. Zuletzt wurden weltweit mehr als 800.000 Neuinfektionen pro Tag vermeldet. Den Finanzmarkt kümmert das nicht, hier dominiert weiterhin die Hoffnung auf eine zügige Impfkampagne und somit ein zumindest absehbares Ende der Krise. Aktienmärkte steigen von einem Rekordhoch zum nächsten, nicht zuletzt auch getrieben von der Erwartung, dass Zentralbanken und Regierungen auch in diesem Jahr alles tun werden, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise abzufedern. Wie schon in unserem Jahresausblick beschrieben, gehen wir davon aus, dass sich das allgemein positive Marktsentiment im weiteren Jahresverlauf halten wird. Selbst sollte sich herausstellen, dass die Impfkampagnen langsamer anlaufen als erhofft, dürfte sich hieran wenig ändern. Zu groß ist das Vertrauen in die Fähigkeit von Zentralbanken und Regierungen, einen adäquaten Puffer zu sichern. Dieses positive Marktumfeld hat in den vergangenen Monaten allerdings auch dazu geführt, dass der US-Dollar auf breiter Basis an Boden verloren hat. In seiner Funktion als sicherer…