DZ Research Blog

Mehrwert Wissen

Von A wie Aktienstrategie bis Z wie Zinsentwicklung präsentiert der DZ Research Blog ein breites und fundiertes Analysespektrum. Zu Wort kommen die Expertinnen und Experten aus dem DZ BANK Research, das mit 85 AnalystInnen und VolkswirtInnen eine der größten Einheiten dieser Art in Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland ist. Im DZ Research Blog analysieren sie aktuelle Daten zu den konjunkturellen Trends, bewerten die neuesten Entwicklungen an den Kapitalmärkten und kommentieren die Auswirkungen politischer Ereignisse auf die Wirtschaft. Profitieren auch Sie von diesem Mehrwert Wissen.

Grüne Geldpolitik: EZB zwischen gebotenem Engagement und drohender Überforderung

Der Klimawandel stellt eine erhebliche Bedrohung für die Wirtschaft und die Menschheit im Allgemeinen dar. Im Zuge einer Überprüfung der geldpolitischen Strategie beraten die europäischen Notenbankvertreter gegenwärtig, wie sich die EZB im Rahmen ihres Mandats im Kampf gegen den Klimawandel stärker engagieren kann. Marktseitig gibt es bereits erste Stimmen, welche die Bestrebungen der Notenbank in Richtung einer grüneren Geldpolitik kritisieren. Hierbei steht unter anderem die Frage im Raum, inwieweit dieses Engagement vom eigentlichen EZB-Mandat zur „Wahrung der Preisstabilität“ gedeckt ist. Die Notenbank-Oberen verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass Klimaveränderungen sich unmittelbar auf die Inflationsentwicklung auswirken können. Naturkatastrophen in Folge einer Erwärmung der Atmosphäre könnten zu Missernten führen und steigende Nahrungsmittelpreise nach sich ziehen oder extreme Wetterereignisse Vermögensschäden hervorrufen und sich Verbraucher daher mit ihrem Konsum zurückhalten. Vor diesem Hintergrund könnte es geboten erscheinen, dass die Notenbank die mit dem Klimawandel einhergehenden Risiken für die Preisstabilität genau im Blick behält und…

China mit Rekordwachstum – dabei flaut der Boom schon wieder ab

Hohe Wachstumsraten aus China sind an sich nichts Ungewöhnliches. Mit dem BIP-Anstieg von 18,3% gegenüber dem Vorjahr, der aktuell für das zurückliegende erste Quartal gemeldet wird, stellt China aber selbst seine eigene Wachstumshistorie in den Schatten. So hoch ist das Wachstum in einem Vierteljahr wohl seit einem halben Jahrhundert nicht ausgefallen. Ein Abbild der aktuellen Konjunkturdynamik des Landes ist das Rekordwachstum jedoch nicht. Es spiegelt hauptsächlich den historischen Wirtschaftseinbruch vom vergangenen Jahr während des Höhepunkts der Corona-Krise in China wider. Mit dessen schwachem Niveau vergleicht sich die aktuelle Wirtschaftsleistung. China wird auch nicht das einzige Land bleiben, das im laufenden Jahr zeitweise ein zweistelliges Wachstum erreicht. Als Ursprungsland der Pandemie ist es aber das erste. Gleichwohl wäre das aktuelle Wachstum längst nicht derart hoch, wäre China im vergangenen Jahr nicht eine fulminante Erholung aus der Krise gelungen. Schon im Schlussquartal 2020 hatte die chinesische Wirtschaft ihren Wachstumspfad aus der Vorkrisenzeit…

Vereinigte Staaten im Kaufrausch

Deutliche Beschäftigungsgewinne am Arbeitsmarkt, die Lockerung von Corona-Restriktionen und vor allem das riesige Konjunkturpaket von Mitte März haben in den USA einen Kaufrausch entfacht. Besonders die darin enthaltenen Direktzahlungen an die Haushalte motivierten die Verbraucher offenbar zum Shoppen. Um etwa 55 Mrd. US-Dollar oder fast 10% nahmen die Einzelhandelsumsätze im März gegenüber Februar zu. Die Nachfrage stieg dabei in nahezu allen Bereichen des Handels kräftig, zweistellige Zuwächse beim Umsatz wurden zum Beispiel bei Autos, Freizeitgütern und Bekleidung verzeichnet. Der Einzelhandel dürfte auch in den kommenden Monaten von Konjunkturmaßnahmen profitieren, selbst wenn sich die Konsumnachfrage zusehends auf Dienstleistungen verlagern dürften, bei denen noch deutlicher Nachholbedarf besteht. Schließlich haben die US-Bürger bislang offenbar nur einen kleinen Teil ihrer „Konsumschecks“ aufgebraucht, deren gesamtes Volumen etwa 410 Mrd. US-Dollar beträgt. Besonders im laufenden zweiten Quartal ist daher mit kräftigem Wirtschaftswachstum zu rechnen. Der Konjunkturausblick für die US-Wirtschaft ist entsprechend sehr gut. Bezogen auf das…

Immobilienmarkt: Bundesverfassungsgericht erklärt Berliner Mietendeckel für null und nichtig

Die hohe Ersparnis der privaten Haushalte während der Corona-Krise können viele Berliner Mieter jetzt gut gebrauchen. Nach dem Inkrafttreten des Mietendeckels Anfang 2020 wurde in vielen Mietverträgen neben der reduzierten Miete auch die eigentliche Marktmiete vereinbart – für den Fall, dass der Mietendeckel vom Bundesverfassungsgericht gekippt wird. Genau das ist nun passiert. Der Zweite Senat hat das „Gesetz zur Mietenbegrenzung im Wohnungswesen in Berlin“ als unvereinbar mit dem Grundsetz und damit für nichtig erklärt. Somit muss die Mietdifferenz rückwirkend nachgezahlt werden. Damit gelten am Berliner Wohnungsmarkt wieder die allgemeinverbindlichen Regeln des Mietrechts. Darauf fußt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts als Folge der konkurrierenden Gesetzgebungszuständigkeit. Das Mietpreisrecht – wie auch die Mietpreisbremse zum Schutz vor überhöhten Mieten – ist in Bundesgesetzen, insbesondere in §§ 556 bis 561 BGB, abschließend geregelt, sodass für eine weiterführende Gesetzgebungsbefugnis der Länder kein Spielraum besteht. Die Berliner profitieren zwar nicht mehr von gesenkten Mieten, ein Schaden ist…

Digitalisierung von Geld – (Zentral-) Banken in der Pflicht

Die Diskussion um digitale Zentralbankwährungen (CBDC) hat in den vergangenen Jahren deutlich an Dynamik gewonnen. Weltweit haben Notenbanken Projekte mit dem Ziel aufgelegt, die Einsatzmöglichkeiten und Merkmale einer eigenen CBDC zu erforschen. Im vergangenen Herbst hat die CBDC-Debatte auch im Euroraum Fahrt aufgenommen. So veröffentlichte die Europäische Zentralbank im Oktober 2020 ihren Bericht zum „digitalen Euro“. Eine endgültige Entscheidung, ob das Projekt tatsächlich in Angriff genommen wird, will der EZB-Rat zwar offiziell erst Mitte dieses Jahres treffen. Jüngste Äußerungen von EZB-Vertretern lassen jedoch darauf schließen, dass die Weichen zugunsten eines digitalen Euro bereits gestellt sind. Ungeklärt ist zwar, welche Ziele mit einer CBDC im Euroraum verfolgt werden und über welche Eigenschaften sie verfügen soll. Dies hält zahlreiche Beobachter aber nicht davon ab, umfassende Kritik zu äußern. Einerseits werde das Vorhaben zu spät und nicht ambitioniert angegangen, andererseits werden der EZB weitreichende Eingriffe in die Rechte der Bürger vorgeworfen. Vernachlässigt wird…

USA: Inflationsrate springt kräftig in die Höhe

Die Inflationsrate in den USA hat im März mit Leichtigkeit die 2%-Marke überwunden. Sie sprang von 1,7% im Februar auf nun 2,6%. Dabei verliehen ihr vor allem die Energiepreise deutlichen Auftrieb. Der Weltmarktpreis für Rohöl der US-Sorte WTI bewegt sich mittlerweile wieder auf dem Vorkrisenniveau, nachdem er im Frühjahr 2020 kräftig eingebrochen war. Besonders über die Kraftstoffpreise bekommen die Verbraucher die Teuerung nun zu spüren. Trotz des zuletzt deutlich verstärkten Preisauftriebs hat die Inflationsrate im März nur ein Zwischenziel erreicht. Als nächstes dürfte sie zum Sprung über die 3%-Marke ansetzen. In den kommenden Monaten wird sie auch diese wohl klar hinter sich lassen. Die Energiepreise bleiben gegenüber dem Vorjahr gerechnet dabei eine treibende Kraft, auch wenn der Weltmarktpreis für Rohöl auf Sicht von drei Monaten etwas niedriger tendieren dürfte. Mit der starken Konsumnachfrage, die vor allem durch die im 1,9 Bio. US-Dollar schweren Konjunkturpaket enthaltenen Direktzahlungen an die Haushalte entfacht…