DZ Research Blog

Mehrwert Wissen

Von A wie Aktienstrategie bis Z wie Zinsentwicklung präsentiert der DZ Research Blog ein breites und fundiertes Analysespektrum. Zu Wort kommen die Expertinnen und Experten aus dem DZ BANK Research, das mit 85 AnalystInnen und VolkswirtInnen eine der größten Einheiten dieser Art in Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland ist. Im DZ Research Blog analysieren sie aktuelle Daten zu den konjunkturellen Trends, bewerten die neuesten Entwicklungen an den Kapitalmärkten und kommentieren die Auswirkungen politischer Ereignisse auf die Wirtschaft. Profitieren auch Sie von diesem Mehrwert Wissen.

Gewinnsprung bei US-Unternehmen

In dieser Woche werden 81 der S&P 500-Unternehmen über den Geschäftsverlauf im ersten Quartal berichten. Im S&P 500 wird erwartet, dass der Umsatz der Unternehmen um neun Prozent gestiegen ist. Die Nettogewinne dürften im Vergleich zum Vorjahresquartal sogar um fast ein Drittel gestiegen sein. Das wäre der stärkste Gewinnanstieg seit dem 3. Quartal 2010. Das hohe Gewinnwachstum ist vor allem auf die niedrige Basis im Vergleichszeitraum zurückzuführen. Bekanntlich ist die Wirtschaft im 1. Quartal 2020 durch das erstmalige Auftreten des Corona-Virus besonders stark eingebrochen. Unternehmen aus Branchen, die vor einem Jahr besonders gelitten haben (u.a. Banken, nicht-zyklische Konsumgüter, Werkstoffe/Materialien), wachsen nun schneller als der Markt. Dagegen dürften die Gewinne der Unternehmen aus den Sektoren Industrie und Energie gesunken sein. Technologie- und Internettitel schultern weiterhin den Großteil der dynamischen Gewinnentwicklung. Hier erwarten wir eine Ausweitung der Unternehmensgewinne um ein Viertel. Das ist zwar ein etwas langsameres Wachstum als der Markt, aber…

Neues Pfandbriefgesetz führt Soft Bullet rückwirkend ein

Der Bundestag hat der Pfandbriefgesetznovelle am Donnerstag, 15. April 2021, zugestimmt. Die letzte parlamentarische Hürde ist damit genommen. Die wohl wichtigste Änderung ist die Einführung einer möglichen Fälligkeitsverschiebung (Soft Bullet) für Pfandbriefe, die bereits am 1. Juli 2021 auch rückwirkend für alle bereits ausstehenden Pfandbriefe in Kraft tritt. Der Sachwalter (als Verwalter der Deckungsmasse nach Insolvenz der Pfandbriefbank) wird künftig die Möglichkeit haben, im Bedarfsfall die Laufzeit der Pfandbriefe um bis zu zwölf Monate zu verlängern. Damit wird die Liquidität der Deckungsmasse besser abgesichert, was von den Ratingagenturen bereits unisono positiv vermerkt wurde. Diese Regelung ergänzt den Instrumentenkasten des Sachwalters, dem daneben zum Beispiel auch die Aufnahme von Brückenkrediten, der Verkauf von Deckungswerten oder die Ausgabe neuer Pfandbriefe zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen erlaubt sind. Das in der Richtlinie geforderte Überholverbot, nachdem die Tilgungsreihenfolge der ausstehenden Pfandbriefe nicht durch eine Fälligkeitsverschiebung verändert werden darf, hatte einiges Kopfzerbrechen bereitet und wurde im…

Ist Maastricht noch zeitgemäß?

Sowohl die EU als auch alle Mitgliedsstaaten unternehmen mit Unterstützung der EZB seit mehr als einem Jahr bereits historisch große fiskalische Anstrengungen, um die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Corona-Krise abzumildern. Ökonomisch gesehen, handelt es sich hierbei um eine antizyklische Wirtschaftspolitik im besten keynesianischen Sinne. Es mag in Anbetracht neuer Rekordschulden und ausgesetzter Defizitregeln überraschen, dass ausgerechnet die Kritiker der Maastricht-Kriterien nun eine öffentliche Grundsatzdiskussion über eine Reform dieser Kriterien anstoßen. Der Grund ist darin zu sehen, dass mit der inzwischen an Dynamik gewinnenden Impfkampagne die Frage an Bedeutung gewinnt, welchen Weg die Finanzpolitik nach der Krise einschlagen sollte: Rückkehr zu einer konsequenten Sparpolitik mit dem Ziel, den angehäuften Schuldenberg zumindest ein Stück weit wieder abzutragen oder an einer expansiven Gangart festhalten, um dem Aufschwung Rückenwind zu verleihen? Die EU-Fiskalregeln, wenngleich sie in der Vergangenheit gerne lax ausgelegt und Verstöße in der Regel nicht sanktioniert wurden, geben hierauf eine klare…

Grüne Geldpolitik: EZB zwischen gebotenem Engagement und drohender Überforderung

Der Klimawandel stellt eine erhebliche Bedrohung für die Wirtschaft und die Menschheit im Allgemeinen dar. Im Zuge einer Überprüfung der geldpolitischen Strategie beraten die europäischen Notenbankvertreter gegenwärtig, wie sich die EZB im Rahmen ihres Mandats im Kampf gegen den Klimawandel stärker engagieren kann. Marktseitig gibt es bereits erste Stimmen, welche die Bestrebungen der Notenbank in Richtung einer grüneren Geldpolitik kritisieren. Hierbei steht unter anderem die Frage im Raum, inwieweit dieses Engagement vom eigentlichen EZB-Mandat zur „Wahrung der Preisstabilität“ gedeckt ist. Die Notenbank-Oberen verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass Klimaveränderungen sich unmittelbar auf die Inflationsentwicklung auswirken können. Naturkatastrophen in Folge einer Erwärmung der Atmosphäre könnten zu Missernten führen und steigende Nahrungsmittelpreise nach sich ziehen oder extreme Wetterereignisse Vermögensschäden hervorrufen und sich Verbraucher daher mit ihrem Konsum zurückhalten. Vor diesem Hintergrund könnte es geboten erscheinen, dass die Notenbank die mit dem Klimawandel einhergehenden Risiken für die Preisstabilität genau im Blick behält und…

China mit Rekordwachstum – dabei flaut der Boom schon wieder ab

Hohe Wachstumsraten aus China sind an sich nichts Ungewöhnliches. Mit dem BIP-Anstieg von 18,3% gegenüber dem Vorjahr, der aktuell für das zurückliegende erste Quartal gemeldet wird, stellt China aber selbst seine eigene Wachstumshistorie in den Schatten. So hoch ist das Wachstum in einem Vierteljahr wohl seit einem halben Jahrhundert nicht ausgefallen. Ein Abbild der aktuellen Konjunkturdynamik des Landes ist das Rekordwachstum jedoch nicht. Es spiegelt hauptsächlich den historischen Wirtschaftseinbruch vom vergangenen Jahr während des Höhepunkts der Corona-Krise in China wider. Mit dessen schwachem Niveau vergleicht sich die aktuelle Wirtschaftsleistung. China wird auch nicht das einzige Land bleiben, das im laufenden Jahr zeitweise ein zweistelliges Wachstum erreicht. Als Ursprungsland der Pandemie ist es aber das erste. Gleichwohl wäre das aktuelle Wachstum längst nicht derart hoch, wäre China im vergangenen Jahr nicht eine fulminante Erholung aus der Krise gelungen. Schon im Schlussquartal 2020 hatte die chinesische Wirtschaft ihren Wachstumspfad aus der Vorkrisenzeit…

Vereinigte Staaten im Kaufrausch

Deutliche Beschäftigungsgewinne am Arbeitsmarkt, die Lockerung von Corona-Restriktionen und vor allem das riesige Konjunkturpaket von Mitte März haben in den USA einen Kaufrausch entfacht. Besonders die darin enthaltenen Direktzahlungen an die Haushalte motivierten die Verbraucher offenbar zum Shoppen. Um etwa 55 Mrd. US-Dollar oder fast 10% nahmen die Einzelhandelsumsätze im März gegenüber Februar zu. Die Nachfrage stieg dabei in nahezu allen Bereichen des Handels kräftig, zweistellige Zuwächse beim Umsatz wurden zum Beispiel bei Autos, Freizeitgütern und Bekleidung verzeichnet. Der Einzelhandel dürfte auch in den kommenden Monaten von Konjunkturmaßnahmen profitieren, selbst wenn sich die Konsumnachfrage zusehends auf Dienstleistungen verlagern dürften, bei denen noch deutlicher Nachholbedarf besteht. Schließlich haben die US-Bürger bislang offenbar nur einen kleinen Teil ihrer „Konsumschecks“ aufgebraucht, deren gesamtes Volumen etwa 410 Mrd. US-Dollar beträgt. Besonders im laufenden zweiten Quartal ist daher mit kräftigem Wirtschaftswachstum zu rechnen. Der Konjunkturausblick für die US-Wirtschaft ist entsprechend sehr gut. Bezogen auf das…