DZ Research Blog

Mehrwert Wissen

Von A wie Aktienstrategie bis Z wie Zinsentwicklung präsentiert der DZ Research Blog ein breites und fundiertes Analysespektrum. Zu Wort kommen die Expertinnen und Experten aus dem DZ BANK Research, das mit 85 AnalystInnen und VolkswirtInnen eine der größten Einheiten dieser Art in Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland ist. Im DZ Research Blog analysieren sie aktuelle Daten zu den konjunkturellen Trends, bewerten die neuesten Entwicklungen an den Kapitalmärkten und kommentieren die Auswirkungen politischer Ereignisse auf die Wirtschaft. Profitieren auch Sie von diesem Mehrwert Wissen.

Der nächste Gipfel – kommt nun die Öffnung?

Am kommenden Mittwoch werden Kanzlerin und Ministerpräsident*innen erneut (virtuell) zusammenkommen und über mögliche Lockerungsschritte der Corona-Beschränkungen beraten. Der aktuelle Lockdown mit der weitgehenden Schließung von Einzelhandelsgeschäften, der Gastronomie und verschiedenen Dienstleistungssparten war zunächst bis zum 7. März beschlossen worden. Mittlerweile hat das Robert-Koch-Institut (RKI) einen Stufenplan vorgelegt, in welcher Reihenfolge eine Öffnung der betroffenen Bereiche wieder möglich sein könnte – abhängig von der Entwicklung der lokalen Inzidenzen. Doch die Perspektive hat sich zuletzt wieder verschlechtert. Bis vor einigen Tagen befanden sich die Infektionszahlen auf dem Rückzug, nun hat das verstärkte Auftreten der „britischen Mutante“ jedoch für eine Trendumkehr gesorgt. Die Kanzlerin spricht bereits von der „dritten Welle“ der Pandemie, die die Öffnungsstrategie nun schwierig mache. Die Konsequenz kann allerdings nicht sein, den aktuellen Lockdown nun bis Ostern zu verlängern. Insbesondere Einzelhandel und Gastronomie müssen eine Öffnungs-perspektive erhalten. Diese sollte auf dem lokalen Infektionsgeschehen basieren, das sehr große Unterschiede aufweist, und…

Neue Aktienkultur in Deutschland?

Nach neuesten Zahlen des Deutschen Aktieninstituts ist die Zahl der Aktionäre und Aktienfondsbesitzer im letzten Jahr kräftig gestiegen – um 29 Prozent auf 12,4 Millionen. Vor allem junge Anleger haben sich erstmals an den Aktienmärkten engagiert. Doch ist das bereits die ersehnte neue Aktienkultur in Deutschland? Reicht der Aufschwung, um den Geldanlagestau bei den privaten Haushalten aufzulösen? Einlagenzinssätze nahe null Prozent und Anleiherenditen mit Minuszeichen – die langanhaltende Niedrigzinsphase bringt die in der Vergangenheit oft eher sicherheitsorientierten deutschen Privatanleger in ein Dilemma: Einerseits waren sie verständlicherweise kaum noch bereit, sich langfristig mit festverzinslichen Bankeinlagen oder Rentenpapieren zu binden. Andererseits mieden viele Haushalte Anlagen mit oft besseren Renditechancen aber Kursrisiken, wie Aktien oder Aktienfonds. Häufig blieben daher Sparbeträge und Rückflüsse aus fälligen Anlagen einfach auf dem Girokonto stehen. Die Folge war ein gewaltiger Geldanlagestau. Inzwischen sind rund zwei Billionen Euro dauerhaft in Form von Sichteinlagen oder Bargeld „zwischengeparkt“. Die Forderung einer…

Ölpreis außer Rand und Band

Der Rohölpreis hakt in großen Schritten die Corona-Pandemie ab. Erste Marktauguren hantieren bereits mit dreistelligen Prognosen. Dass die Opec und andere Energiebehörden zuletzt ihre Nachfrageschätzungen für 2021 reduziert haben, wird vollständig ausgeblendet. Wir rechnen zwar damit, dass sich die Ölnachfrage in den nächsten Monaten zügig erholt, allerdings halten wir Vor-Corona-Niveaus erst Mitte 2022 für wahrscheinlich und nicht schon im Sommer 2021! Das aktuelle Ölpreisniveau ist unseres Erachtens ausschließlich liquiditätsgetrieben. Dies macht der „Backwardation-Trade“ möglich, den die stark abfallende Terminkurve erlaubt. Am langen Ende werden aktuell Rohölpreise bei etwa 55 USD gehandelt. Anleger können bei der aktuellen Terminkurven-Konstellation einen Rollertrag von etwas mehr als einem Prozent pro Monat realisieren. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld ist das geradezu üppig. Die Netto-Long-Position der Spekulanten stieg daraufhin spürbar an. Der Markt negiert ebenfalls die Flexibilität der Angebotsseite. Schon nächste Woche beim Opec-Meeting am 4. März dürfte eine Erhöhung der Ölproduktion beschlossen werden. Selbst Saudi-Arabien denkt bereits…

Parlamentswahlen in den Niederlanden – Südeuropa behält seinen politischen Gegenspieler

Am 17. März finden in den Niederlanden allgemeine Parlamentswahlen statt. Pandemie-bedingt wird die Wahl anders als sonst üblich ablaufen müssen. Die Wahlurnen werden bereits am 15. März geöffnet, um größere Menschenansammlungen zu vermeiden. Ein Kernthema des bisherigen Wahlkampfs ist zunächst einmal – nicht sehr überraschend – die Bewältigung der Corona-Krise. Aber auch die Unterstützung und Förderung des niederländischen Mittelstands sowie von Kleinunternehmen und Start-Ups spielen im Wahlkampf eine wichtige Rolle. Ein Blick auf das aktuelle Umfragebild zeigt gute Chancen für Premier Rutte, die Wahl zu gewinnen. Die Demoskopen sprechen Ruttes liberalkonservativer VVD aktuell im Schnitt knapp 38 von 150 Sitzen im Parlament zu – Platz eins! Auf dem zweiten Platz liegt mit im Schnitt knapp 22 Sitzen die rechtspopulistische PVV unter der Parteiführung Geert Wilders. Der PVV-Parteivorsitzende ist ein starker Kritiker der Europäischen Union und der Währungsunion. Der Rest des sehr fragmentierten Parteienspektrums liegt etwas weiter abgeschlagen mit jeweils weniger…

Spanien: Wirtschaftliche Erholung hängt am Tropf des Tourismus

Spanien gehört wirtschaftlich zu den großen Verlierern des Corona-Jahres 2020. Der Rückgang der Wirtschaftsleistung um 11,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr war nicht nur gewaltig. Der Einbruch katapultierte das Niveau des Bruttoinlandsproduktes (BIP) zweitweise in das Jahr 2002 zurück. Ein wesentlicher Grund für den kräftigen Einbruch der Wirtschaftsleistung seit Pandemiebeginn lag vor allem auch in der Entwicklung des Tourismus. Dieser ist ein wichtiger Eckpfeiler der spanischen Volkswirtschaft. Laut dem internationalen Forum der Reise- und Tourismusindustrie (WTTC = World Travel & Tourism Council) hat der Tourismusbereichs im Vorkrisenjahr 2019 hohe 14,3 Prozent zur gesamten Bruttowertschöpfung beigetragen. Die Tourismusbranche hat nach eigenen Angaben die Wintermonate bereits „abgeschrieben“. Große Hoffnungen ruhen nun auf einer Belebung ab dem Frühjahr. Umfragen unter Verbrauchern weisen auf eine hohe Reisebereitschaft hin und die spanischen Fremdenverkehrsverbände sprechen bereits wieder von soliden Buchungszahlen, insbesondere für die Sommermonate. Dennoch geben die Umfrageergebnisse auch eine gewisse Kundenskepsis wider. Von einem Andrang wie…

Leidet die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken unter Corona?

Seit Ausbruch der Gesundheitskrise sind massive Interventionen der Notenbanken und Staaten zu beobachten. Die Regierungen der westlichen Industrieländer setzen auf gigantische Konjunkturpakete. In der Folge sind die staatlichen Defizite stark angestiegen und die Verschuldung in vielen Ländern ist auf historische Niveaus geklettert. Im gleichen Zuge weiten die Zentralbanken ihre Bilanzen erneut kräftig aus, indem sie die Staatsanleihen kaufen, die die Regierungen derzeit zur Bekämpfung der Gesundheitskrise begeben müssen. Die aktuelle Symbiose von Fiskalpolitik und Geldpolitik wird von einigen Marktteilnehmern kritisch beäugt. Am Kapitalmarkt kommen Sorgen auf, ob die Zentralbanken nicht zwangsverpflichtet werden, die Anleihekäufe zeitlich länger aufrechtzuerhalten als nötig. Hinter dieser Überlegung steht, dass die Währungshüter die Finanzierungskosten für die Regierungen längerfristig niedrig halten, damit der starke Schuldenanstieg über niedrige Renditen finanzierbar bleibt. In diesem Fall würde die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken leiden. Die Glaubwürdigkeit einer Zentralbank wird unseres Erachtens von drei Fragen beeinflusst. Können die Notenbanken mit der extrem expansiven…