DZ Research Blog

Mehrwert Wissen

Von A wie Aktienstrategie bis Z wie Zinsentwicklung präsentiert der DZ Research Blog ein breites und fundiertes Analysespektrum. Zu Wort kommen die Expertinnen und Experten aus dem DZ BANK Research, das mit 85 AnalystInnen und VolkswirtInnen eine der größten Einheiten dieser Art in Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland ist. Im DZ Research Blog analysieren sie aktuelle Daten zu den konjunkturellen Trends, bewerten die neuesten Entwicklungen an den Kapitalmärkten und kommentieren die Auswirkungen politischer Ereignisse auf die Wirtschaft. Profitieren auch Sie von diesem Mehrwert Wissen.

China befeuert deutsche Industrie

China hat im vergangenen Jahr eine Turbo-Erholung hingelegt: Schon im zweiten Quartal konnte die Industrie den tiefen Corona-Einbruch von 25 Prozent aus dem Vorquartal wieder aufholen. Auch die Gesamtwirtschaft konnte ihr Vorkrisenniveau bereits im Frühjahr wiederherstellen, als die Weltwirtschaft gerade erst in die Corona-Krise absackte. Nicht nur dieser zeitliche Vorsprung kam Chinas Industrie zugute. Die weltweite Verschiebung der Konsumgewohnheiten in der Pandemie – weg von Dienstleistungen, hin zu Gebrauchsgütern – bescherte der Volksrepublik als größtem Hersteller von industriell gefertigten Produkten eine Export-Sonderkonjunktur. Der schnelle Aufschwung Chinas nach der Corona-Krise kam aber auch deutschen Unternehmen zugute. Sie profitierten von der wieder erstarkten Nachfrage aus China, während andere potentielle Lieferregionen noch in der Krise steckten. China war zwar schon vor der Krise wichtigster Handelspartner Deutschlands. Im vergangenen Jahr konnte die Volksrepublik diese Stellung aber ausbauen. Auf der Exportseite erhöhte sich während der Corona-Pandemie für fast alle Industriebranchen die wirtschaftliche Bedeutung Chinas. Besonders…

Ratingagentur sieht vor allem Pharmakonzerne mit starker US-Präsenz mit hohen sozialen Risiken konfrontiert

Bei der Emission von Unternehmensanleihen gewinnt die Thematik ESG (Environmental, Social, Governance; zu Deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) immer mehr an Bedeutung. In diesem Zusammenhang wurden aktuell die Einflüsse der Wahrnehmung des jeweiligen Sektors in der Gesellschaft, der Einfluss auf gesetzgeberische Maßnahmen und die rechtlichen Risiken der jeweiligen Branchen von der internationalen Ratingagentur Moody’s in einer branchenübergreifenden Studie untersucht. Ziel war es, den möglichen Einfluss dieser Faktoren auf die Bonität der Unternehmen einzuschätzen. Bei der Pharmabranche wurde Moody’s in besonderem Maße fündig. Die Agentur sieht in der  Pharmabranche hohe sogenannte „soziale Risiken“. Der größte Risikofaktor ist dabei das Thema „Wahrnehmung der Preisgestaltung“ in der Gesellschaft. Medikamente werden in der Bevölkerung häufig als sehr teuer wahrgenommen und sind auch ein bedeutender Kostenblock für die Gesundheitssysteme in den jeweiligen Ländern. Entsprechend groß ist der Druck auf die Gesetzgeber, in diesem Bereich eine Kostenexplosion zu verhindern bzw. Kostensenkungen zu erzielen. Beliebte Maßnahmen der…

Berichtssaison zu Geschäftsjahreszahlen 2020 mit positiven Überraschungen

Inzwischen ist die laufende Berichtssaison bereits weit vorangeschritten. In den USA hat die Mehrheit der S&P 500 Unternehmen positiv überrascht – mit 69% beim Umsatz und 78% beim Gewinn. Diese positive Entwicklung lässt sich auch an den hohen Bewertungen an den Aktienmärkten ablesen. Auf Basis unserer Coverage mit Schwerpunkt Europa zeigt sich ebenfalls, dass es trotz Corona-Krise eine Reihe von positiven Überraschungen gab. Vielen Unternehmen ist es durch geeignete Maßnahmen, wie Kostensenkungen, Investitionskürzungen oder -verschiebungen oder Working-Capital-Optimierung gelungen, die Pandemiebelastungen zu begrenzen. Dagegen müssen Unternehmen, deren Geschäft durch die starken Mobilitätseinschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie betroffen ist, starke Rückschläge verkraften. Im Technologiesektor konnten Unternehmen in den Bereichen Cloud, Hardware für Homeoffice und Homeschooling profitieren, während das Lizenzgeschäft aufgrund von Investitionszurückhaltungen, aber auch dank der Umstellung auf die Cloud gelitten hat. Auch die Logistik-Sparte lief gut, weil der Onlinehandel in Lockdownzeiten florierte. Die Pharma-Konzerne entwickelten sich in der Regel stabil, auch…

Der US-Dollar und seine Hassliebe zu steigenden US-Renditen

Es gibt wenig Themen, die neben Covid-19 derzeit einen Platz in der Diskussion haben, der US-Zinsanstieg der letzten Wochen gehört fraglos dazu. Doch während sich die Ereignisse am Rentenmarkt überschlagen, beobachtet der Dollar diese Entwicklung geradezu lethargisch. Insbesondere ist nichts von der USD-Aufwertung zu sehen, die viele Beobachter angesichts der höheren US-Renditen erwartet hätten. Wie kann es sein, dass der Dollar diese „Mutter aller Fundamental-Argumente“ so konsequent ignoriert? Wer die Bewegung von Dollar und Zins nur isoliert von der US-Seite aus betrachtet, vernachlässigt, dass es am FX-Markt immer um die relative Attraktivität geht und jeder Wechselkurs zwei Seiten hat. Und in der Tat lässt sich die ambivalente USD-Reaktion gut durch den Zins-Spread zu anderen Währungen erklären. Während der Reflation Trade im Januar nur ein US-Thema war, wurde der Ausverkauf am Rentenmarkt im Februar zum globalen Phänomen. In Deutschland reicht der Renditeanstieg zwar nicht an die US-Dynamik heran, andere Länder wie…

Gespaltene Entwicklung der Märkte für Bankkredite in Deutschland

2020 wurde das Firmenkundenkreditgeschäft in Deutschland maßgeblich von den Auswirkungen der Corona-Krise geprägt. Vor allem Unternehmen, die unter Lockdown und Grenzschließungen zu leiden hatten, waren auf Hilfskredite angewiesen. Dadurch zog das Wachstum der Firmenkredite ohne Wohnungsbau im ersten Quartal nochmals an, obwohl die Wachstumsraten des Marktes bereits 2019 ihren Zenit überschritten hatten und im Sinken begriffen waren. Der corona-bedingte Wachstumsschub blieb jedoch ein Einmaleffekt und in den restlichen Quartalen 2020 verlangsamte sich der Bestandszuwachs immer weiter auf zuletzt noch 3,4 Prozent. Deutlich stabiler entwickelten sich die Wohnungsbaukredite der Unternehmen. Überhaupt zeigten sich Wohnungskredite als Stütze des Gesamtmarktes. Das gilt vor allem für die Immobilienkredite privater Haushalte, die ihren langanhaltenden Trend der Wachstumsbeschleunigung ungebremst fortsetzten. Die Corona-Krise hat die Wertschätzung für die eigenen vier Wände gesteigert. Durch Lockdown, erschwertes Reisen und Home Office wurde mehr Zeit zuhause verbracht und der Bedarf an Wohnfläche, einem Arbeitszimmer und Garten stieg. Das hat den…

EWU-Konjunktur: Kräftige Industrieerholung bringt weitere Aufhellung

Die drohende dritte Welle der Corona-Pandemie in Europa sorgt derzeit erneut für wachsende Verunsicherung. Die in den vergangenen Wochen vollzogenen Lockerungen in einigen Ländern könnten wieder rückgängig gemacht werden und eigentlich geplante Erleichterungen eventuell doch noch nicht kommen. Dessen ungeachtet verläuft die wirtschaftliche Erholung im Industriesektor ausgesprochen dynamisch. Weltweit steigen die Auftragszahlen und die Produktion wird kräftig ausgeweitet. Der Aufschwung in der Industrie lässt auch unseren DZ BANK Euro-Indikator seine Erholung im März fortsetzen. Er steigt um 0,6 Prozent auf 99,9 Punkte – 1,0 Prozent höher als im März 2020. Die Ergebnisse der aktuellen IHS-Markit-Umfrage unter den Einkaufsmanagern im verarbeitenden Gewerbe, die in die Berechnung unseres Euro-Indikators eingehen, deuten sogar auf das stärkste Wachstum der EWU-Industrie seit drei Jahren hin. Produktion und Auftragseingang legten im abgelaufenen Monat demnach jeweils kräftig zu, die Exportaufträge stiegen sogar so stark wie seit Januar 2018 nicht mehr. Die gute Stimmung in der Industrie zeigt…