Sonderumfrage: Mittelstand reagiert auf US-Zölle

Um Abhängigkeiten zu vermindern, strebt der deutsche Mittelstand eine höhere Diversifizierung an. Vor allem die stärkere Ausrichtung auf europäische Nachbarn und die Rückbesinnung auf den Heimatmarkt sollen dabei helfen.

 

Das Bild stellt eine Grafik dar, die die Auswirkungen von US-Zöllen auf mittelständische Unternehmen in Deutschland zeigt. Es wird dargestellt, wie die Zölle direkt die Unternehmen sowie deren Kunden und Zulieferer treffen. Außerdem wird gezeigt, dass die wechselhafte US-Außenhandelspolitik die Planungssicherheit belastet. Die Daten sind für Herbst 2015 und Frühling 2025 angegeben.

 

Die Politik von Donald Trump hält die Welt in Atem. Auch die eher heimatmarktorientierten deutschen Mittelständler können sich den Folgen seiner Außenhandelspolitik nicht entziehen. Die Ergebnisse einer im Herbst des vergangenen Jahres durchgeführten Sonderumfrage unter mehr als 1.000 Mittelständlern zeigen, dass 12% der Befragten direkte Auswirkungen der US-Zölle spüren. Indirekte Folgen der Zölle über betroffene Kunden und Lieferanten zeigen sich sogar bei 44%.

 

Dabei belasten nicht nur die Zölle. Die Mittelständler sind auch darüber besorgt, dass die erzielte Einigung zwischen den USA und der EU eventuell nicht dauerhaft gilt. Die Ausdehnung der schärferen Regelungen für bestimmte Metalle auf weitere Branchen und die von Trump kurzzeitig angedrohten Grönland-Strafzölle zeigen, dass diese Sorge durchaus begründet ist.

 

In unserer Sonderumfrage gab insgesamt zwar „nur“ knapp ein Viertel an, dass ihre Planungssicherheit unter der US-Politik leidet. Im Metall-, Automobil- und Maschinenbau waren es aber vier von zehn Unternehmen. Auch Mittelständler in anderen Industriebranchen wie der Elektroindustrie und der Chemie zeigten sich weit überdurchschnittlich betroffen.

 

Die wechselhafte US-Außenhandelspolitik sorgt mittel- bis langfristig für eine Umlenkung der globalen Handelsströme. Für die deutsche Wirtschaft ist eine Umorientierung besonders wichtig, da die USA bisher das wichtigste Exportziel für deutsche Güter sind. Aber nur 9% der Befragten können sich vorstellen, dass die Vereinigten Staaten in den nächsten fünf Jahren eine größere Rolle in ihren Lieferketten spielen werden. 19% erwarten dagegen, dass die Rolle der USA geringer ausfallen wird. Die gestiegene Abneigung gegenüber den USA zieht sich durch fast alle Branchen und Größenklassen.

 

Aufgrund der Exportabhängigkeit der industriellen Mittelständler suchen viele Unternehmen in diesen Branchen nach Alternativen zu den USA, aber auch zu China, um ihr Geschäft stärker zu diversifizieren. Dies sind zwar zumeist die west- und osteuropäischen Nachbarn. Aber auch Indien wird von einer Mehrheit als zukünftige Alternative für bestehende Lieferketten genannt. Während bei China eigentlich nur die Elektroindustrie noch ein Interesse an einem weiteren Ausbau zeigt, sind es in Indien zudem die Chemie und der Metall-, Automobil- und Maschinenbau. Selbst die mittelständischen Händler haben ein etwas größeres Interesse am Ausbau ihrer Handelsbeziehungen zu Indien, als es bei China der Fall ist. Das Handelsabkommen der EU mit Indien kommt daher genau zur rechten Zeit.

 

Die Mehrheit der mittelständischen Unternehmen setzt neben der Europäischen Union jedoch weiterhin vermehrt auf den Inlandsmarkt oder sogar auf ihr lokales und regionales Umfeld.

 

-- Dr. Claus Niegsch