Aktienmärkte: Zwischen Euphorie und Ernüchterung

In einer ersten Reaktion haben die Aktienmärkte das Urteil des Supreme Court gegen die US-Zölle mit Euphorie gefeiert. Doch die Erleichterung könnte trügerisch sein. Die Gefahr neuer Handelskonflikte und politischer Unsicherheit bleibt bestehen.
 

Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, die von der Trump-Regierung verhängten Zölle teilweise aufzuheben, löste an den Aktienmärkten in einer ersten Reaktion eine Welle der Erleichterung aus.

 

In den USA führte die Nachricht zunächst zu deutlichen Kursgewinnen. So stieg der S&P 500 um 0,7% und der Nasdaq 100 legte sogar um 0,9% zu. Besonders profitierten Sektoren, die stark von Importen abhängig sind, wie beispielsweise der Einzelhandelssektor.

 

Auch die europäischen Aktienmärkte reagierten mit deutlichem Optimismus, da die Entscheidung als positives Signal für den Welthandel und insbesondere für exportorientierte Länder wie Deutschland gewertet wurde. So kletterte der Stoxx Europe 600 um 1,1% auf ein neues Allzeithoch. Überdurchschnittlich gut schnitten Luxusgüterhersteller ab, also Unternehmen, für die der US-Markt eine wichtige Rolle spielt. 

 

Trotz der kurzfristigen Euphorie bleibt jedoch eine erhebliche Unsicherheit bestehen. Exportfirmen leiden unter der mangelnden Planbarkeit und Investitionsentscheidungen könnten vertagt werden, bis mehr Klarheit herrscht. Die Ankündigung des Weißen Hauses, die Zölle durch alternative rechtliche Maßnahmen ersetzen zu wollen, trübt die mittelfristige Aussicht. Wenn die erzielten Vereinbarungen wieder hinfällig werden, bleibt das Risiko von erneuten Drohkulissen und politischen Störfeuern bestehen, denn jederzeit könnten neue Zölle für beliebige Branchen in unklarer Höhe verhängt werden. Die daraus resultierende Unberechenbarkeit dürfte zu erneuter Volatilität führen und die Aktienmärkte belasten. Die grundsätzlich protektionistische Ausrichtung der US-Administration wird aller Voraussicht nach fortbestehen.

 

-- Birgit Henseler