Rohöl: Vom Säbelrasseln zum regionalen Flächenbrand

Nach der US-Offensive gegen den Iran schlägt Teheran zurück und nimmt die Energieinfrastruktur gegnerischer Golfstaaten ins Visier. Der Ölpreis schoss im Zuge dessen auf den höchsten Stand seit Mitte 2024. Im Falle einer langanhaltenden, vollständigen Sperrung der Straße von Hormus sind Preisspitzen von über 100 US-Dollar je Barrel nicht ausgeschlossen.

 

Das Bild zeigt zwei Diagramme in Bezug auf Brent-Futures. 

1. Das linke Diagramm zeigt den Preisverlauf von Rohöl-Futures für Brent in US-Dollar pro Barrel von Juni bis Februar. Es gibt einen Anstieg des Ölpreises durch Eskalationen im Golf.

2. Das rechte Diagramm zeigt das Handelsvolumen von Brent-Futures von Juni bis Februar mit einem deutlichen Anstieg des Volumens, welches den höchsten Stand seit 2024 erreicht.

 

Die geopolitische Gemengelage hält den Rohölmarkt weiter auf Trab. Die Großoffensive der USA und Israels gegen den Iran hat die ohnehin angespannte Lage am vergangenen Wochenende endgültig eskalieren lassen. Erklärtes Ziel des Militärschlags ist es laut US-Präsident Trump, das iranische Nuklearprogramm zu neutralisieren und einen Regimewechsel herbeizuführen. Teheran reagierte umgehend und nahm Ziele Israels und der USA sowie Energieanlagen von mit den USA verbündeten Golfstaaten ins Visier.

 

Die folgenschwerste Maßnahme ist jedoch die faktische Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran. Die strategisch wichtige Wasserstraße, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gastransports abgewickelt wird, ist nun für die Schifffahrt blockiert. Infolgedessen sitzen rund 20 Mio. Barrel Rohöl fest, was gravierende Auswirkungen auf die globalen Lieferketten hat. Produzenten wie der Irak drosseln bereits ihre Förderung, da ihre Lagerkapazitäten erschöpft sind. Selbst unter optimistischen Annahmen ließe sich weniger als die Hälfte der Ausfälle über andere Kanäle kompensieren.

 

Die asiatischen Länder dürften die Unterbrechungen als Erste zu spüren bekommen, fließen doch rund drei Viertel der Exporte aus dem Golf in diese Region. Die großen Importeure China, Indien und Japan suchen daher händeringend nach alternativen Bezugsquellen. So erwägen China und Indien beispielsweise, ihre Importe von russischem Urals-Öl zu erhöhen. Zwar verfügen beide Länder auch über strategische Reserven, doch diese stellen keine dauerhafte Lösung dar.

 

Die Reaktion der Märkte ließ nicht lange auf sich warten: Der Preis für die Nordseesorte Brent sprang in einer ersten Reaktion um stolze 13% auf über 83 US-Dollar je Barrel – dem höchsten Stand seit Mitte 2024. Seither bewegt sich der Rohölpreis auf diesem Niveau.

 

Die weitere Preisentwicklung hängt auf Sicht der nächsten Wochen maßgeblich von der Dauer und Intensität des Konflikts ab bzw. wie stark die Ölproduktion und der Transport in der Region beeinträchtigt bleiben. Sollte keine sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus gewährleistet werden können, sind weitere dynamische Preissteigerungen bis über die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel nicht ausgeschlossen. Käme es hingegen zu einem zeitnahen Ende der Kampfhandlungen, wäre anzunehmen, dass der Rohölmarkt rasch wieder zur Tagesordnung übergeht.

 

-- Linda Yu