Eskalation im Nahen Osten
Was bisher geschah
Am Morgen des 28. Februar 2026 haben die USA und Israel eine großangelegte Militäroperation gegen den Iran gestartet. Trumps erklärte Kriegsziele umfassen die vollständige Zerstörung des iranischen Raketenprogramms, der Marine sowie des Nuklearprogramms und – implizit – einen Regime-Change. Aktuellen Meldungen zufolge sollen bis zu 50 hochrangige Regimevertreter getötet worden sein, darunter auch Ayatollah Khamenei (dies gilt als offiziell bestätigt). Iran hat mit Raketenangriffen auf US-Stützpunkte in Bahrain, Kuwait, Katar und den VAE reagiert sowie saudisches Territorium getroffen, obwohl Riad zuvor erklärt hatte, seinen Luftraum nicht zur Verfügung zu stellen. Gestern Nacht wurde gemeldet, dass der britische Luftwaffenstützpunkt Akrotiri auf Zypern von einer Drohne getroffen wurde, noch ist allerdings unklar wer die Drohne abgefeuert hat. Auch die Hisbollah hat sich mittlerweile mit Raketenangriffen in den Konflikt eingeschaltet
Szenarien für die weitere Entwicklung
Auf Basis der vorliegenden Experteneinschätzungen und Medienberichte lassen sich mehrere Szenarien in drei Clustern ordnen:
1. Systemstabilität: Das Regime überlebt entweder durch (a) Härte und militärische Gegenschläge oder durch (b) einen taktischen Kurswechsel – ein gemäßigterer Nachfolger Khameneis signalisiert Gesprächsbereitschaft beim Atomprogramm. In beiden Fällen sucht Trump nach einem gesichtswahrenden Ausstieg, sobald die Kritik an seinem Alleingang und der innenpolitische Druck zunehmen (mehrere demokratische und republikanische Abgeordnete fordern eine formelle Abstimmung gemäß der War Powers Resolution). Diese Szenarien werden derzeit am als wahrscheinlichsten angesehen, auch wenn die aktuelle Ausweitung des militärischen Konfliktes dies in Frage stellen dürfte.
2. (Echter) Regimewandel: Es kommt zu (c) Massenprotesten unter dem Druck von außen, (d) einem Coup durch das Militär oder (e) einem von außen geförderten Übergang zu Reza Pahlavi. Die zerstrittene, zersplitterte Opposition und die nach wie vor loyalen Sicherheitskräfte mindern die Wahrscheinlichkeit für ein solches Szenario – ein entstehendes Machtvakuum wäre kaum kontrollierbar.
3. Desintegration: Es entwickelt sich (f) ein regionaler Krieg mit gleichzeitiger Aktivierung aller iranischen Proxies – Hisbollah, irakische Milizen, Huthi – an mehreren Fronten. Oder (g) der Iran zerfällt von innen mit ethnischen Konflikten unter Kurden, Arabern, Baluchen und Azeri.
Straße von Hormuz – aktueller Stand
Die Lage in der Straße von Hormuz ist brisant. Nach den Angriffen vom 28. Februar haben die Revolutionsgarden per VHF-Funk Schiffen mitgeteilt, dass kein Schiff dieses Nadelöhr passieren darf. Gestern Nacht wurde dies erneut wiederholt: Schiffe wurden per Funk angewiesen die Passage zu unterlassen. Allerdings gibt es bislang keine „offizielle“ Schließung der Straße aus Teheran heraus. Viele Tanker haben umgekehrt oder ihren Kurs gestoppt. Die US-Marine hat mitgeteilt, dass sie die Sicherheit kommerzieller Schiffe im Persischen Golf nicht garantieren kann. Mehrere Ölfirmen und Handelshäuser haben Lieferungen durch die Straße vorerst ausgesetzt.
Der Sicherheitschef von BIMC- (Baltic and International Maritime Council) Jakob Larsen geht davon aus, dass es die US-Luft- und Seeüberlegenheit mittelfristig ermöglichen kann, einen Sicherheitskorridor herzustellen – kurzfristig aber ist die Durchfahrt de facto unterbrochen. Griechenland, die UK Maritime Trade Operations, sowie zahlreiche Reedereien haben ihre Flotten bereits angewiesen, Schutzhäfen anzulaufen und die gesamte Region zu meiden.
Die vorhandenen Onshore-Pipeline-Alternativen – Saudi-Arabiens East-West-Pipeline und die UAE Habshan-Fujairah-Pipeline – haben eine kombinierte Kapazität von rund 3 Mio. b/d. Durch die Straße von Hormuz fließen täglich aber über 14 Mio. Barrel – die Pipelines können also maximal nur rund 20% des Volumens auffangen. Für sämtliche LNG-Exporte, vor allem aus Katar, gibt es keine Alternativen zum Seetransport durch die Straße von Hormuz.
China-Exposure: Peking ist der Hauptabnehmer von Erdöl aus der Golfregion und insbesondere von Öl aus dem Iran. Eine längere Schließung der Straße von Hormuz trifft China also härter als jeden anderen.
Wie zu erwarten war, ist der Ölpreis heute morgen sprunghaft angestiegen – wenngleich nicht ganz so dramatisch wie viele am Wochenende spekuliert hatten. Dies dürfte u.a. daran liegen, dass es bislang keine „offizielle“ Sperrung der Strasse von Hormuz gibt, sollte die effektive Schließung jedoch anhalten, ist damit zu rechnen, dass der Preis zumindest kurzfristig weiter steigt.
Relevante Aspekte für die Finanzmärkte
Es ist damit zu rechnen, dass wir in dieser Woche zunächst eine ausgeprägte Risk-Off Bewegung an den Märkten erleben. US-Treasuries, Bundesanleihen, Gold, CHF und möglicherweise auch USD als Gewinner; Spreads bei High Yield und Emerging Markets weiten sich aus; Aktien unter Druck, besonders energieintensive Sektoren und Reisen/Tourismus. Ob diese Bewegungen nachhaltig sein werden, wird natürlich davon abhängen, wie sich die Lage weiter entwickelt. In Szenario 1 (Systemstabilität) könnte recht schnell wieder Ruhe einkehren, ein andauernder (potenziell weiter eskalierender) Konflikt hätte jedoch schwerwiegende Auswirkungen. Ein andauernd höherer Ölpreis würde für erneut steigende Inflation bei gleichzeitig niedrigerem Wachstum sorgen – und die Zentralbanken erneut in das Dilemma stürzen, möglicherweise auf einen durch einen exogenen Faktor ausgelösten Inflationsschub reagieren zu müssen, gegen den sie eigentlich machtlos sind.
-- Sonja Marten

