EUR-USD: Der US-Dollar riskiert seinen guten Ruf
Der US-Dollar geriet nach Spekulationen über JPY-stützende Devisenmarktinterventionen mit US-Hilfe unter Abgabedruck. Die Interventionsgerüchte sind einer von zahlreichen vorübergehenden Belastungsfaktoren für das USD-Sentiment. Die EUR-USD-Prognose bleibt weiterhin intakt.
Euro-Dollar erfährt derzeit deutlichen Rückenwind und kletterte hierbei im Hoch jüngst bis auf rund 1,2080 USD und damit auf den höchsten Stand seit Juni 2021. Hintergrund dieser Bewegung ist primär eine deutliche Schwäche des US-Dollars. Für Verunsicherung sorgten zunächst am vergangenen Freitag Marktspekulationen, wonach die USA ihren japanischen Amtskollegen bei möglichen JPY-stützenden Devisenmarktinterventionen durch USD-Verkäufe unter die Arme greifen könnten. Marktteilnehmer rätselten, ob dies der Anfang einer gewollten (oder zumindest bewusst in Kauf genommenen) deutlichen Abwertungsphase des US-Dollars ist.
US-Präsident Trump machte schließlich mit der Aussage, er sei mit der jüngsten Abwertung des Greenbacks zufrieden, die ganze Sache für den ohnehin verunsicherten Greenback nicht besser. US-Finanzminister Scott Bessent versuchte zwar zeitnah, die marktseitige Nervosität zu lindern, indem er deutlich machte, dass die USA auf keinen Fall Dollar gegen Yen verkaufen werden. Zudem betonte er, dass die USA nach wie vor eine „Politik des starken Dollars“ verfolgen. Den entstandenen Schaden für den Greenback konnte er damit aber kaum lindern.
Die eingangs thematisierten Interventionsgerüchte stellen nur einen von aktuell zahlreichen Belastungsfaktoren für den Dollar dar. Hinzu kommen Trumps Zolldrohungen gegen Kanada und Südkorea, die anhaltende Politisierung der US-Notenbank sowie ein möglicher Militärschlag gegen den Iran. Gemein ist all diesen genannten Faktoren, dass sie das Dollar-Sentiment belasten, was gleichzeitig bedeutet, dass die aktuellen Kursbewegungen kaum fundamental getrieben sind.
Trotz der sich in den letzten Tagen überschlagenden Ereignissen halten wir die aktuellen Kursverluste des Dollars dennoch für etwas übertrieben. So sollte zum einen nicht vergessen werden, dass die aktuelle USD-Bewegung in erster Linie Sentiment getrieben ist und fundamentale Argumente kaum Gehör finden. Zum anderen halten wir eine schnelle Abkehr vom Dollar („De-Dollarisierung“) aufgrund fehlender Alternativen zum US-Währungsraum nach wie vor für unrealistisch. Wir sehen daher Euro-Dollar perspektivisch weiter im Bereich von 1,20 USD gut aufgehoben und bekräftigen unsere 12M-Prognose von 1,22 USD aufgrund der hierzulande anziehenden konjunkturellen Dynamik sowie der geldpolitischen Divergenz zwischen EZB und Fed.
- Mario Schimmels

