DZ Research Blog

Mehrwert Wissen

Von A wie Aktienstrategie bis Z wie Zinsentwicklung präsentiert der DZ Research Blog ein breites und fundiertes Analysespektrum. Zu Wort kommen die Expertinnen und Experten aus dem DZ BANK Research, das mit 85 AnalystInnen und VolkswirtInnen eine der größten Einheiten dieser Art in Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland ist. Im DZ Research Blog analysieren sie aktuelle Daten zu den konjunkturellen Trends, bewerten die neuesten Entwicklungen an den Kapitalmärkten und kommentieren die Auswirkungen politischer Ereignisse auf die Wirtschaft. Profitieren auch Sie von diesem Mehrwert Wissen.

US-Arbeitsmarkt läuft sich warm

Nach der Winterpause läuft sich der US-Arbeitsmarkt allmählich warm. Im Februar wurden 379 Tausend Arbeitsplätze gegenüber dem Vormonat geschaffen – doppelt so viele wie im Januar. Auch die Arbeitslosenquote ging weiter zurück, wenn auch nur leicht. Sie liegt nun bei 6,2 Prozent, nach 6,3 Prozent im Januar. Der erfreulichen Entwicklung liegen wohl vor allem zwei Faktoren zugrunde: Erstens hat sich das Corona-Neuinfektionsgeschehen in den letzten Wochen in den USA erheblich verlangsamt. In einigen Staaten konnten dadurch Lockdown-Maßnahmen gelockert werden. Besonders die Unternehmen aus dem Freizeit- und Beherbergungsbereich stellten daher im Februar wieder deutlich mehr Personal ein. Zweitens hat sich offenbar auch die Konsumfreude der Verbraucher positiv auf die Arbeitsmarktlage ausgewirkt. Das Ende Dezember 2020 verabschiedete Konjunkturpaket motivierte wohl viele US-Bürger zum Shoppen. Dies dürfte das moderate Beschäftigungsplus in anderen Dienstleistungsbereichen wie dem Einzelhandel erklären. Trotz des guten Fortschritts im Februar sind die Spuren der Corona-Pandemie am Arbeitsmarkt aber noch klar…

EZB stemmt sich gegen Renditeanstieg

Seit der letzten Zusammenkunft der Notenbank-Oberen sind die zehnjährigen Bundrenditen in der Spitze um 23 Basispunkte angestiegen. Auch wenn ein gewisser Renditeanstieg aufgrund der zu erwartenden konjunkturellen Erholung in der zweiten Jahreshälfte gerechtfertigt erscheint, ist die Dynamik den Währungshütern ein Dorn im Auge. So könnte ein übermäßig rascher Anstieg der Kapitalmarktrenditen die Erholung der Wirtschaft ausbremsen. Vor diesem Hintergrund haben die Notenbank-Oberen zuletzt auch verbal interveniert. Nichtsdestotrotz bewegen sich die Bundrenditen nach wie vor merklich oberhalb der Niveaus von Mitte Januar (-0,48%). Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass Lagarde zumindest versuchen wird, den weiteren Aufwärtsspielraum der Renditen im Euroraum zu limitieren. In diesem Zusammenhang wird die EZB-Chefin hervorheben, dass die ultra-expansive Geldpolitik noch geraume Zeit fortgesetzt wird. Sollte sich dieser Hinweis als nicht ausreichend erweisen, um dem Aufwärtsdrang der Renditen Einhalt zu gebieten, dürfte unserer Einschätzung nach das PEPP verstärkt zum Einsatz kommen. So wäre es durchaus vorstellbar,…

China: Wachstumsziel von gut sechs Prozent ist für das laufende Jahr nicht ambitioniert

China kehrt dieser Tage zu einem althergebrachten Ritual zurück: Die Jahrestagung des Nationalen Volkskongresses wird mit dem Wirtschaftsausblick des Premierministers eröffnet, der die ökonomischen Ziele für das laufende Jahr verkündet, darunter auch das politisch heikle Wachstumsziel. Wer gedacht hatte, mit der krisenbedingten Aussetzung der Zielvorgabe im vergangenen Corona-Jahr würde sich die chinesische Führung von dieser durchaus umstrittenen Praxis endgültig verabschieden, wurde spätestens jetzt eines Besseren belehrt. Die chinesische Wirtschaft soll also in diesem Jahr um „mehr als sechs Prozent“ wachsen – das entspricht etwa der Zielvorgabe, die auch schon für 2019 galt und geradeso eingehalten wurde. Nun dürfte diese Rate in diesem Jahr vergleichsweise leicht zu erreichen sein. Nach dem tiefen Einbruch der Wirtschaftsleistung durch den Corona-Lockdown zum Auftakt des vergangenen Jahres wird das jährliche Wirtschaftswachstum im laufenden ersten Quartal von außergewöhnlich hohen statistischen Basiseffekten profitieren und wahrscheinlich deutlich zweistellig ausfallen. Außerdem konnte sich in der Volksrepublik im Laufe des…

Opec+ verleiht dem Rohölpreis Flügel

Opec+ hat den Rohölmarkt wieder einmal völlig überrascht. Von allen vorhandenen Handlungsoptionen hat sich das Kartell für die entschieden, die am Markt als sehr unwahrscheinlich eingestuft wurde. Dies zeigt einmal mehr, wie unberechenbar die Wüstenstaaten geworden sind. Es gibt keine Produktionsanpassung nach oben. Selbst die saudische Kürzung wird bis einschließlich April verlängert. Die Nachfragebedingungen seien noch zu fragil für eine Outputsteigerung. Damit hat die Opec+ aus unserer Sicht verpasst, den Markt zu normalisieren. Denn: Eine Anhebung von 500.000 Barrel pro Tag wäre ob der Nachfrageerholung problemlos verkraftbar gewesen. Man provoziert damit eine stärkere Steigerung der Fördermengen in den USA und eine rückläufige Kürzungsdisziplin der Opec Mitglieder. Es wird nun wahrscheinlicher, dass der Anpassungsschritt im Mai größer ausfällt. Dennoch droht zumindest kurzfristig eine ausgeprägte Knappheit.  Der Ölpreis reagierte hierauf bereits sehr positiv und nimmt Anlauf auf die Marke von 70 USD. Die überfällige Verschnaufpause der letzten Tage wurde wieder zügig zu…

China befeuert deutsche Industrie

China hat im vergangenen Jahr eine Turbo-Erholung hingelegt: Schon im zweiten Quartal konnte die Industrie den tiefen Corona-Einbruch von 25 Prozent aus dem Vorquartal wieder aufholen. Auch die Gesamtwirtschaft konnte ihr Vorkrisenniveau bereits im Frühjahr wiederherstellen, als die Weltwirtschaft gerade erst in die Corona-Krise absackte. Nicht nur dieser zeitliche Vorsprung kam Chinas Industrie zugute. Die weltweite Verschiebung der Konsumgewohnheiten in der Pandemie – weg von Dienstleistungen, hin zu Gebrauchsgütern – bescherte der Volksrepublik als größtem Hersteller von industriell gefertigten Produkten eine Export-Sonderkonjunktur. Der schnelle Aufschwung Chinas nach der Corona-Krise kam aber auch deutschen Unternehmen zugute. Sie profitierten von der wieder erstarkten Nachfrage aus China, während andere potentielle Lieferregionen noch in der Krise steckten. China war zwar schon vor der Krise wichtigster Handelspartner Deutschlands. Im vergangenen Jahr konnte die Volksrepublik diese Stellung aber ausbauen. Auf der Exportseite erhöhte sich während der Corona-Pandemie für fast alle Industriebranchen die wirtschaftliche Bedeutung Chinas. Besonders…

Ratingagentur sieht vor allem Pharmakonzerne mit starker US-Präsenz mit hohen sozialen Risiken konfrontiert

Bei der Emission von Unternehmensanleihen gewinnt die Thematik ESG (Environmental, Social, Governance; zu Deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) immer mehr an Bedeutung. In diesem Zusammenhang wurden aktuell die Einflüsse der Wahrnehmung des jeweiligen Sektors in der Gesellschaft, der Einfluss auf gesetzgeberische Maßnahmen und die rechtlichen Risiken der jeweiligen Branchen von der internationalen Ratingagentur Moody’s in einer branchenübergreifenden Studie untersucht. Ziel war es, den möglichen Einfluss dieser Faktoren auf die Bonität der Unternehmen einzuschätzen. Bei der Pharmabranche wurde Moody’s in besonderem Maße fündig. Die Agentur sieht in der  Pharmabranche hohe sogenannte „soziale Risiken“. Der größte Risikofaktor ist dabei das Thema „Wahrnehmung der Preisgestaltung“ in der Gesellschaft. Medikamente werden in der Bevölkerung häufig als sehr teuer wahrgenommen und sind auch ein bedeutender Kostenblock für die Gesundheitssysteme in den jeweiligen Ländern. Entsprechend groß ist der Druck auf die Gesetzgeber, in diesem Bereich eine Kostenexplosion zu verhindern bzw. Kostensenkungen zu erzielen. Beliebte Maßnahmen der…