Konjunktur

Polen: Vom Musterschüler zum „Enfant terrible“ der EU

Scheinbar ohne Rücksicht auf Verluste treibt die neue polnische Regierung den Umbau des polnischen Rechtsstaates voran und griff bereits massiv in die Bereiche der Justiz und der Medien ein. Innerhalb der EU regt sich deutlicher Widerstand über diese Entwicklung. Am 13. Januar kommt die EU-Kommission zusammen, um über die Lage in Polen zu beraten. Die EU verfügt theoretisch über eine Reihe von Sanktionsmechanismen, mittels derer sie den Druck auf Polen eigentlich erhöhen könnte. Das Problem ist jedoch, dass diese Instrumente immer mehr zu stumpfen Waffen verkommen. Dies liegt zum einen daran, dass die EU die Eskalation eines Konflikts mit einem Mitgliedsland scheut. Und zum anderen – und dies ist das größere Problem – führt die herrschende Uneinigkeit unter den EU-Mitgliedsstaaten dazu, dass die diversen Sanktionsmechanismen an Schlagkraft verloren haben, bzw. diese nie hatten. Letztendlich muss Polen aus heutiger Sicht keine drastischen Konsequenzen seitens der EU wie beispielsweise den Entzug von…

Deutschland geht es gut! – Jahresausblick für 2016

Aus wirtschaftlicher Sicht war  2015 für Deutschland ein gutes Jahr. Die Arbeitslosigkeit ist gefallen, die Steuereinnahmen sind gestiegen und die privaten Haushalte sind in bester Konsumstimmung. Jedoch aus politischer Sicht ist das Jahr nicht ganz so gut gelaufen. Bund, Länder und Kommunen kämpfen seit Monaten mit dem Flüchtlingsansturm. Was dürfen wir für 2016 erwarten? Kann die Wirtschaft sich auch im kommenden Jahr vom schwierigen außenwirtschaftlichem Umfeld abkoppeln? Vor allem dank einer gut laufenden Konsumnachfrage befindet sich die deutsche Wirtschaft im ausgehenden Jahr 2015 auf Wachstumskurs. Während in früheren Erholungsphasen zumeist die Exportstärke Deutschlands die Konjunktur angetrieben hat, ist es diesmal die robuste Binnennachfrage, Sie stützt sich auf eine ausgesprochen günstige Arbeitsmarktlage und kräftig steigende Realeinkommen. Die niedrigste Arbeitslosenquote seit der Wiedervereinigung und eine rekordhohe Beschäftigung sind die Gründe für einen dynamischen Anstieg der privaten Konsumausgaben, der 2015 auch die Kassen des deutschen Einzelhandels nach einigen eher mageren Jahren wieder hat…

Welt-Klimavertrag

Den in Paris beschlossenen Welt-Klimavertrag kann man tatsächlich historisch nennen. Es hat sich hier wieder einmal gezeigt, dass sich die Weltgemeinschaft auch in schwierigen Themen einigen kann, wenn der Druck nur groß genug ist. Nun kann man im Sinne unserer Kinder nur noch hoffen, dass der Vertrag auch mit Leben erfüllt wird und die Klimaerwärmung entsprechend eingedämmt werden kann. Wenn der Vertrag gelebt wird, dürften die Auswirkungen auf Weltpolitik und Weltwirtschaft weitreichend sein. Die starke Abhängigkeit vom Rohöl sollte sich in den nächsten Jahren langsam verringern. Damit wird der Preis des Rohstoffes Öl auch an Bedeutung verlieren. Gleichzeitig wird man sich auf andere Energiequellen konzentrieren. Die Energiewende in Deutschland könnte hier für viele Länder ein Vorbild werden und man kann einige Fehler vermeiden. Öl als Rohstoff wird natürlich weiterhin eine wichtige Rolle spielen, aber insgesamt wird sein Einfluß auf die Weltwirtschaft merklich sinken. Das politische Gewicht des Nahen Ostens dürfte…

Rohölpreis sollte zunächst niedrig bleiben

Die OPEC hat im Rahmen ihres Treffens in Wien sich nicht auf eine Kürzung der gegenwärtig Förderung von 31,5 Mio. Barrel pro Tag einigen können. Entscheidend für die rigorose Haltung Saudi-Arabiens ist wohl, dass sich der Wüstenstaat angesichts der allmählich sinkenden Schieferölproduktion in den USA (sowie einer absehbar sinkenden Non-OPEC-Förderung im Jahre 2016) mit seiner Strategie auf dem – langfristig – richtigen Pfad wähnt. Der Ölpreis sollte in den kommenden Monaten weiter unter Druck bleiben. Die  globale Wachstumsdynamik dürfte sich zunächst nicht verstärken, Damit sollten die Überkapazitäten nicht merklich abgebaut werden. Somit sollte sich der Ölpreis nur wenig erholen können. Das Risiko liegt eher darin, dass die Wachstumsdynamik etwas nachlässt und damit der Ölpreis noch weiter unter Druck kommt. Mit einer solchen Entwicklung würde auch die Inflationsentwicklung weiter schwächer verlaufen als von den Zentralbanken erwartet.

Finanzmärkte reagieren gelassen auf die Anschläge in Paris

Die terroristischen Anschläge in Paris am vergangenen Freitag waren grausam und auch ein Anschlag auf unsere Lebensform und unsere Freiheit. Beruhigend und ermutigend empfand ich die Aussagen, dass man es eben nicht zulassen darf, dass solche gemeinen Aktionen unsere Art zu Leben und unsere Freiheit einschränken. Dieser Forderung kann mich nur mit voller Überzeugung anschließen. Unser Bild der Konjunktur und unsere Erwartungen für die Finanzmärkte haben sich nicht fundamental geändert. Wir rechnen weiterhin mit einem weltweit moderaten Wachstum, hauptsächlich getragen von den Industrieländern. An den Finanzmärkten sollten die Anleiherenditen relativ niedrig bleiben und die Aktienmärkte durch die Geldpolitik der Notenbanken unterstützt sein. Die Zentralbanken spielen die zentrale Rolle an den Finanzmärkten. Dabei rechnen wir mit einem sehr moderaten Zinsanhebungskurs in den USA, während die EZB das monetäre Umfeld noch weiter lockern dürfte. Unter dem Strich können wir zumindest aus volkswirtschaftlicher Sicht die vergleichsweise nüchterne Reaktion der Finanzmärkte als ermunterndes Signal…