Bettina Schlorke

Spanien: Wirtschaftliche Erholung hängt am Tropf des Tourismus

Spanien gehört wirtschaftlich zu den großen Verlierern des Corona-Jahres 2020. Der Rückgang der Wirtschaftsleistung um 11,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr war nicht nur gewaltig. Der Einbruch katapultierte das Niveau des Bruttoinlandsproduktes (BIP) zweitweise in das Jahr 2002 zurück. Ein wesentlicher Grund für den kräftigen Einbruch der Wirtschaftsleistung seit Pandemiebeginn lag vor allem auch in der Entwicklung des Tourismus. Dieser ist ein wichtiger Eckpfeiler der spanischen Volkswirtschaft. Laut dem internationalen Forum der Reise- und Tourismusindustrie (WTTC = World Travel & Tourism Council) hat der Tourismusbereichs im Vorkrisenjahr 2019 hohe 14,3 Prozent zur gesamten Bruttowertschöpfung beigetragen. Die Tourismusbranche hat nach eigenen Angaben die Wintermonate bereits „abgeschrieben“. Große Hoffnungen ruhen nun auf einer Belebung ab dem Frühjahr. Umfragen unter Verbrauchern weisen auf eine hohe Reisebereitschaft hin und die spanischen Fremdenverkehrsverbände sprechen bereits wieder von soliden Buchungszahlen, insbesondere für die Sommermonate. Dennoch geben die Umfrageergebnisse auch eine gewisse Kundenskepsis wider. Von einem Andrang wie…

Einkaufsmanagerindizes im Euro-Raum: Industrie verhindert Schlimmeres

Die Gesamtstimmungslage der Einkaufsmanager im Euro-Raum hat sich im Februar leicht verbessert. Der umfassende Composite-Einkaufsmanagerindex zur Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe und unter den Dienstleistern stieg von 47,8 auf 48,1 Punkte. Trotz der Verbesserung bleibt die Messzahl unterhalb der neutralen Marke von 50 Indexpunkten und gibt das Signal weiterhin schwieriger Wirtschaftsbedingungen. Dies entspricht insgesamt unserem Prognosebild: Die pandemie-bedingten Einschränkungen des wirtschaftlichen und sozialen Lebens dürften die Euro-Raum-Wirtschaft im ersten Quartal 2021 erneut gebremst haben. Hinter der Bewegung im Februar steht eine nach wie vor kräftige Industriekonjunktur, die Schlimmeres verhindert, während der Dienstleistungsbereich tiefer in den rezessiven Bereich rutscht. Ähnlich wie im Euro-Raum insgesamt, verhält es sich auch in Deutschland: Tristesse bei den Dienstleistern und Hochstimmung im verarbeitenden Gewerbe. Die Stimmungswerte in der Industrie fallen wesentlich optimistischer aus und klettern dank eines starken Exportgeschäfts mit 60,6 Indexpunkten sogar auf den höchsten Wert seit drei Jahren. Die Industrie federt zwar gesamtwirtschaftlich viel ab,…

Euro-Raum und USA: Stärkere Inflation 2021 ist ein Ausreißer

Die Inflation hat sich im Euro-Raum und in den USA im vergangenen Jahr krisenbedingt deutlich abgeschwächt, in der EWU rutschte die Teuerungsrate zeitweise sogar in den negativen Bereich. Rohöl hat sich zum Jahresauftakt 2021 aber wieder spürbar verteuert, konjunkturell steht ein „Post-Corona-Boom“ bevor und in den USA verfolgt die neue Regierung eine expansive Fiskalpolitik. Der Preisdruck steigt damit. Kommt nach der Pandemie die große Inflation?  Tatsächlich dürften die Teuerungsraten im Euro-Raum und in den USA 2021 deutlich anziehen. So rechnen wir mit einem Anstieg der Verbraucherpreise im laufenden Jahr gegenüber dem Vorjahr um durchschnittlich 2,6 Prozent in den USA und um 1,6 Prozent in der EWU. In einzelnen Monaten dürften die Inflationsraten sogar noch deutlich höher ausfallen: In den Vereinigten Staaten rechnen wir in der Spitze mit Teuerungsraten von etwas über drei Prozent im zweiten Quartal 2021 und in der EWU wird die Inflationsrate voraussichtlich im Spätsommer die Zwei-Prozent-Marke erklimmen. …

Leitzinserhöhungserwartungen beflügeln die tschechische Krone

Die tschechische Krone lässt dieser Tage gegenüber dem Euro die Muskeln spielen und nimmt hierbei Kurs auf ihre Vor-Corona-Niveaus von Anfang März 2020. Rückenwind erfährt die kleine CE3-Währung derzeit nicht nur von dem freundlichen Marktsentiment gegenüber Schwellenländerwährungen. Vielmehr spielen ihr auch die jüngst besser als erwartet ausgefallenen vorläufigen tschechischen Wachstumszahlen für das Schlussquartal 2020 sowie besonders die dort aufgekommenen Leitzinserhöhungserwartungen in die Hände. Nahrung erhielten diese geldpolitischen Spekulationen u.a. durch Äußerungen des tschechischen Notenbankchefs Rusnok, welcher jüngst bis zu zwei Leitzinsanhebungen in diesem Jahr in Aussicht gestellt hat. Wenngleich die geldpolitische Freude der Krone angesichts der drastischen Lockerungen im vergangenen Jahr nur allzu verständlich ist, so warnen wir an dieser Stelle vor zu viel Euphorie und geben zu bedenken, dass die Krone womöglich noch einiges an Geduld wird aufbringen müssen, bevor die tschechischen Währungshüter (CNB) wirklich aktiv werden. Einen Hinweis hierauf gab zuletzt wieder einmal niemand geringeres als der dortige…

Bitcoin: Neues Rekordhoch dank Tesla

Nachdem der Kurs der führenden Kryptowährung zu Beginn des Jahres einen neuen Rekordstand bei 42.000 USD erreicht hatte, ließ sie es in den vergangenen Wochen etwas ruhiger angehen und rutschte dabei phasenweise sogar wieder unter die Marke von 30.000 USD. Mit dieser Ruhe ist es vorbei, nachdem der Elektroautohersteller Tesla wissen ließ, dass nicht nur 1,5 Mrd. USD in die Kryptowährung investiert wurden, sondern Bitcoin in naher Zukunft auch als Zahlungsmittel akzeptiert werden soll. Der Kurs der Kryptowährung stieg daraufhin auf ein neues Rekordhoch von knapp 45.000 USD. Das Engagement Teslas ist Wasser auf die Mühlen der Bitcoin-Anhänger, die in der Kryptowährung die Geldform der Zukunft sehen und einen massiven Bedeutungsverlust traditioneller Währungen wie Euro und Dollar erwarten. Hintergrund dieser Einschätzung ist nicht zuletzt die sehr expansive Geld- und Fiskalpolitik der vergangenen Monate. Ob sich Bitcoin auf lange Sicht tatsächlich als dominierende Geldform oder eine Art digitales Gold in der…

Deutsche Unternehmen schütten 40 Milliarden Euro aus

Siemens hat in der vergangenen Woche die Dividendensaison 2021 eröffnet. In den kommenden Monaten werden die deutschen Unternehmen rund 40 Mrd. Euro an die Aktionäre ausschütten. Zwar hat die Pandemie die Unternehmen im laufenden Geschäft 2020 unter Druck gesetzt, die aktuelle Berichtssaison zeigt jedoch, dass die Belastungen weniger stark ausfallen als erwartet. Da zudem viele Unternehmen die Dividenden bereits im Vorjahr reduziert haben, sollte der Rückgang der Ausschüttungen deutlich geringer ausfallen als bei den Gewinnen. Nach einem Dividendenrückgang von 16% im vergangenen Jahr erwarten wir nur noch einen leichten Rückgang von 3%. Der Blick nach vorn bleibt positiv. Die Gewinne der Unternehmen sollten sich in den folgenden Jahren deutlich erholen. Die Ausschüttungsrekorde von 2018 sollten mit den Bilanzen von 2022, also in zwei Jahren, wieder erreicht werden. Die Dividendenrendite ist in den letzten Monaten gefallen und liegt im DAX mit 3% rund 10% unter dem langjährigen Durchschnitt. Gegenüber Staatsanleihen bieten…

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