Euro mit Schwung in das zweite Quartal

Über Langeweile konnte sich das Währungspaar Euro-Dollar in den vergangenen Quartalen wirklich nicht beklagen – im Gegenteil! Nach deutlichen Kursgewinnen in der zweiten Jahreshälfte 2020 ging es in den ersten drei Monaten dieses Jahres wieder steil bergab. Pünktlich zu Beginn des zweiten Quartals wendete sich das Blatt wieder zugunsten der Gemeinschaftswährung und ließ diese den Bereich um 1,21 USD zurückerobern.

Der im April zu beobachtende Sinneswandel rührt zu einem nicht unwesentlichen Teil von der Dollarseite her. In den USA hatte die Federal Reserve einige Mühe, die Marktteilnehmer davon zu überzeugen, dass sie trotz der kräftigen Konjunkturerholung und eines spürbar anziehenden Preisdrucks bis auf weiteres an ihrer lockeren geldpolitischen Ausrichtung festhalten wird. Dies scheint ihr mittlerweile gelungen zu sein. Aus Sicht des Greenback kommt erschwerend hinzu, dass marktseitig mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung in den USA bereits sehr viel Positives eingepreist wurde und selbst ein neues billionenschweres Fiskalpaket offensichtlich keine nennenswerten Impulse mehr setzen kann.

Für den Euro konnte es gegen Ende des ersten Quartals hingegen kaum noch schlimmer werden. Geprägt war der marktseitige Blick von hohen Corona-Infektionszahlen, neuen Lockdown-Maßnahmen in vielen der großen EU-Länder, einer äußerst schleppend verlaufenden Impfkampagne und Streitigkeiten bis in die oberste EU-Hierarchieebene hinein. Nun kann von übermäßiger Harmonie auf politischer Ebene diesseits des Atlantiks zwar weiterhin keine Rede sein. Allerdings hat der im vergangenen Jahr auf den Weg gebrachte EU-Wiederaufbaufonds zuletzt nennenswerte Fortschritte gemacht. Noch wichtiger ist, dass die Impfkampagne mittlerweile Fahrt aufgenommen hat. Anstatt über Lockdown-Maßnahmen wird jetzt über einen Öffnungsfahrplan und Sonderrechte für Geimpfte diskutiert. Das Licht am Ende des Corona-Tunnels rückt damit in greifbare Nähe.

Der Euro konnte in den letzten Wochen in der Gunst der Marktteilnehmer gegenüber dem US-Dollar demnach zwar spürbar aufholen, dennoch gestehen wir der Gemeinschaftswährung weiterhin das größere Überraschungspotenzial zu. Dabei dürften es weniger neue Faktoren sein, die positive Impulse liefern. Vielmehr sollten die Verfestigung des höheren Impftempos, die greifbarer werdenden Öffnungsschritte und schließlich eine weitere Aufhellung der Konjunkturindikatoren den – wahrscheinlich mit vorübergehenden Rückschlägen gepflasterten – Weg für höhere Euro-Dollar-Notierungen ebnen.

— Sören Hettler

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