Berichtssaison zu Geschäftsjahreszahlen 2020 mit positiven Überraschungen

Inzwischen ist die laufende Berichtssaison bereits weit vorangeschritten. In den USA hat die Mehrheit der S&P 500 Unternehmen positiv überrascht – mit 69% beim Umsatz und 78% beim Gewinn. Diese positive Entwicklung lässt sich auch an den hohen Bewertungen an den Aktienmärkten ablesen. Auf Basis unserer Coverage mit Schwerpunkt Europa zeigt sich ebenfalls, dass es trotz Corona-Krise eine Reihe von positiven Überraschungen gab. Vielen Unternehmen ist es durch geeignete Maßnahmen, wie Kostensenkungen, Investitionskürzungen oder -verschiebungen oder Working-Capital-Optimierung gelungen, die Pandemiebelastungen zu begrenzen. Dagegen müssen Unternehmen, deren Geschäft durch die starken Mobilitätseinschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie betroffen ist, starke Rückschläge verkraften.

Im Technologiesektor konnten Unternehmen in den Bereichen Cloud, Hardware für Homeoffice und Homeschooling profitieren, während das Lizenzgeschäft aufgrund von Investitionszurückhaltungen, aber auch dank der Umstellung auf die Cloud gelitten hat. Auch die Logistik-Sparte lief gut, weil der Onlinehandel in Lockdownzeiten florierte. Die Pharma-Konzerne entwickelten sich in der Regel stabil, auch wenn es Covid-19-bedingt durch Verschiebungen von nicht dringend notwendigen Arztuntersuchungsterminen und Vorsorgeuntersuchungen zu Einbußen kam. Der Versorger-Sektor lieferte bis jetzt ordentliche Zahlen mit überschaubaren Corona-Belastungen. Spannendes Thema ist hier derzeit der Übernahmeversuch von Suez durch Veolia.

Im Telekomsektor drückten die Lockdowns vor allem auf die Roaming- und Geräteumsätze. Teilweise konnten die Corona-bedingten Erlös-Rückgänge durch höhere Gesprächsvolumina aufgrund des verstärkten Homeoffice-Einsatz teilweise aufgefangen werden. Telekoms mit starkem Engagement im Mittelmeerraum oder in Lateinamerika sowie im Medienbereich waren von der Pandemie im stärkeren Maße betroffen als andere, die die Belastungen besser kompensieren konnten. Der vom Lebensmittelhandel geprägte Sektor Retail verzeichnete weiterhin hohe Umsatzsteigerungen aufgrund der anhaltenden Pandemie-bedingten Verlagerung des Lebensmittelverzehrs von „außer Haus“ zum „eating at home“. Hohe Investitionen in Schutzmaßnahmen und der Online-Ausbau erschweren jedoch eine entsprechende Gewinnentwicklung. Interessant erscheint hingegen die Chemie-Branche, die aktuell ein heterogenes Bild bietet. In Abhängigkeit von der Kundenstruktur sind die Chemieunternehmen in unterschiedlich starkem Umfang von der Pandemie tangiert. So sind Unternehmen mit einem höheren Engagement im Bereich Automobil- oder Luftfahrt stärker belastet als Branchenvertreter mit einem konsumnahen Exposure. Auch Unternehmen der Spezialchemie fahren zurzeit meist besser.

— Christian Albrecht

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