Deutsche Konjunktur: In Q4 noch stabil, aber Q1 wird schwierig

Von einer Entspannung der Corona-Lage kann noch keine Rede sein, doch immerhin sinken die Infektionszahlen in Deutschland seit einigen Tagen merklich. Der im Dezember nochmals verschärfte Lockdown wirkt also. Gleichzeitig fordert er aber auch seinen ökonomischen Tribut, das zeigen die jüngsten Datenveröffentlichungen im Januar. Der Optimismus bei den Unternehmen, der im Herbst aufgekommen war und sich mit den Aussichten auf einen schnell verfügbaren Impfstoff noch verstärkt hatte, erleidet zu Jahresbeginn einen Rückschlag.

Dabei war die Wirtschaftsentwicklung zum Jahresende 2020 noch recht stabil. Das Statistische Bundesamt meldet für das Bruttoinlandsprodukt im 4. Quartal 2020 sogar ein leichtes Plus von 0,1%. Der wichtigste Grund ist, dass derzeit – im Gegensatz zum letzten Frühjahr – die Industrie weltweit auf hohen Touren weiterproduzieren kann und der Welthandel wieder kräftig wächst. Das ist im Industrie- und Exportland Deutschland besonders wichtig. Neben den Exporterfolgen hat nach Angaben der Statistiker auch die kräftige Baukonjunktur im Schlussquartal 2020 geholfen, die negativen Effekte beim Einzelhandel und im Dienstleistungsgewerbe auszugleichen.

Doch aktuell schätzen die vom ifo-Institut befragten Manager ihre Geschäftslage und die Aussichten für die kommenden Monate merklich schlechter ein als noch im Dezember. In der deutschen Industrie läuft es weiterhin vergleichsweise gut, auch weil sich die Exportperspektiven aufgehellt haben. Sehr viel schlechter sieht es in Bereichen aus, die vom verlängerten Lockdown direkt betroffen sind. Der stationäre Einzelhandel, das Gastgewerbe und die persönlichen Dienstleister erleiden durch die Anti-Corona-Maßnahmen massive Verluste.

Auch bei den Verbrauchern schlägt der Lockdown auf die Stimmung. Nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung ist die Anschaffungsneigung regelrecht zusammengebrochen, während Konjunktur- und Einkommenserwartungen der Haushalte eher moderate Verluste zu verzeichnen haben. Insgesamt zeichnet sich derzeit für das erste Quartal beim Bruttoinlandsprodukt ein deutliches Minus ab, nachdem das vierte Quartal gesamtwirtschaftlich noch leicht positiv verlaufen ist.

— Dr. Michael Holstein

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