Sechs Lehren, die Anleger aus dem Jahr 2020 mitnehmen können

Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu. Es wird als eines der traurigsten Jahre seit Jahrzehnten in die Geschichtsbücher eingehen. 75 Millionen Menschen infizierten sich mit dem Corona-Virus und leiden heute teils unter erheblichen Spätfolgen. Über 1,7 Millionen Menschen ließen infolge der Covid 19-Pandemie ihr Leben. Hinter jedem Todesfall standen wohl unbeschreibliche menschliche Tragödien.

Das Virus wirkte aber auch auf andere Lebensbereiche. Vor allem auf die globale Wirtschaftsleistung, die in diesem Jahr trotz Stützungen einbrach. Aber auch die Arbeitswelt und das Leben jedes Einzelnen änderten sich. Technologische Trends wurden verstärkt, der Siegeszug digitaler Produkte und Dienstleistungen schreitet voran. Das Virus wirkte auch auf die Politik. Meinungsverschiedenheiten über die Coronabekämpfung und generelle Politikausrichtungen wurden offengelegt und über die Hebelwirkung sozialer Medien verstärkt. Die politischen Spaltungen nahmen zu, wie nicht nur die Wahl zum US-Präsidenten zeigte.

Im starken Kontrast dazu stand 2020 die Entwicklung an den Finanzmärkten. Die Kreditmärkte preisen eine heile Welt ein, ebenso wie die Aktienmärkte. Der MSCI Welt Index legte 2020 15 Prozent zu, der DAX gewann 4 Prozent, und der Nasdaq-100 haussierte um 46%. Von der scharfen Krise aus dem März 2020 ist zum Jahreswechsel 2020/21 nichts mehr zu spüren, im Gegenteil.

Geholfen haben den Märkten die fiskalischen Impulse der Staaten, die schnell reagierten und Unternehmen und Arbeitnehmern Einkommensverluste ersetzten, um eine Massenarbeitslosigkeit zur vermeiden. Noch stärker wirkten die sehr aggressiven Liquiditätsspritzen der Notenbanken. Auch diese erreichten Rekorddimensionen, stabilisierten die Kreditmärkte und stützten die Aktienkurse.

Zum Jahresende erreichen uns häufig Fragen, welche Lehren Anleger aus den Geschehnissen des Jahres 2020 mitnehmen können.

Diese Frage sollte sich jeder Leser grundsätzlich selbst beantworten. Am besten geht dies, indem analysiert wird, was 2020 im eigenen Portfolio falsch gelaufen ist.

Wir selbst denken, dass folgende Punkte wichtig sind:

1. Der Aktienmarkt ist nicht die Volkswirtschaft (aber schon nahe dran)

Die Unternehmen in den großen Aktienindizes waren in der Vergangenheit erfolgreicher als die „normalen“ Unternehmen eines Landes, sonst wären sie nicht so stark gewachsen und in den Indizes vertreten. Auf die Aktienkurse wirken zudem viele Faktoren (Stimmung am Markt, Anlegerverhalten, Liquidität, Zinsentwicklung, Verfügbarkeit von Anlagealternativen, politische Einflüsse), denen Unternehmen abseits der Börse kaum unterliegen.

2. Die Unternehmen können sich an schwierige Situationen schnell anpassen

Die meisten Unternehmen haben den stetigen Wandel in ihrer DNA fest verankert. Bereits 2021/2022 sollten die Gewinne der DAX-Konzerne wieder die alten Hochs erreichen können. Die starken Unternehmen setzen in der Krise schwache Konkurrenten unter Druck und werden profitabler. Überproportionale Gewinnsteigerungen bei einzelnen Konzernen sind denkbar, wenn 2020 die Kosten gesenkt wurden.

3. Die Unterstützungsmaßnahmen für die Märkte und die Wirtschaft scheinen unbegrenzt

Die riesigen Liquiditätsmengen, die die Notenbanken zur Verfügung stellen, wirken an den Aktienmärkten wie eine breit angelegte Marketingkampagne für sogenannte „Risiko-Assets“ wie Gold, Bitcoin und Aktien. Ohne die niedrigen Zinsen könnten viele Unternehmen und Länder die Zinslast nicht mehr stemmen und wären ausfallgefährdet.

4. Im Nachhinein ist immer alles offensichtlich gewesen

2020 war gefühlt ein Jahr, in dem Anleger entweder 10 Prozent mit Standardwerten oder 300 Prozent mit US-Techaktien verdienen konnte. Anleger die zur ersten Kategorie gehörten, sollten den Kursgewinnen der anderen nicht hinterher trauern. Diese waren nicht vorhersehbar.

5. Ein Jahr ohne Krise gab es an den Finanzmärkten noch nie

So erschütternd das Corona-Jahr 2020 auch verlief: In den letzten Jahrzehnten gab es nicht ein einziges Jahr, an dem es keine Krise an den Finanzmärkten gab. Kalter Krieg, 9/11 oder Brexit-Krise: Tatsächlich sind die Aktienkurse in dieser Zeit aber ziemlich konstant mit sieben bis neun Prozent Kurszuwachs pro Jahr angestiegen.

6. Im Portfolio streuen, auf gute Unternehmen achten, nicht in Panik verkaufen. Das wird auch in Zukunft Erfolge bringen

Anleger, die im Kurstief im März ihre Portfoliopositionen verkauft hätten, hätten ein gutes Anlagejahr verpasst. Mit einem Fokus auf mehrere gute Unternehmen im Depot, einem langen Zeithorizont und viel Gelassenheit kann jedoch vielen vermeintlichen Problemen aus dem Weg gegangen werden.

Christian Kahler

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Ein Kommentar

Martin Finger

Insbesondere Nr. 6 versuche ich zu beherzigen und meine Familie ist damit per Saldo gut gefahren. Natürlich sollte man einen Notgroschen haben, damit man nicht zur ungeplanten Auflösung von Papieren gezwungen ist.

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