Eurozone

Yield Curve Control‘ à la EZB

Implizite Zinsvolatilitäten haben eine bestimmte Signalwirkung am Rentenmarkt. Vordergründig können die Händler von Zinsoptionen mit dieser Stellschraube die Prämie für Zinsabsicherungen, kündbare Termingelder oder kündbare Zinsstrukturen bestimmen. Im Kern verbergen sich dahinter aber weniger komplexe Formeln als vielmehr Erwartungen über die Schwankungsanfälligkeit des betreffenden Zinses. Man kann also an der Entwicklung der impliziten Zinsvolatilität ablesen, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Marktteilnehmer auf kurze, mittlere oder lange Sicht (abhängig von der Laufzeit der dazugehörigen Option) eine nachhaltige Änderung des Zinsniveaus erwarten. Ein Blick auf die Zinsvolatilitäten im Verlauf des Jahres 2020 bestätigt diese Lesart. Nachdem das Jahr auf vergleichsweise niedrigen Niveaus startete, kam es im Zuge der Corona-Krise im Frühjahr zu einem unerwarteten Anstieg der Zinsvolatilitäten, sowohl für kurze als auch für lange Laufzeiten. Obgleich die mit der Pandemie einhergehenden, konjunkturellen Unwägbarkeiten zu diesem Zeitpunkt noch groß waren, blieb dieser Anstieg aber deutlich hinter den Entwicklungen während der Finanzkrise 2008/2009 oder der…

Deutsche Staatsfinanzen weiter sehr solide

Die Bundesregierung plant für 2021 eine deutlich höhere Neuverschuldung. Lag die Planungsgröße des Bundes für die Neuverschuldung im Oktober noch bei 96 Mrd. Euro, werden nunmehr bereits 180 Mrd. Euro fürs kommende Jahr angepeilt. Die Kritik an der Finanzpolitik der Bundesregierung wurde zuletzt daher immer lauter. Einige Kritiker befürchten sogar, dass die Staatsfinanzen aus dem Ruder laufen und nachfolgende Generationen belastet werden könnten.  Die Ergebnisse unserer Modellrechnungen zeigen allerdings: Kehrt Deutschland nach der Krise zur alten Politik der moderaten Primärüberschüsse zurück, ist mit einem deutlichen Rückgang der Schuldenstandsquote zu rechnen – bis 2027 könnte sogar das Schuldenstandsniveau von 2019 unterschritten werden. Ein wesentlicher Treiber für die Entwicklung sind die für Deutschland sehr günstigen Refinanzierungsbedingungen. Hierin unterscheiden sich die Rahmenbedingungen der aktuellen Krise deutlich von früheren – beispielsweise während der Finanz- oder der Staatsschuldenkrise. Auch bei moderat steigenden Marktrenditen würden Deutschlands Refinanzierungskosten erst einmal weiter sinken. Nur bei stark steigenden Marktrenditen…

Fordern die aktuellen Lockdowns weniger Tribut als im Frühjahr?

Die Wirtschaftsstimmung im Euroraum hat sich trotz der erneuten Lockdowns im Dezember aufgehellt. Zwar lähmen noch immer in Europa die Corona-Pandemie und die Lockdowns in zahlreichen Ländern lähmen die Wirtschaft. Die Auswirkungen sind aber scheinbar weniger gravierend als im Frühjahr. Mehr noch, die Stimmungslage der Einkaufsmanager konnte sich gemäß der Umfrage von IHS Markit im Dezember sogar spürbar aufhellen. Der zusammenfassende Composite-Index aus Industrie und Dienstleistungsbereich kletterte um 4,5 Punkte auf 49,8 Zähler und liegt damit nur noch knapp unter der Schwelle von 50 Indexpunkten. In beiden Teilbereichen verbesserten sich die jeweiligen Messzahlen. Deutlicher nach oben ging es bei den Dienstleistern, aber auch der Index der Industrie konnte sich verbessern. Mit der Perspektive auf die wohl bald erfolgenden Impfungen haben sich die Einschätzungen für die Perspektiven der kommenden Monate spürbar aufgehellt. Die deutschen Einkaufsmanager zeigen sich in den vorläufigen Ergebnissen erstaunlich robust. Der deutsche Composite Index konnte sich um 0,8…

Der Wiederaufbaufonds ist kein „Gamechanger“

Nach zähem Ringen haben Polen und Ungarn ihren Widerstand gegen den EU-Wiederaufbaufonds aufgegeben. Stimmt auch noch das EU-Parlament zu, kann der Fonds voraussichtlich im Laufe des ersten Halbjahres 2021 und damit später als ursprünglich erhofft an den Start gehen. Vor allem Südeuropa fiebert den Milliardenzahlungen entgegen. Die Hoffnung ist groß, dass die Mittel nicht nur die wirtschaftlichen Corona-Schäden abmildern, sondern auch, dass nun finanzieller Spielraum auch für gestalterische Wirtschaftspolitik vorhanden ist. Zu Recht? Die EU-Gelder werden sicherlich punktuell helfen, ein „Gamechanger“ beim Kernproblem der wachsenden wirtschaftlichen Divergenz innerhalb der EU sind sie wahrscheinlich nicht. Dies macht ein Blick darauf deutlich, wohin die Mittel überwiegend fließen werden und wo die Probleme liegen. Um eine möglichst effiziente Mittelverwendung sicherzustellen, können die Staaten nicht beliebig über die Gelder verfügen, sie müssen Pläne hierzu bei der EU einreichen. Ein Großteil der Zuwendungen dürfte für Investitionen aufgewendet werden, beispielsweise in den Bereichen Verkehr, Gesundheit, Digitalisierung…

Ein Streit kommt selten allein

Der politische Streit innerhalb des Drei-Parteien-Bündnisses in Italien droht zu eskalieren. Seit Tagen gibt es bereits Unstimmigkeiten zwischen der Regierung und der an der Regierung beteiligten Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) über die Reform des ESM. Risse tun sich allerdings nun auch innerhalb der Regierung auf. Der Streit dreht sich um das Verfahren hinsichtlich der Verwendung der Gelder, die Italien voraussichtlich aus dem EU-Wiederaufbaufonds zufließen werden. Konkret plant Premier Conte, dass die Mittelverwendung primär durch ihn und Finanzminister Gualtieri koordiniert wird und beide jeweils durch Manager mit umfassenden Vollmachten unterstützt werden. Die restlichen Kabinettsmitglieder, vor allem jene von Italia Viva und PD, werten dies als Affront und tragen ihre Kritik auch in die Öffentlichkeit. Die stärkste Kritik kommt derzeit vom kleinen Regierungspartner Italia Viva. Der ehemalige Premier Renzi fordert, dass Conte seine Pläne eines „Parallelkabinetts“ restlos aufgebe. Seine Partei sei in dieser Frage nicht kompromissbereit und würde andernfalls gegen das Haushaltsgesetz stimmen. Mit…

Ultimatum mit Folgen

Brüssel scheint beim Streit mit Polen und Ungarn über die EU-Finanzen einschließlich des EU-Wiederaufbaufonds (NGEU) der Geduldsfaden zu reißen. Anstatt den am 10. und 11. Dezember anstehenden Gipfel der Staats- und Regierungschefs für Verhandlungen zu nutzen, sollen Budapest und Warschau zuvor bereits ihre Blockadehaltung aufgeben. Als Druckmittel wird diskutiert, den Wiederaufbaufonds notfalls als multilaterales Konstrukt ohne Polen und Ungarn. Beide mitteleuropäische Staaten würden dann erstmal leer ausgehen. Diese wehren sich bislang vor allem dagegen, dass sowohl Zahlungen des NGEU-Fonds als auch reguläre EU-Haushaltsmittel an Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit geknüpft werden sollen. Während bei Finanzfragen das Prinzip der Einstimmigkeit innerhalb der EU gilt, könnten die restlichen EU-Staaten auch gegen den Willen der Abweichler EU-Zahlungen an Bedingungen zur Rechtsstaatlichkeit knüpfen. Weder die polnische noch die ungarische Regierung zeigen sich aber bislang bereit, ihre Blockadehaltung aufzugeben. Die Wahrscheinlichkeit ist damit gewachsen, dass das Ultimatum zunächst ohne Ergebnis verstreicht. Möglich ist weiterhin, dass sich beide…

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