EWU: Inflationsrate sinkt unter die 3%-Marke

Ein niedrigerer Ölpreis dämpft im Juni den Inflationsanstieg. Auswirkungen auf andere Bereiche sind bislang nicht zu erkennen. Risiken für die Inflationsentwicklung bleiben aber bestehen
 

Das Bild besteht aus zwei Diagrammen: 

1. Das linke Diagramm zeigt die Inflationsrate (HVPI) und deren Entwicklung in den Jahren 2024 bis 2026, unterteilt in Beiträge von Dienstleistungen, Nahrungsmitteln, industriellen Gütern und Energie. Es illustriert, dass die Inflationsrate unter die 3%-Marke sinkt.

2. Das rechte Diagramm zeigt die Entwicklung des Rohölpreises (Brent) im Zeitraum von 2024 bis 2026. Es ist ersichtlich, dass der Rohölpreis sich dem Niveau vor dem Krieg annähert, nach einem starken Anstieg und anschließendem Rückgang.

Zusammen zeigen beide Diagramme wirtschaftliche Trends: sinkende Inflation und einen sich normalisierenden Rohölpreis.


Nach der Unterzeichnung der Absichtserklärung zur Einstellung der Feindseligkeiten zwischen den USA und dem Iran am 17. Juni hat sich die zuvor krisenhafte Lage etwas beruhigt. Insbesondere der Rohölpreis ist aktuell deutlich niedriger als noch in den Monaten März bis Mai und hat sich im Juni dem Niveau vor dem Ausbruch der Kampfhandlungen angenähert. Damit verringerte sich der unmittelbare Inflationsdruck. Die Inflationsrate (HVPI: Harmonisierter Verbraucherpreisindex) im Euroraum ist dementsprechend von 3,2% im Mai auf 2,8% im Juni zurückgegangen.

 

Aber nicht nur bei den Energiepreisen fiel der Preisdruck geringer aus. Auch der Preisanstieg für Nahrungsmittel und Dienstleistungen verlangsamte sich. Allein bei den industriellen Gütern blieb die Teuerungsrate auf dem Niveau des Vormonats unverändert. Bislang haben die höheren Energiepreise damit noch keine messbaren Auswirkungen auf die anderen Bereiche des Warenkorbs gehabt.

 

In den großen Mitgliedstaaten ging die Inflationsrate mehrheitlich zurück. Deutlich ließ der Preisdruck in Frankreich nach (2,0% nach 2,8% im Mai). In Deutschland verzeichnete man einen Rückgang von 2,7% auf 2,4%. Hier dürfte der Tankrabatt den Anstieg der Kraftstoffpreise zusätzlich gedrosselt haben. Dieser ist jedoch Ende Juni ausgelaufen. Die italienischen Verbraucherpreise stiegen um 3,1% (zuvor 3,2%). Nur in Spanien blieb die Inflationsrate mit 3,6% auf hohem Niveau konstant.

 

Aufgrund des geringeren Anstiegs der Energiepreise verliert die Inflationsentwicklung vorerst etwas an Dynamik. Risiken bleiben aber bestehen. Denn die Straße von Hormus ist noch nicht vollständig geöffnet. Falls die Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA tatsächlich zum Erfolg führen und weitere Kampfhandlungen ausbleiben, dürfte der Rohölpreis nicht mehr so deutlich steigen wie in den Vormonaten. Selbst wenn er sich auf dem aktuellen Niveau hält, würde von den Energiepreisen im Vorjahresvergleich aber immer noch ein moderater Aufwärtsdruck auf die Verbraucherpreise ausgehen. Zudem könnten Unternehmen die zwischenzeitlich gestiegenen Kosten zu einem späteren Zeitpunkt noch an die Verbraucher weitergeben, was zu einer höheren Preisdynamik in anderen Bereichen führen würde. Vor diesem Hintergrund ist eine baldige Rückkehr der Inflationsrate im Euroraum auf das EZB-Preisziel von 2% nicht zu erwarten.

 

-- Dr. Christoph Swonke