KI-Sonderumfrage: Mittelstand uneinig beim KI-Einsatz

Künstliche Intelligenz (KI) ist im Mittelstand zwar in vielen Bereichen längst angekommen, aber keineswegs überall. Während die Hälfte der Mittelständler in der Elektroindustrie hier das Potential für die industrielle Revolution des 21. Jahrhunderts sieht, sind es etwa im Agrarsektor nur 13%.

 

Das Bild zeigt die Umfrageergebnisse zur Nutzung von KI im Mittelstand und die ermittelten Hürden bei der KI-Nutzung.

Links: Häufigkeit der Maßnahmen zur Nutzung von KI im Mittelstand (in % der Befragten):
- Erprobung des Einsatzes: 44%
- Integration in Prozesse: 37%
- Sprachmodule in Marketing/Vertrieb: 16%
- Produkteinsatz: 15%
- Personalrekrutierung: 15%
- Rekrutierung von KI-Spezialisten: 14%

Rechts: Hürden bei der KI-Nutzung (in % der Befragten):
- Datenschutzrechtliche Unsicherheit: 48%
- Fehlende Einsatzmöglichkeiten: 42%
- Zu wenig Zeit: 41%
- Unklarer Nutzen: 27%
- Fehlendes qualifiziertes Personal: 24%
- Akzeptanz bei Mitarbeitern: 23%
- Finanzielle Ressourcen: 15%

 

KI hat sich in nur kurzer Zeit immens weiterentwickelt. Sie wird heute von vielen Unternehmen und privaten Usern täglich genutzt. Auch der Mittelstand hat seine Bedenken vor dem Einsatz längst verloren. Um mehr über Chancen und Hürden des Mittelstands hinsichtlich der KI zu erfahren, haben wir im Rahmen einer Sonderumfrage in diesem Frühjahr mehr als 1.000 mittelständische Unternehmen dazu befragt.

 

Die Ergebnisse machen dabei deutlich, wie zwiegespalten der Mittelstand hinsichtlich KI noch ist. Bei der Nutzung gehen nur die Mittelständler in der Elektroindustrie und die großen Mittelständler mit einem Umsatz von mehr als 50 Mio. Euro im Jahr wirklich schon voran.

 

Die kleineren Mittelständler müssen dagegen aufpassen, dass sie nicht zu spät auf den sich immer stärker beschleunigenden KI-Trend aufspringen. Ein zu später Einstieg dürfte nur schwer aufzuholen sein oder sogar dazu führen, dass kleinere Mittelständler abgehängt werden.

 

Denn KI könnte einen ähnlichen Meilenstein in der technologischen Entwicklungsgeschichte der Menschheit darstellen wie Digitalisierung oder industrielle Revolution. Für die Unternehmen muss dennoch ein sinnvoller Einsatz zu identifizieren sein. Dies zeigen auch die über 40% der Befragten, die aktuell noch einen unklaren Nutzen für ihr Unternehmen sehen.

 

So setzen etwa zwei Drittel der Mittelständler in der Agrarwirtschaft derzeit weder KI ein, noch planen sie ihre Nutzung. Im Baugewerbe lehnt nahezu die Hälfte der Befragten eine KI-Nutzung ab. In der Elektroindustrie sind es dagegen nur 20% und bei den großen Mittelständlern sogar lediglich 13%.

 

Insgesamt scheint der Mittelstand zwar die große Bedeutung der KI für die gesamte Wirtschaft und für das eigene Unternehmen zu sehen. Viele Mittelständler befinden sich aber noch in einem Stadium der ersten Annäherung. Ein erfreuliches Signal ist jedoch, dass 37% der Befragten angaben, dass sie KI in ihrem Unternehmen heute schon in bestehende Prozesse integriert haben.

 

Als größte Hürde für die Nutzung von KI wird dagegen „Datenschutz und rechtliche Unsicherheit“ gesehen. Eine eindeutige und leicht verständliche gesetzliche Klärung dieses Punktes könnte die Verbreitung von KI weiter voranbringen. Deutschland und die Europäische Union müssen für innovations- und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen sorgen, aber gleichzeitig Persönlichkeits- und Urheberschutz sicherstellen, ohne die Bürokratiebelastung der Unternehmen zu erhöhen.

-- Dr. Claus Niegsch