DZ BANK Euro-Indikator: kleiner Mai-Rebound, aber kein Befreiungsschlag

Der DZ BANK Euro-Indikator erholt sich im Mai leicht. Doch hohe Energiepreise, schwache Dienstleistungen und gedämpfte Konsumstimmung halten die Konjunktur im Stagflationsschatten.
 

Das Bild zeigt zwei Diagramme, die wirtschaftliche Indikatoren im Euroraum darstellen.

Links: Der Euro-Indikator mit einer Erholung im Mai. Der Graph zeigt den Verlauf des Euro-Indikators von 2016 bis 2028, mit einem Indexwert, der auf 2000 = 100 basiert.

Rechts: Ein Vergleich ohne den Erholungsschlag im Euroraum. Der Graph zeigt das Wachstum des BIP des Euroraums in Prozent gegenüber dem Vorjahr (links) und den Euro-Indikator (rechts) von 2016 bis 2028. Die Grafiken veranschaulichen Wirtschaftstrends und Prognosen in Bezug auf den Euro-Indikator und das BIP-Wachstum.


Der Euro-Indikator der DZ BANK hat sich im Mai leicht erholt. Nach zwei Rückgängen in Folge stieg die Messzahl auf 98,1 Punkte, ein Plus von 0,2% gegenüber dem Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr bleibt der Zuwachs mit 0,4% schwach. Der Anstieg wirkt daher eher wie eine technische Gegenbewegung als wie der Beginn einer spürbaren Erholung.

 

Das Umfeld bleibt schwierig. Der Energiepreisschock infolge des Nahost-Konflikts belastet Kaufkraft, Kosten und Planungssicherheit. Hohe Energiepreise dämpfen das Wachstum, treiben Inflationserwartungen und Risikoprämien und begrenzen den Spielraum der Notenbanken.

 

Gestützt wurde der Indikator im Mai vor allem durch den Finanzsektor. Die Aktienmärkte im Euroraum legten zu, und die Zinsstrukturkurve blieb klar positiv. Gleichzeitig kam von der realen Geldmenge kaum Rückenwind: Preissteigerungen zehren das nominale Geldmengenwachstum real weitgehend auf.

 

Die Stimmungsindikatoren zeigen ein gespaltenes Bild. Die Industrie bleibt mit einem PMI von 51,6 Punkten zwar im Expansionsbereich, verliert aber an Tempo. Der Dienstleistungs-PMI fiel dagegen auf 46,4 Punkte und signalisiert Schwäche. Auch das Verbrauchervertrauen bleibt trotz leichter Verbesserung deutlich unter Normalniveau. Produktionserwartungen und Wirtschaftsvertrauen bewegen sich weiter auf niedrigem Niveau.

 

Dass der Euro-Indikator dennoch zulegen konnte, liegt an stabileren Industrieaufträgen und einem kräftigen Plus bei den Baugenehmigungen. Die offenen Stellen gaben hingegen leicht nach. Das Mai-Signal bleibt damit gemischt: Finanzmärkte, Aufträge und Bau stützen, Dienstleistungen, Konsumstimmung und reale Geldmenge bremsen. Entscheidend wird nun, ob Energie- und Inflationsdruck in den kommenden Wochen und Monaten nachlassen.

 

-- Matthias Schupeta