Die Wahlparty ist vorbei: Ernüchternder Kassensturz in Ungarn
Die EU-Kommission schlägt Alarm bei Ungarns Staatsfinanzen: Eine neue, deutlich erhöhte Defizitprognose verschärft die ohnehin schon angespannte Haushaltslage nach dem Regierungswechsel. Obwohl der Kassensturz ein düsteres Bild zeichnet, halten sich die Risikoaufschläge für ungarische Staatsanleihen noch zurück. Die zugrundeliegenden Risiken für Investoren bleiben allerdings erhöht.
Während die ungarischen Staatsfinanzen schon seit dem Regierungswechsel im Fokus der Investoren standen, sorgte nun die EU-Kommission für eine negative Zuspitzung: Sie hat die Defizitprognose für Ungarn massiv angehoben.
Konkret erwartet die Kommission für 2026 nun ein Haushaltsloch von 6,2% der Wirtschaftsleistung. Das ist eine erhebliche Korrektur gegenüber dem Plan der vorherigen rechtspopulistischen Regierung, die nur mit rund 5% gerechnet hatte. Damit wird Ungarn auch in den kommenden Jahren deutlich über der erlaubten 3%-Grenze der EU bleiben.
Die Gründe für diese Schieflage sind tiefgreifend: In den letzten Jahren wurden viele kostspielige Programme für Familien, Rentner und den Wohnungsmarkt beschlossen, während das Wirtschaftswachstum hinter den Erwartungen zurückblieb. Das Ergebnis: Die Ausgaben stiegen, die Einnahmen aber nicht im gleichen Maße. Das treibt die Staatsverschuldung nun weiter in die Höhe. Internationale Ratingagenturen sehen die Lage ebenfalls kritisch. Ungarn balanciert aktuell am unteren Rand des Investment-Grade-Bereichs für „solide Schuldner“. Alle drei großen Agenturen haben bereits eine Warnung in Form eines negativen Ausblicks ausgesprochen. Sie erwarten daher von der neuen Regierung einen glaubwürdigen und umsetzbaren Sparplan, um das Vertrauen wiederherzustellen.
Überraschenderweise spiegeln die Risikoaufschläge für ungarische Staatsanleihen diese angespannte Lage bisher kaum wider. Der Markt stützt sich stattdessen auf die Hoffnung, dass bald eingefrorene EU-Gelder in Höhe von etwa 17 Mrd. Euro fließen und den Haushalt vorerst stabilisieren werden. Dieser Optimismus sorgt dafür, dass die Risikoaufschläge, die Investoren für ungarische Staatsanleihen verlangen, trotz der negativen Meldungen noch nicht stark angestiegen sind. Dies muss aber nicht so bleiben. Angesichts der gewaltigen Sparanforderungen und der möglichen Herabstufung der Kreditwürdigkeit überwiegen die Risiken für einen Anstieg der Risikoaufschläge aktuell die Chancen für erneute Spreadeinengungen. Wir gehen jedoch davon aus, dass im Falle steigender Risikoprämien diese unter dem Niveau von vor der Wahl bleiben werden.
-- Nicola Rebmann

