Volatilität bleibt treuer Begleiter der MOE-Staatsanleihen

Die Euro-denominierten Anleihen der mittel- und osteuropäischen Staaten mussten 2022 spürbar negative Gesamterträge verzeichnen. Auch für 2023 bestehen erhebliche Spreadausweitungsrisiken.
 

Die Staatsanleiheemittenten Mittel- und Osteuropas (MOE) blicken vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine auf ein volatiles Jahr 2022 zurück. Zum einen mussten die Länder ihre Energieabhängigkeit reduzieren, neue Handelsbeziehungen ausloten und rekordhohen Inflationsraten begegnen. Zum anderen waren die Euro-denominierten Anleihen des MOE-Segments ebenso wie die Anleihen Kerneuropas von den rasanten Leitzinsanhebungen der EZB betroffen, sodass im zehnjährigen Laufzeitenbereich negative Gesamterträge (Total-Return-Verluste) im Umfang von 20 bis 30% verzeichnet wurden.

 

Innerhalb des MOE-Segments haben sich im vergangenen Jahr zunehmend zwei Gruppen herausgebildet. Ungarn und Rumänien gehören mit ihren BBB-Ratings zu den bonitätsschwächeren Emittenten, deren höhere Risikoaufschläge gegenüber den (Swap-)Referenzzinssätzen (Asset-Swap-Spread) auch länderspezifische Risiken widerspiegeln. Im Fall von Ungarn sind das insbesondere die Streitigkeiten mit der EU, während bei Rumänien der ausgereizte Fiskalrahmen belastend wirkt. Demgegenüber gehören Polen, Litauen, Lettland, Slowenien und die Slowakei zur Gruppe der bonitätsstärkeren Staaten, deren zehnjährige Asset-Swap-Spreads aktuell allesamt unterhalb von 100 Basispunkten notieren. Bemerkenswert war hierbei die Einordnung des jüngsten Euro-Mitglieds Kroatien: Zwar ist das Land mit seinem BBB-Rating eher den bonitätsschwächeren Staaten zuzuordnen, allerdings hat sich der Asset-Swap-Spread 2022 deutlich eingeengt und konnte sich somit den Niveaus der bonitätsstärkeren Staaten annähern.

 

Angesichts der andauernden fiskalischen Herausforderungen ist im MOE-Segment 2023 erneut mit hohen Budgetdefiziten zu rechnen, um die Energieversorgung zu gewährleisten und negative Auswirkungen auf die Wirtschaft abzufedern. Die drohende Rezession dürfte sich in einigen Ländern nur wegen der Wachstumsimpulse aus dem EU-Wiederaufbaufonds (NGEU) vermeiden lassen. Immerhin könnten die hohen Inflationsraten aber einem übermäßigen Ausufern der Schuldenstandsquoten, also der Verschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt, entgegenwirken.

 

Aufgrund dieser negativen Gemengelage rechnen wir in den kommenden Monaten weiterhin mit höheren marktseitigen Risiken für das MOE-Segment gegenüber im Rating vergleichbaren Staaten Kerneuropas. Wegen der jüngst wieder niedrigeren Risikoaufschläge besteht bei einer weiteren wirtschaftlichen Eintrübung oder einer Zuspitzung im Krieg in der Ukraine das Risiko deutlicher Spreadausweitungen gegenüber Swaps, insbesondere bei den bonitätsschwächeren Emittenten.

 

-- Sophia Oertmann


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