US-Arbeitsmarkt: Noch keine Entwarnung für die Fed

Der US-Arbeitsmarkt hat sich auch im Dezember robust gehalten. Das Risiko einer dauerhaft zu hohen Inflation besteht entsprechend weiter.

 

 

Frostige Winterstürme tobten zum Jahresende 2022 durch die USA. Der Arbeitsmarkt kühlte unterdessen jedoch kaum ab. Auch im Dezember stieg die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse gemäß der Unternehmensumfrage des Bureau of Labor Statistics erkennbar an. So wurden 223.000 mehr Arbeitsverhältnisse als im November registriert. Der Beschäftigungsaufbau ging damit nur etwas langsamer als in den Monaten zuvor voran.

 

Besonders die Dienstleistungsunternehmen stellten erneut viel zusätzliches Personal ein. Große Job-Zuwächse wurden etwa im Freizeit- und Beherbergungssektor (inklusive Gastronomie) verzeichnet, der offenbar noch von einer regen „Post-Corona-Nachfrage“ profitiert. Anzeichen für eine nachlassende Arbeitskräftenachfrage gab es derweil in Teilen des Sektors „Transport und Lagerung“ sowie teils im verarbeitenden Gewerbe. Hierbei macht sich wohl eine sich abschwächende Güternachfrage der Verbraucher bemerkbar.

 

Insgesamt bleibt der US-Arbeitsmarkt extrem eng. Das belegen die sehr niedrige Arbeitslosenquote, die sogar von 3,6% im November auf 3,5% zum Jahresende gefallen ist, und auch die Statistik der Stellenausschreibungen. Die Lücke zwischen der Zahl der offenen Stellen und der Arbeitslosenzahl ist weiterhin riesig. So stehen jedem Arbeitslosen – statistisch gesehen – fast zwei offene Stellen zur Verfügung. Der Lohndruck ließ im Dezember zwar etwas nach: Der durchschnittliche Lohn je Arbeitsstunde in der Privatwirtschaft stieg um 0,3% gegenüber dem Vormonat an, im November lag die monatliche Rate noch bei 0,4%. Das Lohnwachstum gegenüber dem Vorjahresmonat ging dadurch von 4,8% im November auf 4,6% im Dezember zurück. Mit dem 2%-Inflationsziel der US-Notenbank ist die aktuelle Arbeitsmarktsituation jedoch nicht vereinbar.

 

Die Fed muss angesichts des ausgeprägten Arbeitskräftemangels also wachsam bleiben, obwohl die Inflationsrate in den letzten Monaten deutlich abwärts tendierte. Die Gefahr einer dauerhaft zu hohen Inflation ist noch nicht gebannt. Mit einer nachlassenden Konsumnachfrage und einem Konjunkturabschwung in den USA dürfte der Arbeitsmarkt in der ersten Jahreshälfte 2023 aber deutlicher abkühlen.

 

-- Alexander Buhrow


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