Euro-Raum: Robustes Wachstum in Q2 - Stagflationäres Umfeld wird sich aber verfestigen

Das Konjunkturwachstum im Euro-Raum erweist sich als robust. Mit 0,7% im Vorquartalsvergleich konnte im Gegensatz zu den USA ein Plus vermeldet werden. Hohe Inflationszahlen und ein getrübter Ausblick verfestigen jedoch das Bild eines stagflationären Umfelds.

 

 

Das Wachstum im Euro-Raum erzielt erneut ein positives Quartalsergebnis. Im zweiten Quartal wurde ein Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 0,7% gegenüber dem Vorquartal gemessen - das ist ein guter Wert. Im Gegensatz zu den USA konnte der Euro-Raum trotz des schwierigen Umfeldes aus Ukraine-Krieg, hoher Inflation, steigender Zinsen und Lieferkettenprobleme damit einen Rückgang der Wirtschaftsleistung verhindern.

Erste Länderergebnisse deuten auf ein durchmischtes Wachstumsbild hin. Mit Blick auf die größeren Euroländer stagnierte die Wirtschaftsleistung in Deutschland – nach einem revisionsbedingt deutlich stärkeren ersten Quartal. Frankreich konnte +0,5% erreichen, Belgien +0,2%. In Italien und Spanien wurden mit 1,0% bzw. 1,1% ein merklich kräftiger Zuwachs gemessen. In Portugal gab es mit -0,2% hingegen eine Gegenreaktion zu dem starken Vorquartal.

Parallel hat sich die Inflationsdynamik im Euro-Raum weiter verstärkt. Im Juli legte die jährliche Rate der Verbraucherpreise (HVPI) auf 8,9% zu – noch im Vormonat hatte sie bei 8,6% notiert. Dabei blieben die massiv gestiegenen Energiepreise der Haupttreiber. Aber auch bei den Nahrungsmittelpreisen geht es weiter steil aufwärts.

Dass sich das Wachstumstempo aus dem ersten Halbjahr 2022 fortsetzt, ist eher unwahrscheinlich. In der Summe ist eher mit einem stagflationären Umfeld im Euro-Raum – also schwachen wirtschaftlichen Wachstumsraten oder Stagnation gepaart mit hohen Inflationsraten zu rechnen. Die Indikatorenlage hat sich im Juli sowohl bei den Unternehmen und vor allem bei den Verbrauchern deutlich eingetrübt. Mit der in Deutschland angekündigten Gasumlage für Haushalte, die voraussichtlich ab Oktober greift, sowie auslaufenden Entlastungsmaßnahmen, dürfte ab September zudem weiterer Druck auf die Verbraucherpreise entstehen. Das unterstützt unseren aktuellen Ausblick eines schwachen Wachstumsumfeldes mit weiterhin hohen Inflationsraten für das zweite Halbjahr 2022. Größter Unsicherheitsfaktor bleibt die Gasversorgung für das Winterhalbjahr 2022/2023.


-- Matthias Schupeta


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