Gold: Das schlafende Edelmetall erwacht
Die marktseitigen Leitzinserhöhungserwartungen haben in den USA zuletzt einen Dämpfer erhalten. Durch den nachlassenden zinsseitigen Gegenwind kehrt der Goldpreis zurück auf den Prognosepfad. Auf Sicht von drei Monaten sollte der Goldpreis erneut die Marke von 4.600 US-Dollar erreichen.
Der Goldpreis hat seinen Sommerschlaf beendet. Seit Anfang August ist das Edelmetall um rund 10% gestiegen und hat mit knapp 4.400 US-Dollar je Feinunze den höchsten Stand seit zwei Monaten erreicht. Auslöser für den steilen Anstieg waren drei nacheinander wirkende Impulse, die sich über den Zinskanal in Form nachlassender US-Leitzinserhöhungserwartungen positiv auf den Goldpreis auswirkten.
Erstens führte eine (temporäre) Annäherung zwischen den USA und dem Iran bezüglich einer Wiedereröffnung der Straße von Hormus zu fallenden Rohölpreisen. Dies wurde vom Markt als eine nachhaltige Entwicklung interpretiert, wodurch die Erwartungen einer baldigen US-Leitzinserhöhung einen ersten Dämpfer erhielten. Zweitens fiel der jüngste US-Arbeitsmarktbericht schwach aus. Anstelle des erwarteten Beschäftigungszuwachses wurde ein Rückgang um 23.000 Stellen gemeldet und die Zahlen der Vormonate wurden deutlich nach unten revidiert. Eine baldige Straffung der Geldpolitik verlor damit weiter an Plausibilität.
Der dritte Einflussfaktor, der sich zuletzt auf die Leitzinserwartungen auswirkte, waren die am 12. August veröffentlichten Daten zu den US-Verbraucherpreisen im Juli. Zwar liegt die Inflationsrate mit 3,4% (J/J) weiterhin deutlich über dem Ziel der US-Währungshüter von 2,0%. Allerdings konzentrierten die meisten Marktteilnehmer ihren Fokus auf den damit vorhandenen Handlungsspielraum für die Fed. Die eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Fed-Leitzinserhöhung im September fiel nach Veröffentlichung der Inflationsdaten auf das aktuelle Niveau von etwa 30%. Gold reagierte mit einem Plus von knapp einem Prozent und notiert seitdem bei rund 4.400 US-Dollar je Feinunze.
Somit bewegt sich die Markterwartung hinsichtlich der US-Geldpolitik in Richtung unserer US-Leitzinsprognose. Wir rechnen weiterhin nicht mit einer Anhebung des US-Leitzinses im laufenden Jahr und sogar mit einer Senkung Mitte 2027. Dabei scheinen sich die Anleger derzeit verstärkt auf die tatsächliche wirtschaftliche Lage in den USA zu fokussieren, wenn es um die zu erwartende Zinspolitik der Fed geht. Der Iran-Krieg spielt hingegen eine untergeordnete Rolle. So änderte selbst ein zuletzt erneut gestiegener Ölpreis kaum etwas an den US-Leitzinserwartungen. Der zinsseitige Gegenwind sollte sich unseres Erachtens kurzfristig weiter zurückbilden – auf Sicht von drei Monaten erwarten wir einen Anstieg des Goldpreises auf 4.600 US-Dollar je Feinunze.
-- Thomas Kulp, Adrien Lucquiaud

