Warum Tanken teuer bleibt: Raffineriemargen treiben Preise
Die Kraftstoffpreise in Deutschland bleiben auf hohem Niveau. Haupttreiber sind deutlich gestiegene Raffineriemargen, die sich in stark ausgeweiteten „Crack Spreads“ widerspiegeln. Der größte Einflussfaktor für das verknappte Angebot an raffinierten Produkten ist die weitgehend geschlossene Straße von Hormus.
Die inländischen Treibstoffpreise verharren trotz einer spürbaren Entspannung am Rohölmarkt auf einem hohen Niveau. Diese Entwicklung ist maßgeblich auf die gestiegenen Raffineriemargen zurückzuführen, ein Indikator hierfür ist der sogenannte Crack Spread. Um nachzuvollziehen, was die Preissteigerung treibt, ist ein Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette notwendig.
Am Anfang der Lieferkette steht der Rohölproduzent, der das Rohöl über Händler an die Raffinerien verkauft. Die Raffinerien stellen aus dem Erdöl Produkte wie Benzin, Diesel und Kerosin her. Dafür verlangen sie aktuell sehr hohe Margen, und diese sind der entscheidende Hebel für die hartnäckig hohen Preise an den Tankstellen. Die Vertriebsmarge der Tankstellenpächter, die am Ende der Wertschöpfungskette stehen, ist wiederum eng begrenzt und in der Regel auf etwa 0,8 bis 1,2 Cent pro Liter festgelegt.
Ein Indikator für die hohen Raffineriemargen ist der Brent 5:3:2 Crack Spread. Er beschreibt die Differenz zwischen den Kosten für fünf Barrel Rohöl der europäischen Referenzsorte Brent und dem Ertrag aus drei Barrel Benzin sowie zwei Barrel Diesel. Der Crack Spread weitet sich also aus, wenn die Preise für raffinierte Produkte stärker steigen als die Rohölkosten. Aktuell bewegt sich dieser bei rund 45 USD, während er zwischen Ende 2024 und Anfang 2026 noch um die Marke von 20 USD pendelte.
Auslöser für die hohe Marge der Raffinerien ist der Iran-Krieg. Der Ausfall von raffinierten Rohölprodukten aufgrund der weitgehend geschlossenen Straße von Hormus kann wegen begrenzter Raffineriekapazitäten nicht ohne Weiteres kompensiert werden. Ursachen für den Kapazitätsrückgang sind unter anderem der Ukraine-Krieg und die Schließung zahlreicher Anlagen in Europa in den letzten Jahren.
Die verbleibenden Raffinerien arbeiten, getrieben durch historisch hohe Margen, an ihren Kapazitätsgrenzen. Insbesondere Diesel reagiert empfindlich aufgrund der Importabhängigkeit. Deutschland ist Nettoimporteur von Dieselkraftstoff und somit in hohem Maße von internationalen Warenströmen abhängig. Das extreme Niedrigwasser im Rhein verteuert die Transport- und Lieferketten im Inland zusätzlich. Bei den Raffineriemargen ist erst dann mit einer spürbaren Entlastung zu rechnen, wenn das globale Angebot an Treibstoffen wieder deutlich zunimmt. Der größte Einflussfaktor ist dabei eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus.
-- Trixi Pairan

