Europas Inflation bleibt unter Spannung
Die Teuerung im Euroraum zieht wieder an. Energie bleibt der wichtigste Treiber. In Deutschland verstärkt das Ende des Tankrabatts den Ausschlag, während höhere Vorleistungspreise auf zunehmenden Druck bei Industriegütern hindeuten.
Die Inflationsrate im Euroraum ist im Juli auf 2,9% gestiegen. Vor allem die Energiekomponente trieb, deren Anstieg wieder zweistellig ausfiel. Lebensmittel dämpften dagegen, Dienstleistungen und nichtenergetische Industriegüter zogen geringfügig stärker an. Der Schub ist damit noch überwiegend energiegetrieben.
Doch in den Vorstufen baut sich zunehmend Druck auf. Die Produzentenpreise, und hier besonders die Preise für Vorleistungsgüter, haben zuletzt weiter angezogen. Bei nichtenergetischen Industriegütern ist die Teuerung für Verbraucher zwar noch niedrig; höhere Produktionskosten dürften jedoch verzögert teilweise im Einzelhandel ankommen.
Deutschland verzeichnete mit 2,8% (harmonisierter Verbraucherpreisindex = HVPI) einen deutlichen Sprung. Dieser ist zum Teil politisch bedingt: Ende Juni lief der Tankrabatt aus. Im Mai und Juni war die Energiesteuer auf Benzin und Diesel einschließlich Mehrwertsteuer um rund 17 Cent je Liter gesenkt. Ihre Wiederanhebung hob die Kraftstoffpreise und damit den gesamten Indexwert im Juli.
Frankreich weist mit 2,4% weiter die niedrigste Inflationsrate der vier großen Euroländer auf. Energie und saisonal teurere Dienstleistungen sorgten aber auch dort für Auftrieb. Italien lag bei 2,9%; Sommerschlussverkäufe dämpften den Monatswert. Mit 3,8 % ist Spanien weiterhin einer der klaren Spitzenreiter, wobei neben den Energiepreisen auch der übrige Preisdruck im Warenkorb der Verbraucher vergleichsweise hoch ist.
Der Verlauf bestätigt unser Prognosebild. Für 2026 erwarten wir im Euroraum eine durchschnittliche HVPI-Rate von 3,0%. 2027 dürfte das Abklingen des Energieschubs die Inflation auf 2,4% zurückführen. Indirekte positive Preiseffekte auf die Inflationsrate durch Nahrungsmittel, Industriegüter und Dienstleistungen werden die jährliche Rate allerdings voraussichtlich über der Zielrate der EZB von zwei Prozent halten.
-- Matthias Schupeta

