Starker Sommer für den DAX

Der DAX zeigt im globalen Aktienmarktumfeld eine besonders starke Dynamik und hat in der Spitze eine neue Rekordmarke von gut 26.400 Punkten erreicht. Gestützt von sinkenden Energiepreisen und moderaten Zinserwartungen profitiert der deutsche Leitindex dabei zudem von seiner vorteilhaften Sektoraufteilung.
 

Das Bild zeigt ein Balkendiagramm, das die Performance von vier Aktienindizes (Nasdaq, S&P 500, Euro Stoxx 50 und DAX) im Zeitraum seit dem 1. Juli 2023 vergleicht. Der Titel hebt hervor, dass der DAX im Vergleich zu den anderen Indizes die Spitzenposition in der Sommer-Rallye einnimmt. Die Balken zeigen die prozentuale Veränderung: DAX mit +5,1 %, Euro Stoxx 50 mit +3,9 %, S&P 500 mit +3,0 % und Nasdaq mit -1,5 %.


Die internationalen Aktienmärkte verzeichneten zuletzt eine deutliche Aufwärtsbewegung und markierten neue Höchststände. Während in den USA der S&P 500 mit fast 7.800 Punkten und der Dow Jones mit über 54.000 Punkten neue Rekorde erreichten, zeigte der deutsche Leitindex die ausgeprägteste Dynamik. Der DAX überschritt erstmals die Marke von 26.000 Punkten und stieg im Hoch bis auf gut 26.400 Zähler. Verglichen mit dem Niveau von Mitte Juli (ca. 24.640 Punkte), als geopolitische Spannungen im Nahen Osten belasteten, konnte der Index innerhalb von drei Wochen um rund 1.700 Punkte zulegen.

 

Geopolitische Entlastung und sinkende Ölpreise

Der wesentliche Impuls für die jüngste Erholung ging von einer vorübergehenden Entspannung im Nahen Osten aus. Die Entscheidung der USA, einen angekündigten Militärschlag gegen den Iran auszusetzen und diplomatische Gespräche aufzunehmen, führte zu einem spürbaren Rückgang der Energiepreise. Der Preis für die Rohölsorte Brent sank von zeitweise über 100 US-Dollar Ende Juli auf rund 80 US-Dollar je Barrel. In der Folge gingen die Inflationserwartungen zurück, was wiederum die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen von ihren Höchstständen löste und den Bewertungsspielraum am Aktienmarkt vergrößerte.

 

Unterstützung durch Quartalszahlen und Geldpolitik

Unterstützt wird diese Entwicklung von einer robusten Berichtssaison zum zweiten Quartal. In den USA und Europa fielen die Ergebnisse und Ausblicke der Unternehmen überwiegend besser aus als im Frühjahr prognostiziert. Zudem stützt die Haltung der Notenbanken die Aktienmärkte: Da keine weiteren massiven Leitzinserhöhungen zu erwarten sind, bleibt die Geldpolitik ein wesentlicher Unterstützungsfaktor.

  • US-Notenbank (Fed): Trotz restriktiver Rhetorik von Fed-Chef Warsh bezüglich potenzieller Inflationsrisiken preist der Markt eine Zinserhöhung im September nur mit einer Wahrscheinlichkeit von knapp 60 % ein.
  • Europäische Zentralbank (EZB): Eine Zinserhöhung im September gilt an den Terminmärkten zwar als sehr wahrscheinlich (ca. 85 %), der darüber hinausgehende Zinserhöhungspfad wird jedoch als flach eingeschätzt.

 

Sektorstruktur des DAX als relativer Vorteil

Ein wesentlicher Grund für die Outperformance des DAX liegt in seiner Zusammensetzung. Im Gegensatz zu den US-amerikanischen und asiatischen Indizes, die stark durch hoch bewertete Technologiewerte geprägt sind, dominieren im DAX die Sektoren Industrie, Finanzen und zyklischer Konsum. Da Investoren die ambitionierten Bewertungen im globalen Halbleitersektor zunehmend kritisch hinterfragen, erweist sich diese Sektoraufteilung als stabilisierend. Der deutsche Leitindex ist von der aktuellen KI-Bewertungsdebatte weitgehend entkoppelt, profitiert jedoch über seine Industriewerte selektiv vom Investitionszyklus im Bereich der Rechenzentren.

 

Der DAX ist jedoch nicht vollständig vom Technologiesektor isoliert. Das am stärksten gewichtete Schwergewicht im Index stammt aus dem Softwarebereich und war maßgeblich für den Anstieg über die 26.000-Punkte-Marke verantwortlich. Zudem fungieren viele im DAX vertretene Industrie- und Spezialwerte als Zulieferer für die globale Technologie-Infrastruktur. Sie partizipieren am Investitionsboom, ohne im gleichen Maße den starken Bewertungsschwankungen der großen Technologiekonzerne ausgesetzt zu sein.

 

Ausblick und Prognosen

Die zur Wochenmitte einsetzende Konsolidierung – ausgelöst durch schwächere Quartalsdaten aus dem asiatischen Halbleitersegment – werten wir nicht als Trendbruch. Sofern eine erneute geopolitische Eskalation ausbleibt und sich die Gewinnerwartungen bestätigen, bleibt die Aufwärtsbewegung weiterhin intakt.

 

-- Birgit Henseler