Wirtschaftswachstum Q2’26: Die Eurozone wächst, aber nicht gemeinsam

Die Eurozone ist im Frühjahr stärker gewachsen. Ein Blick hinter die Zahlen zeigt jedoch, dass irische Sondereffekte und die robuste Binnenkonjunktur Spaniens darüber hinwegtäuschen, wie mühsam Deutschland, Frankreich und Italien vorankommen.
 

Das Bild ist ein Balkendiagramm, das das Wirtschaftswachstum im Euroraum im zweiten Quartal 2026 (Q2'26) zeigt. Es vergleicht das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Prozent, saisonbereinigt, für verschiedene Länder: Euroraum gesamt, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Die Werte sind: Euroraum 0,4 %, Deutschland 0,2 %, Frankreich 0,2 %, Italien 0,2 %, Spanien 0,7 %. Spanien zeigt das stärkste Wachstum. Die Quelle sind Eurostat und DE DANK.


Das Bruttoinlandsprodukt des Euroraums legte im zweiten Quartal um 0,4% zu. Dies ist ein erfreuliches Signal, jedoch noch kein Beleg für einen breit getragenen Aufschwung. Ein Teil des Wachstums geht auf den kräftigen Zuwachs Irlands zurück (+3,9% Q/Q). Dessen Wirtschaftsleistung schwankt wegen der Bilanzierung multinationaler Konzerne häufig stark und kann das europäische Aggregat erheblich beeinflussen.

 

Deutschland wuchs lediglich um 0,2%. Nach der langen Schwächephase ist dies ein weiteres Lebenszeichen. Die Qualität des Wachstums bleibt jedoch unbefriedigend. Während die Exporte stützten, entwickelte sich der Konsum verhalten, und die Investitionen gingen zurück. Es fehlt weiterhin die binnenwirtschaftliche Kraft, die aus einer technischen Erholung einen selbsttragenden Aufschwung machen könnte.

 

Auch Frankreich und Italien verzeichneten nur ein leichtes Wachstum. In Frankreich erholten sich Konsum und Ausfuhren, während die Investitionsschwäche anhielt. Starke Lagerbewegungen verzerrten das Quartalsbild zusätzlich. In Italien wurden Wachstum und Nachfrage von Dienstleistungen und der Inlandsnachfrage getragen, während Industrie und Außenhandel bremsten. In beiden Ländern stabilisiert der Dienstleistungssektor die Konjunktur, ohne dass sich daraus bereits ein kräftiger Investitionszyklus entwickelt.

 

Spanien bildet hier eine Ausnahme. Dort stützten Konsum und Investitionen. Industrie, Bauwirtschaft und Dienstleistungssektor legten ebenfalls zu. Die weiter wachsende Beschäftigung verstärkt den binnenwirtschaftlichen Rückenwind.

 

Die Eurozone hat die Stagnation damit zwar überwunden, aber noch keinen gemeinsamen nachhaltigen Aufschwung erreicht. Solange Deutschland, Frankreich und Italien nur im Schritttempo wachsen, bleibt das Gesamtbild fragil.

 

-- Matthias Schupeta