Europas Süden brennt – die Rechnung folgt

Die Waldbrände in Frankreich, Spanien und Portugal treffen vor allem Tourismus, Landwirtschaft und Forstwirtschaft. Für die nationale Konjunktur bleibt der Schaden bislang begrenzt – doch Hitze und Dürre verschärfen die Risiken.
 

Die Bilder von Waldbränden in Europas Süden sind dramatisch, der gesamtwirtschaftliche Schaden lässt sich bislang nur schwer beziffern. Die Feuer vernichten Häuser, Wälder und Infrastruktur. Solche Vermögensverluste werden jedoch nicht vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) „abgezogen“. In der laufenden Wirtschaftsleistung machen sich vor allem Betriebsschließungen, Reiseausfälle, Ernteverluste und Verkehrsunterbrechungen bemerkbar. Zwar sorgt der spätere Wiederaufbau für ein kräftigeres Wirtschaftswachstum, das jedoch allenfalls den erlittenen Vermögensverlust ausgleicht, ohne den Wohlstand zu erhöhen.

 

In Frankreich liegt der Schwerpunkt im Südwesten. Evakuierungen und Sperrungen betreffen an der Atlantikküste Campingplätze, Hotels, Gastronomiebetriebe und den Einzelhandel. Die Weinberge von Bordeaux sind bislang nicht unmittelbar von den Flammen bedroht. Für sie sind Dürre und Hitze das größere Risiko, da sonst Ertrag und Qualität der Ernte leiden könnten.

 

In Spanien ist die Betroffenheit räumlich breiter. Neben tourismusnahen Dienstleistungen geraten auch die Landwirtschaft, die Viehhaltung und die ländliche Infrastruktur unter Druck. Wie lange die Feuer während der Hauptsaison anhalten und ob sie weitere bedeutende Ferienregionen erfassen, ist entscheidend für den nationalen Schaden.

 

Portugal ist wegen seiner hohen Waldbrandgefahr besonders verwundbar. Die großen Schäden an den Waldbeständen belasten die Forst- und Holzwirtschaft. Hinzu kommen Kosten für die Brandbekämpfung, die Wiederaufforstung und die Kommunen.

 

Für die jeweilige nationale Konjunktur dürfte der unmittelbare Effekt in allen drei Ländern vorerst begrenzt bleiben. Belastbare länderspezifische Schätzungen liegen noch nicht vor. Regional können die Einbußen jedoch erheblich sein, besonders in tourismusabhängigen Gebieten. Noch größer ist die kombinierte Wirkung von Hitze, Dürre und Feuer: Sie kann Lebensmittel verteuern, den Strombedarf erhöhen und die Produktivität dämpfen. Eine grundlegende Warnung für den konjunkturellen Ausblick wäre derzeit aber noch verfrüht, doch die Hitzephasen und Brände erhöhen die Abwärtsrisiken für das Sommerhalbjahr.

 

-- Matthias Schupeta