Nachhaltige Bonds: Hitze, Hormus, Halbzeitrekord

Obwohl der Zeitgeist das Thema ESG zuletzt eher lieblos behandelte, bleibt der Markt für nachhaltige Anleihen absolut gesehen in robuster Verfassung. Das erste Halbjahr stellte einen Neuemissionsrekord auf und bildet damit sogar das Sprungbrett für ein Niveau von 400 Mrd. Euro an frischen Bonds in 2026.
 

Wer in den letzten Wochen mit Unbehagen auf das Thermometer oder die Unannehmlichkeiten einer hohen Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen blickte, der findet die folgenden Zahlen vielleicht ermutigend: In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 wurden nachhaltige Anleihen in einem Umfang von 262 Mrd. Euro begeben. Dies ist nach unserer Datenbank das historisch höchste Neu-Volumen nachhaltiger Euro-Anleihen in einem (ersten) Halbjahr. Wenn der Juli hinzugezählt wird, beläuft sich die Summe auf gut 277 Mrd. Euro. Nachhaltige Finanzierungen zeigen also eine hohe Dynamik und tragen – so die Hoffnung – mittelfristig auch ihren Teil zur Überwindung der oben angerissenen Probleme bei.

 

Die hohen absoluten Zahlen werden relativiert durch eine generelle schwungvolle Primärmarktaktivität. Soll heißen: Die Anteile nachhaltiger Bonds am gesamten Emissionsvolumen der einzelnen Assetklassen sind 2026 nicht generell auf „Rekordkurs“. Teilweise – wie bei den Covered Bonds – lag die Relation im ersten Halbjahr unter dem längerfristigen Mittelwert. Bei den Unternehmensanleihen hat sich der Anteil nachhaltiger Papiere in einem sehr regen Emissionsumfeld von 19,2% im Jahr 2025 auf 20% im ersten Halbjahr 2026 erholt. Ja, auch hier hatten wir in den vergangenen Jahren schon klar höhere Quoten, aber die kleine Ausweitung des Prozentsatzes ist dennoch ein Erfolg. Denn 2026 ist stark geprägt von hohen Emissionsvolumina US-amerikanischer Tech-Konzerne, deren Bonds konventionell und eben nicht nachhaltig ausgestaltet waren. Für die Banken ist sogar zu konstatieren, dass der Anteil nachhaltiger Anleihen am Emissionsgeschehen erstmals zur Jahresmitte über 25% lag. Alles in allem ist das Bild somit erfreulich, da ein absolut hohes Emissionsvolumen das nachhaltige Anlagespektrum erweitert.

 

Wenn die verbleibenden fünf Monate jeweils „nur“ die durchschnittlichen Werte der letzten Jahre an Emissionen sehen, dann können zu den bisherigen 277 Mrd. Euro noch ungefähr 130 Mrd. Euro addiert werden. Damit scheint die Marke von 400 Mrd. Euro an nachhaltigen Emissionen greifbar und ein neues Rekordvolumen vorstellbar. Die bisherige Bestmarke stammt mit 402 Mrd. Euro aus dem Jahr 2021.

 

-- Torsten Hähn