See you in September – EZB verabschiedet sich in die Ferien

Im Rahmen der Juli-Ratssitzung haben die Notenbank-Oberen das bisherige Leitzinsniveau von 2,25% (Einlagesatz) bestätigt
 

Das Bild zeigt ein Balkendiagramm, das die Entwicklung der Zinserhöhungserwartungen an den Finanzmärkten vergleicht. Es werden drei Zeitpunkte dargestellt: September 2026, Oktober 2026 und Dezember 2026. Für jeden Zeitpunkt gibt es zwei Balken: einen in Orange (Anfang Juli) und einen in Blau (Aktuell). Das Diagramm macht deutlich, dass die Zinserhöhungserwartungen im Laufe der Zeit gestiegen sind, insbesondere im Dezember 2026, wo der blaue Balken (Aktuell) deutlich höher ist als der orangene (Anfang Juli).


Bei ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause haben die europäischen Währungshüter erwartungsgemäß keine Anpassungen an der geldpolitischen Marschrichtung vorgenommen. Somit verbleibt der Einlagesatz bei 2,25%. Im geldpolitischen Statement betont die EZB angesichts der angespannten geopolitischen Lage im Mittleren Osten die Unsicherheit für die weitere Inflationsentwicklung. Zugleich äußert die Notenbank die Befürchtung, dass die Auswirkungen des Energiepreisschocks auf die Inflation noch nicht vollständig zum Tragen gekommen sind. Man sehe sich mit dem aktuellen Leitzinsniveau jedoch gut positioniert, um dieser Unsicherheit zu begegnen. Der weitere geldpolitische Kurs werde von Sitzung zu Sitzung und in Abhängigkeit der Datenlage adjustiert.  

 

OIS-Swaps deuten auf über September hinausgehende Erhöhungen hin

Die EZB-Ratssitzung hat keine neuen Impulse für die marktseitigen Leitzinserwartungen geliefert. Die OIS-Swaps zeigen sich kaum verändert und implizieren ebenfalls eine Straffung der Zinszügel im September. Hervorzuheben ist allerdings, dass die Finanzmarktakteure in den vergangenen Wochen ihre darüberhinausgehenden Zinserhöhungserwartungen forciert haben. Bis zum Ende des Jahres sind gegenwärtig annähernd 50 Basispunkte an Zinserhöhungen eingepreist. Auf der Pressekonferenz führte EZB-Chefin Lagarde aus, dass einige Ratsvertreter durchaus Sympathien für eine Zinserhöhung bereits bei dieser Zusammenkunft gehabt hätten. Letztlich wurde der heutige Zinsbeschluss jedoch einstimmig getroffen. Bis zur Sitzung im September werden noch zahlreiche Datenpunkte veröffentlicht, auf deren Basis dann entschieden werde. Angesichts immer wieder aufkeimender Spekulationen über einen vorzeitigen Abschied Christine Lagardes von der EZB betonte die Präsidentin, dass ein Kapitän bei dunklen Wolken am Horizont das Schiff nicht verlässt. Die reguläre Amtszeit endet im Oktober 2027.

 

Hartnäckige Inflation spricht für Zinserhöhung nach der Sommerpause

Auf der Pressekonferenz schlug EZB-Präsidentin Christine Lagarde einen moderat hawkishen Ton an. Damit halten sich die Währungshüter grundsätzlich die Option offen, die Zinszügel ein weiteres Mal zu straffen. Da die Inflation in den kommenden Monaten auf erhöhtem Niveau verharren dürfte, rechnen wir nach der Sommerpause (10. September) mit einer weiteren Zinserhöhung der EZB.

 

-- Christian Reicherter