Eskalation im Nahostkonflikt katapultiert Ölpreis zurück auf 90 USD
Die Lage im Nahen Osten hat sich abermals drastisch zugespitzt und den Rohölpreis in den Bereich um 90 US-Dollar je Barrel zurück katapultiert. Meldungen über eine potenzielle Waffenruhe konnten der Preisrallye zwar kurzzeitig Einhalt gebieten. Eine nachhaltige Entspannung in der Region dürfte zunächst jedoch außer Reichweite bleiben.
Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben sich drastisch verschärft und Hoffnungen auf eine nachhaltige Beruhigung am Ölmarkt vorerst zerschlagen. Nach den Angriffen der iranischen Revolutionsgarde auf Tanker in der Straße von Hormus und anhaltenden US-Luftangriffen – die mittlerweile den zehnten Tag in Folge andauern – ringen Washington und Teheran um die Kontrolle der Meerenge. Der Konflikt weitete sich zuletzt zunehmend auch auf zivile und energiebezogene Infrastruktur aus. So meldete Kuwait einen iranischen Angriff auf eine seiner Ölanlagen.
Dadurch hat sich die ohnehin angespannte Sicherheitslage im Persischen Golf erneut drastisch verschlechtert; der Schiffsverkehr sowie der Transit von Öl und Flüssiggas durch das Nadelöhr sind fast vollständig zum Erliegen gekommen. Zusätzliche Brisanz erhält die Situation durch die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen, die eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien angekündigt haben. Dies schürt erhebliche Sorgen vor weitreichenden Lieferausfällen im Roten Meer und an der Meerenge Bab al-Mandab – einer zentralen Lebensader für saudische Ölexporte.
Die Eskalation hat die geopolitische Risikoprämie an den Ölmärkten schlagartig zurückkehren lassen. Seit dem Scheitern des US-Iran-Abkommens hat der Preis der Nordseesorte Brent um 25% zugelegt und notiert derzeit knapp unter der Marke von 90 US-Dollar je Barrel. Dass der Aufwärtstrend nicht weiter anhielt, war auf Berichte über Verhandlungen über eine mögliche zehntägige Feuerpause zurückzuführen, die Hoffnung auf eine Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen nähren.
Unsere Erwartungen für den weiteren Preisverlauf bleiben von dieser temporären Beruhigung im Kern unberührt. Kurzfristig dürften die geopolitischen Risiken und der stagnierende Verkehr in der Straße von Hormus den Preis des schwarzen Goldes stützen und ihn um 90 US-Dollar je Barrel seitwärts tendieren lassen. Mittelfristig sollte der Preis auf 80 US-Dollar sinken, da weitere Produktionsausweitungen außerhalb der Golfregion zu erwarten sind, die für Entlastung sorgen. Langfristig dürften schließlich die schwächelnde Konjunkturdynamik in China und die fortschreitende Elektrifizierung die Ölnachfrage dämpfen und den Kurs auf 70 US-Dollar drücken.
-- Linda Yu

