Neue US-Zölle: Was bedeutet das für Europa und Deutschland?

Die jüngste US-Zollrunde löst keinen neuen Konjunkturschock aus, hält Europas Industrie aber unter Druck. Besonders Deutschland bleibt verwundbar: Die Erholung wird zunehmend von der Binnenwirtschaft abhängen.
 

Die seit dem 24. Juli 2026 geltenden US-Zölle sind für die EU kein neuer Zehn-Prozent-Schock. Der befristete globale Aufschlag von 10% ist ausgelaufen, gleichzeitig ist jedoch ein Section-301-Zoll in Kraft getreten. Für nicht ausgenommene EU-Waren wird die Summe aus regulärem MFN-Zoll (Meistbegünstigungszoll) und neuem Section-301-Zoll auf 10% aufgestockt. Ab einem MFN-Zoll von 10% entfällt der neue Aufschlag. Andere Sonderzölle können hinzukommen. Section-232-Waren wie Autos, Stahl und Aluminium sind ausgenommen. Bei Waren, die beiden Regelungen unterliegen, ist die Belastung gleich hoch oder niedriger. Neue Zölle wegen Überkapazitäten könnten noch folgen.

 

Für den Euroraum stellt die Umstellung keinen zusätzlichen Schock dar. Das hohe Zollniveau und die damit einhergehende Unsicherheit dämpfen jedoch die US-Nachfrage, die Ausfuhren und die Investitionen. Isoliert betrachtet wirkt sich der Konflikt daher wachstumsdämpfend aus.

 

Deutschland ist wegen seines Exportprofils exponiert. So sanken im ersten Quartal 2026 die Warenexporte in die USA im Vergleich zum Vorjahr um 12,1%, darunter die Exporte von Autos und Teilen um 28,4% sowie die von Maschinen um 6,4%. Diese Zahlen liegen vor dem Inkrafttreten der neuen Zölle und belegen daher deren Wirkung nicht. Sie zeigen jedoch die Verwundbarkeit im breiteren Handelskonflikt. Laut ifo berichten mehr als 60% der Industrieunternehmen von negativen Folgen, 16% haben Investitionsprojekte gestrichen.

 

Unterm Strich ist die Zollumstellung zwar kein neuer Konjunkturschock, sie verlängert jedoch den Gegenwind. Die Erholung im Euroraum bleibt flach und in Deutschland verschiebt sich die Wachstumsverantwortung vom Export zur Binnenwirtschaft. Höhere öffentliche Investitionen könnten stützend wirken. Ohne eine stärkere Auslandsnachfrage und mehr Planungssicherheit wird daraus jedoch kaum ein selbsttragender Aufschwung entstehen.

 

-- Matthias Schupeta