Euroraum PMIs: Aufschwung mit Schlagseite

Nach einem schwachen Frühjahr wächst die Wirtschaft im Euroraum wieder. Deutschlands Industrie setzt den kräftigsten Akzent, Frankreich bleibt nahezu stehen. Die robustere Nachricht kommt aus den übrigen Mitgliedsländern.
 

Das Bild zeigt zwei Liniendiagramme, die die Entwicklung des Einkaufsmanagerindex (PMI) in Punkten für die Industrie (links) und für Dienstleistungen (rechts) im Euroraum, Deutschland und Frankreich darstellen. Die Diagramme vergleichen die Werte der jeweiligen Länder/Regionen über einen Zeitraum von etwa 18 Monaten (01.25 bis 07.28). Eine neutrale Schwelle bei 50 Punkten ist als Referenz eingezeichnet. Das Bild illustriert, wie sich die Wirtschaftslage in diesen Ländern im Bereich Industrie und Dienstleistungen verändert hat.


Der Euroraum wächst wieder – doch noch ist das eher Lebenszeichen als Trendwende. Im Juli kehrte die Währungsunion nach einem voraussichtlich stagnierenden zweiten Quartal in die Expansion zurück. Die Einkaufsmanagerindizes, ein früher Gradmesser für Produktion, Aufträge und Beschäftigung, deuten auf ein moderates Wachstum hin.

 

Doch der Durchschnitt verdeckt große Unterschiede. In Deutschland kommt die Wende fast vollständig aus den Fabriken. Neue Aufträge, mehr Exportgeschäft, höhere Auslastung und Vorzieheffekte treiben die Produktion. Die Dienstleister treten dagegen nahezu auf der Stelle, Arbeitsplätze werden weiter abgebaut. Von einem breit getragenen Aufschwung kann deshalb noch keine Rede sein.

 

Frankreich hat die Talfahrt gebremst, aber nicht beendet. Die Dienstleistungswirtschaft stabilisiert sich, gestützt von der Inlandsnachfrage. Industrieproduktion und Auslandsaufträge sinken weiter. Rückläufige Auftragsbestände, Jobabbau und gedämpfte Erwartungen zeigen, dass viele Unternehmen noch über freie Kapazitäten verfügen. Einige Unternehmen verweisen zudem auf die Unsicherheit vor der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr.

 

Die eigentliche Stärke zeigt der übrige Euroraum: Dort war das Wachstum so kräftig wie seit acht Monaten nicht mehr, und dort entstanden auch die neuen Stellen. Zugleich ließ der Preisdruck nach, die Lieferkettenstörungen milderten sich. Dauerhaft ist die Erholung damit nicht. Steigende Ölpreise sowie Risiken für Schifffahrt und Energieversorgung könnten sie rasch wieder ausbremsen.

 

-- Matthias Schupeta