Schluss mit lustig – Stimmung an den Aktienmärkten weltweit eingetrübt
Die Lage im Mittleren Osten und die Sorge vor überhöhten KI-Investitionen machen den Aktienmärkten aktuell zu schaffen. Ein rascher Stimmungsumschwung ist zwar momentan alles andere als greifbar. Andererseits galt in den letzten Monaten des Öfteren das Sprichwort, wonach die Nacht vor der Dämmerung am dunkelsten ist.
An den Aktienmärkten machte sich zuletzt Verunsicherung breit. Ein wesentlicher Treiber der Stimmungseintrübung unter den Investoren sind die anhaltenden Kampfhandlungen und gegenseitigen Drohungen im Zuge des Iran-Kriegs. US-Präsident Trump erwägt offenbar „massive Attacken“ auf den Iran und seine Verbündeten. Das Regime in Teheran hat wiederum Vergeltungsangriffe angedroht, bei denen auch die Energieinfrastruktur in der Region ins Visier genommen werden könnte. Verschärft wird der Konflikt durch das Eingreifen der Huthi-Rebellen im Jemen. Mit der Meerenge Bab-el-Mandeb könnte damit ein weiteres Nadelöhr des globalen Schiffsverkehrs nur noch (sehr) eingeschränkt zur Verfügung stehen.
Der Rohölpreis reagierte auf die angespannte Lage mit dem Sprung über die Marke von 100 USD. Zunehmende Inflationssorgen nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch bei den Notenbankvertretern sind die Folge. Zwar ist eine Leitzinsanhebung im September keineswegs ausgemachte Sache. An den Geldmärkten im Euroraum werden jedoch derzeit sogar zwei Erhöhungsschritte à 25 Bp bis Anfang 2027 eingepreist. Dasselbe gilt für die US-Notenbank und die dortigen Geldmärkte. Unter dem Eindruck dieser Gemengelage legten die Staatsanleiherenditen spürbar zu. US-Treasuries mit zehnjähriger Laufzeit rentierten zeitweise auf dem höchsten Stand seit Anfang 2025. Beim deutschen Pendant wurde sogar der höchste Stand seit 2011 verzeichnet. Angesichts dieses vielfältigen Gegenwinds überrascht es wenig, dass sich auch die Aktienmärkte den Auswirkungen der Spannungen im Mittleren Osten nicht entziehen konnten.
Eindruck hinterlassen haben zudem vorgelegte Zahlen von Unternehmen mit Bezug zum Bereich der Künstlichen Intelligenz. Vor allem die hohen und teils höher als erwartet ausgefallenen Investitionen haben unter Anlegern Zweifel geschürt, dass sich diese mittlerweile im dreistelligen Milliarden-US-Dollar-Bereich liegenden finanziellen Mittel allein in diesem Jahr später für die Beteiligten rechnen werden. Entsprechenden Befürchtungen kamen bereits in den vergangenen Monaten immer wieder auf.
Ausblick: Aktienmärkte zwischen Hoffen und Bangen – mal wieder!
Vor dem Hintergrund der momentan zu vernehmenden Äußerungen aus Washington und Teheran erscheint eine Entspannung einerseits in weite Ferne gerückt zu sein. Andererseits haben die letzten Monate eindrucksvoll demonstriert, wie rasch die Konfliktparteien ausgehend vom Angriffs- in den Annäherungsmodus schalten können. Ähnlich gestaltet sich die Situation beim Thema Künstliche Intelligenz. Auch hier kann der Weg zwischen Zweifeln und Optimismus sehr kurz ausfallen, insbesondere in der US-Berichtssaison, die aktuell Fahrt aufnimmt. Zumindest in den vergangenen Quartalen ist es den (US-)Unternehmen in Summe ein ums andere Mal gelungen, die im Vorfeld als ambitioniert geltenden marktseitigen Erwartungen zu übertreffen und damit Zweifel am langfristigen Potenzial Künstlicher Intelligenz zu dämpfen.
-- Sören Hettler und Christoph Müller

