Indische Wirtschaft auf der Überholspur

Indien belegte 2025 beim Ranking der weltgrößten Volkswirtschaften Platz 6. Bereits 2027 könnte das Land auf Platz 4 vorrücken. Die Inlandsnachfrage ist der wesentliche Wachstumsmotor. Eine Belastung für die privaten Haushalte geht zurzeit von der Inflation aus.

 

Das Bild zeigt zwei Diagramme. 

Das linke Diagramm stellt den Anstieg beim Einkommen im Kontext der Konsumentwicklung dar. Es zeigt das durchschnittliche verfügbare Einkommen in Prozent sowie die reale und nominale Entwicklung des Einkommens im Jahresvergleich. Die Balken repräsentieren das reale Einkommen, die Linien das nominale Einkommen.

Das rechte Diagramm zeigt die Industrieunternehmen in einem sogenannten 'Boom'. Es illustriert die Entwicklung des Geschäftsklimas (Umfrage, z.B. Erwartungen, Wirtschaftslage) für Industrie und Dienstleistungen über mehrere Jahre. Die Linien stehen für Industrie, Dienstleistungen und den insgesamt ermittelten Industriestandort.

Beide Diagramme geben einen Überblick zur wirtschaftlichen Entwicklung im Bereich Einkommen und Unternehmensklima in einem bestimmten Zeitraum.

 

Die indische Wirtschaft ist 2025 um 7,5% gewachsen. Verantwortlich für diesen kräftigen Zuwachs war starker Auftrieb beim privaten Konsum und bei den privaten Investitionen. Der Außenhandel bremst wegen des immer noch recht starken Importsogs hingegen das Wachstum. Die Exporte sind zwar seit 2021 preisbereinigt um stattliche 41% gestiegen. Dahinter verbirgt sich allerdings Stagnation bei der Ausfuhr von Gütern, während sich der Export von Dienstleistungen verdoppelte. Auch zu Beginn dieses Jahres konnte das Bruttoinlandsprodukt deutlich gesteigert werden. In Q2 wurde der Schwung wohl durch die weltweite Energiekrise gedrosselt, dennoch rechnen wir 2026 und 2027 insgesamt mit einer kräftigen Konjunktur. Wir erwarten Wachstumsraten von 6,6% und 6,7%. Indien dürfte deshalb bereits 2027 auf der Liste der größten Volkswirtschaften auf Platz 4 vorrücken und damit Japan und Großbritannien hinter sich lassen.

 

Grundsätzlich ist in Indien die Inlandsnachfrage der wesentliche Wachstumsmotor für die Konjunktur. Preisbereinigt war das verfügbare Einkommen eines durchschnittlichen privaten Haushaltes Ende 2025 um fast 23% höher als Ende 2021. Auch in diesem Jahr dürfte nach Abzug der Inflation den Verbrauchern wieder spürbar mehr Geld zur Verfügung stehen als im Vorjahr. Vor allem diese Entwicklung befeuert den privaten Konsum.

 

Ein weiterer „Booster“ sind die umfangreichen Investitionen in die Infrastruktur, die die Stimmung in der Wirtschaft beflügeln. Nicht erst seit der letzten Wiederwahl von Narendra Modi zum Premierminister im Frühjahr 2024 ist die Stimmung in den Bereichen Infrastruktur und Dienstleistungen „bestens“. Die Industrie rechnet mit deutlich steigenden Güterexporten durch die größtenteils erst vor kurzem abgeschlossenen Freihandelsabkommen mit der EU, Großbritannien und anderen Ländern.

 

Eine Belastung für die privaten Haushalte geht zurzeit von der Inflation aus. Nahrungsmittel, deren Anteil am Warenkorb bei rund 36% liegt, haben sich durch einen schwachen Monsunregen deutlich verteuert. Die Inflation kletterte dadurch im Juni auf 4,4% und wird sich in den kommenden Monaten wohl der oberen Grenze des Zielbereiches der Notenbank nähern, die bei 6% liegt. Der durch den Irankrieg ausgelöste Energiepreisanstieg hat hingegen kaum Spuren hinterlassen, da Kraftstoffpreise seit jeher vom Staat reguliert werden. Im Jahresdurchschnitt rechnen wir 2026 mit einer Inflation von 4,9%.

 

-- Dr. Christine Schäfer