DAX startet mit Rekordhoch ins zweite Halbjahr
Der DAX hat mit einem neuen Rekordhoch von rund 25.800 Punkten einen starken Start in das zweite Halbjahr hingelegt. Getragen wird dieser Aufschwung durch positive Impulse aus den USA und ein politisches Reformsignal aus Berlin.
Erstmals seit Januar hat der DAX ein neues Rekordhoch erreicht und die Bestmarke auf rund 25.800 Punkte ausgebaut. Getragen wurde der Anstieg nicht von den Technologiewerten, die den Markt in den vergangenen Monaten dominierten, sondern von Unternehmen mit Schwerpunkt auf dem deutschen Heimatmarkt, deren Kurse zuvor zurückgeblieben waren.
Impulse aus den USA, Rückenwind aus Berlin
Der erste Impuls kam aus den USA. Dort sind im Juni deutlich weniger neue Stellen entstanden als erwartet. Für die Börsen ist das jedoch keine schlechte Nachricht, denn die Abkühlung am Arbeitsmarkt nimmt der US-Notenbank den Druck, die Leitzinsen anzuheben. Niedrigere Zinserwartungen stützen die Bewertung von Aktien weltweit. Der rückläufige Ölpreis dämpft die Inflationssorgen zusätzlich.
Der zweite Impuls kam aus Berlin. Die Koalition hat sich auf ein Reformpaket mit 34 Maßnahmen verständigt. Dieses soll die Wirtschaft stärken, Einkommen entlasten und Bürokratie abbauen. An den Aktienmärkten wurde weniger der Umfang der einzelnen Punkte honoriert als das Signal, dass Reformen überhaupt zustande kommen. Das kann die Stimmung bei Unternehmen und Verbrauchern aufhellen.
Ein geteiltes erstes Halbjahr
Auf den ersten Blick verlief das erste Halbjahr unspektakulär: Der DAX legte um gut 2% zu. Hinter dieser Zahl verbirgt sich jedoch eine enorme Spannbreite. So verdoppelte sich der beste Wert im Index, während der schwächste rund 40% verlor. Zu den Gewinnern zählen Unternehmen, die vom weltweiten Ausbau der Rechenzentren für künstliche Intelligenz und der dafür nötigen Strominfrastruktur profitieren. Außerdem gehören Banken und Versicherer dazu. Zu den Verlierern zählten die früheren Favoriten aus dem Bereich Verteidigung sowie Werte aus dem Automobil- und Softwaresektor. Der Markt bewertet Geschäftsmodelle derzeit sehr unterschiedlich und macht damit den Strukturwandel der Wirtschaft sichtbar.
Ausblick: weiteres Kurspotenzial
Genau diese Spreizung stützt unsere Zuversicht für die zweite Jahreshälfte. Der Weg zu unserem Jahresendziel von 27.500 Punkten führt über eine Verbreiterung des Marktes: Die bislang zurückgebliebenen, binnenwirtschaftlich geprägten Werte dürften aufholen, während die bereits stark gestiegenen Themen rund um Halbleiter und Energietechnik ihr Niveau behaupten dürften. Der Anstieg erhält somit ein zweites Standbein und ist nicht mehr allein von wenigen Titeln abhängig. Das erhöht die Qualität der Aufwärtsbewegung. Ein Großteil dieser Aufholbewegung dürfte allerdings bis zum Jahresende vollzogen sein. Für das erste Halbjahr 2027 erwarten wir deshalb eine eher seitwärts gerichtete Entwicklung. Das Umfeld bleibt konstruktiv, die Dynamik des laufenden Jahres lässt sich aber nicht einfach fortschreiben.
-- Birgit Henseler

