Forint beim Euro-Währungs-TÜV
Seit der Parlamentswahl ist der politische Wille in Ungarn für einen Euro-Beitritt vorhanden, wofür das Land verschiedene Konvergenzkriterien erfüllen muss. Im Folgenden steht das Wechselkurskriterium (WKM II) im Blick. Nähme Ungarn am WKM II teil, stünden die Chancen gut, dass der Forint den Währungs-TÜV bestünde.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Juni ihren aktuellen Konvergenzbericht veröffentlicht: Ungarn ist noch nicht bereit für die Euro-Einführung. Mit dem Regierungswechsel im April 2026 kam jedoch der starke politische Wille, dem Euro beizutreten. Auch die ungarische Notenbank (MNB) ist offen für das Projekt und die Zustimmung innerhalb der Bevölkerung ist groß. Sie wird getrieben von der Hoffnung auf mehr Preisstabilität sowie deutlich geringere Wechselkursrisiken für die stark exportorientierte Wirtschaft. Eine politische Hürde für den Euro-Beitritt birgt ein potenzieller Regierungswechsel zurück zu einer euroskeptischen Partei. In den nächsten Jahren muss sich die neu gewählte Regierung als verlässlicher und reformbereiter Partner in der EU beweisen. Wirtschaftlich muss Ungarn die Maastricht-Kriterien für einen Euro-Beitritt erfüllen. Diese umfassen Vorgaben zur Höhe langfristiger Zinssätze, der Inflationsrate, der Neu- und Gesamtverschuldung sowie die Teilnahme am Europäischen Wechselkursmechanismus II (WKM II). Momentan erfüllt das Land keines der Maastricht-Kriterien.
Besonders relevant aus Devisenmarktsicht ist der WKM II. In diesem System fester Wechselkurse müssen Anwärter nachweisen, dass sie ihre Währung gegenüber dem Euro stabil halten können. Die Wechselkursstabilität wird so definiert, dass die nationale Währung über mindestens zwei Jahre nur innerhalb einer Spanne von maximal ± 15% um einen festen Referenzkurs schwanken darf. Dieser wurde zuvor durch Verhandlungen zwischen EZB, Eurozone und Anwärterland vereinbart, unter Beteiligung der EU-Kommission. Durch eine erfolgreiche Mitgliedschaft im WKM II würde Ungarn zeigen, dass es seine Wirtschaft ohne eigene Geldpolitik steuern kann und somit die Dauerhaftigkeit der Konvergenz belegen. In den letzten zwei Jahren bewegte sich der HUF-EUR-Kurs innerhalb der erlaubten Spanne, weist aber eine relativ hohe Volatilität auf. Zuletzt hat der Forint stark aufgewertet und wird aktuell etwa 11% stärker gehandelt als noch im Juni 2024. Nähme Ungarn am WKM II teil, stünden die Chancen gut, dass der Forint den Währungs-TÜV bestünde.
Insgesamt ist die Einführung des Euro ein komplexer Prozess, der mehrere Jahre dauert. Marktseitig wird mit mindestens fünf bis zehn Jahren gerechnet. Der Zeitplan hängt bedeutend davon ab, wie reformbereit und politisch stabil ein Land ist, sowie von der wirtschaftlichen Ausgangslage. Der neue Regierungschef Magyar legte sich bislang auf kein Beitrittsjahr fest, strebt aber an, bis 2030 alle Maastricht-Kriterien zu erfüllen. Unserer Einschätzung zufolge könnte Ungarn in den frühen 2030er Jahren den Euro einführen, wenn den benötigten Maßnahmen über mehrere Legislaturperioden hinweg höchste Priorität eingeräumt wird.
-- Trixi Pairan

