Automobilsektor: Déjà-vu?

Hoffentlich täuscht die Erinnerung: Die deutliche Gewinnwarnung von BMW schürt Sorgen bezüglich weiterer Prognoseverfehlungen im Sektor – wie im Herbst 2024. Gewisse Parallelen – vor allem mit Blick auf China – sind nicht abzustreiten.

 

 

Es kommt ein wenig das Gefühl auf, so etwas schon einmal gesehen zu haben: Vor knapp zwei Jahren fußten die Jahresprognosen vieler Automobilhersteller auf der Erwartung eines sich aufhellenden Marktumfelds. Insbesondere eine länger anhaltende Kaufzurückhaltung in China machte den Konzernen damals einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Reihenweise Gewinnwarnungen waren die Folge. Die aktuelle Ausgangslage ist zwar nicht vergleichbar und die marktbestimmenden Treiber haben sich verschoben. Nichtsdestotrotz hatte die jüngste Gewinnwarnung von BMW Déjà-vu-Charakter: Der Konzern merkte neben stärker als erwarteten Auswirkungen des Irankriegs insbesondere eine beschleunigte Markteintrübung in China an. Damit drängt sich die Vermutung auf, dass dies nur ein Vorbote für weitere Gewinnrevisionen im Sektor sein könnte. Allerdings ist zu beachten, dass die genannten Faktoren nicht für alle Branchenvertreter eine gleichsam bedeutende Rolle spielen.

 

Mit Blick auf China liegt der Fokus der deutschen Hersteller weiterhin stark auf „Verbrennern“, deren Absatz sich in den letzten Jahren kontinuierlich und besonders zuletzt sichtbar rückläufig präsentierte. Wachstumstreiber bleibt das Segment der vollelektrischen Fahrzeuge, welches aber klar von heimischen Anbietern dominiert wird. Hinsichtlich des Irankrieges wurden im Zuge der Q1-Berichterstattung von den Konzernen zwar entsprechende Unsicherheiten angemerkt. Etwaige Effekte eines länger anhaltenden Konflikts waren in den Ausblicken indes explizit nicht enthalten. Die gestiegenen Energiepreise sorgen mittlerweile branchenweit für anziehende Inputkosten, wenngleich diese Hedging-bedingt mitunter erst zeitversetzt zu Buche schlagen. Darüber hinaus sind allerdings weitere potenzielle Auslöser für enttäuschte Erwartungen denkbar. Nicht nur in vielen asiatischen Märkten, sondern auch in Europa erobern chinesische Hersteller zunehmend Marktanteile. Zudem wirft der Blick in die USA mit der bevorstehenden Überprüfung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Fragezeichen auf.

 

Vor diesem Hintergrund bleibt zu hoffen, dass es sich wie bei einem Déjà-vu nur um eine Erinnerungstäuschung handelt und sich die Ereignisse aus 2024 nicht wiederholen. Gleichwohl ist in der Branche mit einem erhöhten Schlagzeilenrisiko zu rechnen.

 

-- Markus Roß