Nachhaltige Bonds: Crisis? What Crisis?

Schon klar: Der „Crisis-Titel“ ist etwas ausgetreten und nur Nostalgiker dürften sich an das namensgebende Supertramp-Album erinnern. Aber: Wer den Markt für nachhaltige Euro-Anleihen betrachtet, der dürfte ein gewisses Erstaunen über dessen Lebendigkeit mitbringen – mindestens in absoluten Zahlen.

 

Im bisherigen Jahresverlauf verbucht unsere Datenbank die Emission nachhaltiger Anleihen im Volumen von 195 Mrd. Euro. Dies ist das dritthöchste Volumen nach fünf Monaten eines Jahres. Angesichts des schwungvollen Umfeldes dürfte der Markt das Volumen in den restlichen Mai-Tagen noch auf Platz zwei des Rankings nach jeweils fünf Monaten heben. Natürlich ist die Dynamik eingebettet in einen lebhaften Primärmarkt – nachhaltig und konventionell. Dennoch ist zu konstatieren, dass nachhaltige Bonds – trotz der geopolitischen Unsicherheiten und des schwierigen ESG-Zeitgeistes – nicht auf der sprichwörtlichen Strecke geblieben sind.

Von den 195 Mrd. Euro entfallen drei Viertel auf die Anleiheklasse der Green Bonds. Der Wert liegt ungefähr im Schnitt der letzten Jahre. Jeweils rund 12 Prozent des Volumens sind als Social oder als Sustainability Bonds emittiert worden. Der Blick auf die Assetklassen offenbart beim Emissionsvolumen eine Doppelspitze aus Unternehmensanleihen mit rund 45 Mrd. Euro (Anteil von 23 Prozent) und den nachhaltigen Staatsanleihen. Auf den Plätzen drei und vier folgen ebenfalls nahezu gleichauf die Banken und die Agencies mit einem jeweils gut 18-prozentigen Anteil.

Soll von den Anteilen auf die Treiber der Dynamik geschlossen werden, dann fallen die Sovereigns, die Agencies und (mit Abstrichen) die Banken auf. Deren aktuellen Anteile am gesamten Emissionsvolumen liegen relativ zu den Gesamtjahreswerten der letzten Jahre auf hohen Niveaus. Bei nachhaltigen Corporates und Supranationals ist das nicht der Fall. Anders betrachtet: Bei Sovereigns und Agencies beträgt das in 2026 emittierte Volumen schon etwa 80 Prozent des Levels aus dem Gesamtjahr 2025. Bei Unternehmensanleihen, Covered Bonds und den Supranationals liegt das Niveau dagegen noch (klar) unter der 50-Prozent-Marke. Mit Blick auf die Zahl der Anlageoptionen sind in der bislang „heißen Phase“ des Iran-Krieges nur 23 neue nachhaltige Papiere zu konstatieren, während wir seit der „Waffenruhe“ vom 08. April nahezu 100 Marktauftritte diverser Emittenten verbuchen konnten. Diese Belebung hat vor allem bei den Corporates, den Agencies und den Banken für eine klare Erhöhung des nachhaltigen Bond-Spektrums gesorgt.

 

Torsten Hähn