7.500 Punkte! US-Aktienindizes eilen von Rekord zu Rekord

Aus der Perspektive der Aktienmärkte hat der Unruheherd Iran-Krieg zuletzt erheblich an Bedeutung verloren. Dies gilt insbesondere für die USA. Der S&P 500 schloss jüngst erstmals über 7.500 Punkten. Offensichtlich richten die Investoren ihren Blick wieder auf Themen, die weit über die Lage im Mittleren Osten hinausreichen, darunter vor allem Künstliche Intelligenz.

 

Das Bild zeigt zwei Diagramme, die Finanzinformationen darstellen:

1. Das linke Diagramm zeigt die implizite Volatilität von DAX und S&P 500 in Prozent über einen Zeitraum von Januar bis Ende Mai. Hier wird die Schwankungsbreite der beiden Aktienindizes verglichen.

2. Das rechte Diagramm zeigt den Verlauf von mehreren US-Aktienindizes: Nasdaq 100, Vergleichsindex, S&P 500 und S&P 500 (gleichgew.). Diese Indizes werden bezüglich ihrer prozentualen Veränderung seit Anfang Januar bis Ende Mai verglichen, wobei Technologiewerte hervorgehoben sind.

 

Die Aktienmärkte sind weiterhin bemüht, den Unruheherd Iran-Krieg hinter sich zu lassen. Offensichtlich ist, dass die Belastung durch den militärischen Konflikt und die damit einhergehende Schließung der Straße von Hormus an Bedeu­tung verloren hat. Die implizite Volatilität, die als Gradmesser für die vorherrschen­de Unsicherheit an den Aktienmärkten gilt, hat insbesondere gegenüber den akuten Spannungen Ende März spürbar nachgelassen. Dabei deutet der direkte Vergleich zwischen dem Volatilitätsindex auf Basis des deutschen Leitindex und dessen Pendant für den S&P 500 darauf hin, dass der Konflikt im Mittleren Osten vor allem für die US-Indizes kein größeres Thema mehr zu sein scheint. So hat der VIX-Index in den letzten Wochen wieder ein Niveau erreicht, das im historischen Kontext als unauffällig einzustufen ist.

 

Diese Einschätzung deckt sich mit Blick auf die Kursentwicklung. DAX und Euro Stoxx 50 konnten sich gegenüber Ende März zwar deutlich erholen und die Jahresausgangsniveaus zurückerobern. Sie bewegen sich aber weiterhin klar unterhalb der Kursstände, die vor Ausbruch des Iran-Krieges zu beobachten waren. Deutlich dynamischer präsentieren sich die US-Indizes. Nach einem verhaltenen Jahresstart haben diese in den letzten Wochen wieder Fahrt aufgenommen und in den vergangenen Tagen neue historische Höchststände verzeichnet. Erstmals schloss der S&P 500 dabei oberhalb der Marke von 7.500 Punkten – ein Plus von 10% gegenüber dem Jahresausgangsniveau. Getrieben wurde die jüngste Aufwärtsbewegung einmal mehr von Aktienunternehmen aus dem Technolo­giebereich. Der Nasdaq 100 konnte in den ersten Monaten dieses Jahres 17% zulegen. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang nicht nur Schwergewichte wie Alphabet, Broadcom, Nvidia und Amazon. Vielmehr gehören, gemessen an der Entwicklung der Marktkapitalisierung seit Anfang 2026, 20 Aktienunternehmen aus dem Technologiesektor zu den Top 50 im S&P 500. Hinzu kommen weitere vier Vertreter aus dem Bereich Kommuni­kation.

 

Ausgangsbasis für die erfreuliche Entwicklung der letzten Wochen ist die Rückkehr der Fantasie zugunsten Künstlicher Intelligenz. Überwogen zu Jahresbeginn die Sorgen über (zu) hohe Investitionen vor allem bei den Hyperscalern um Alphabet, Amazon & Co. sowie mögliche disruptive Prozesse, die vor allem Softwareanbieter perspektivisch den Garaus machen könnten, dominiert aktuell wieder die Zuversicht. Geholfen hat hierbei die gute US-Berichtssaison für das erste Quartal 2026, die den Löwenanteil mittlerweile hinter sich hat. Nicht nur konnten mehr als 80% der Unternehmen die Gewinnerwartungen übertreffen. Zugleich ist das Ausmaß der positiven Gewinnüberraschung im S&P 500 deutlich größer als in den vorangegan­genen Quartalen.

 

Der Entwicklung im Iran-Krieg mag es vor diesem Hintergrund zwar – je nach Eskalationsgrad – auch in den nächsten Wochen immer wieder gelingen, die Stim­mung vorübergehend zu trüben. An den (US-)Aktienmärkten haben die Investo­ren den Blick aber offenbar wieder auf Themen gerichtet, die weit über den Zeitraum der Lage im Nahen und Mittleren Osten hinausreichen.

- Sören Hettler