EZB hält noch still – Erhöhung bahnt sich an

Währungshüter bestätigen bisheriges Leitzinsniveau (Einlagesatz 2%). Adjustierung des geldpolitischen Kurses in Abhängigkeit der Datenlage.

 

Das Bild zeigt ein Diagramm der Inflationsprognosen über einen bestimmten Zeitraum. Es gibt zwei Linien: die blaue Linie stellt die langfristigen Inflationserwartungen (5-Jahres-Erwartungen) dar, während die orange Linie die kurzfristigen Inflationserwartungen (1-Jahres-Erwartungen) darstellt. Die Y-Achse zeigt die Prozentwerte der Erwartungen, und die X-Achse zeigt die Jahre von 2022 bis 2026. Es wird dargestellt, wie sich diese Erwartungen im Laufe der Zeit verändern.

 

Bei ihrer heutigen Zusammenkunft haben die europäischen Währungshüter beschlossen, den Einlagesatz unverändert bei 2% zu belassen. Nach Einschätzung der Notenbanker haben sich sowohl die Aufwärtsrisiken für die Inflation als auch die Abwärtsrisiken für das Wachstum erhöht. Die mittelfristigen Auswirkungen auf Inflation und Wachstum hängen dabei von der Intensität und Dauer des Energiepreisschocks ab. Die EZB wird die Lage weiter genau beobachten und abhängig von der Datenlage von Sitzung zu Sitzung entscheiden. Die Währungshüter halten sich somit weiterhin alle Optionen offen. In einer ersten Reaktion haben die Marktakteure ihre Erwartung über drei Straffungsschritte (à 25 Basispunkte) bis zum Jahresende etwas zurückgeschraubt. Ein besonderes Augenmerk der EZB-Oberen liegt auf den längerfristigen Inflationserwartungen (5J+5J). Während diese sich bislang noch fest verankert präsentieren, befinden sich die Inflationserwartungen für einen kürzeren Zeithorizont (1J+1J) bereits merklich im Aufwind. Vorsicht ist somit angebracht.

 

Währungshüter haben bereits über einen Zinserhöhungsschritt debattiert

Im Rahmen der Pressekonferenz führte EZB-Chefin Lagarde aus, dass im Zuge der heutigen Beratungen auch die Möglichkeit einer Zinserhöhung diskutiert wurde. Aufgrund der noch unzureichenden Datenlage habe man sich jedoch einstimmig für ein geldpolitisches Stillhalten entschieden. Die nächsten sechs Wochen seien Lagarde zufolge entscheidend, um eine fundierte Entscheidung zu treffen.

 

Neue EZB-Projektionen – ein wichtiger Aspekt für den nächsten Zinsbeschluss

Turnusgemäß werden die EZB-Stabsmitarbeiter zur Ratssitzung im Juni neue Projektionen zur Konjunktur- und Inflationsentwicklung vorlegen. Auch die bestehenden Szenarien werden bis dahin überarbeitet. Sollte sich dabei der von Notenbankchefin Lagarde im Rahmen der Pressekonferenz geäußerte Eindruck verfestigen, dass man sich zusehends vom „Basisszenario“ entferne und mit einem schwächeren Wachstum bzw. einer höheren Inflation zu rechnen sei, wäre damit der Weg für den von uns erwarteten Zinserhöhungsschritt im Umfang von 25 Basispunkten geebnet.

 

-- Christian Reicherter