Iran-Krieg droht erneut zu eskalieren – Ölpreise legen zu
Die Angst vor einer erneuten militärischen Eskalation im Iran-Krieg hat die Rohölpreise erneut deutlich ansteigen lassen. Zentraler Streitpunkt bei den Gesprächen bleibt das iranische Atomprogramm. Ein Ausweg zeichnet sich zwar nicht ab. Marktseitig überwiegt dennoch die Hoffnung, dass die Straße von Hormus auf längere Sicht zumindest teilweise wieder geöffnet wird.
Seit Mitte April war es etwas ruhiger um den Iran-Krieg und die weiterhin gesperrte Straße von Hormus geworden. Dies hat sich im Verlauf dieser Woche geändert. Insbesondere Medienberichte, wonach die USA erneut militärisch gegen den Iran vorgehen könnten, haben den Konflikt wieder in den Vordergrund gerückt.
Der Rohölpreis ist daraufhin deutlich gestiegen. Meldungen, wonach der gehandelte Einmonats-Future der Ölsorte Brent jüngst mit über 120 USD je Barrel einen neuen Höchststand seit Ausbruch des Krieges erreicht hat, sind zwar aufgrund markttechnischer Faktoren mit Vorsicht zu genießen. Die Aufwärtsbewegung zeigt sich jedoch auch bei anderen Rohölsorten und Kontrakten. So kletterte auch der Einmonats-Future der US-Sorte WTI im Wochenverlauf wieder in die Region von 110 USD, nachdem Mitte April noch Preise unter 90 USD anzutreffen waren. Ähnlich sieht es beim Preis für die tatsächliche physische Öllieferung (Dated Brent) aus. Einerseits ist dieser in den letzten beiden Wochen deutlich gestiegen, andererseits liegt er mit gut 120 USD weiterhin klar unterhalb des Rekordstands von Anfang April, als das Fass bei knapp 145 USD gehandelt wurde.
Der akute Auslöser für die steigenden Rohölpreise mag zwar die Furcht vor einer erneuten militärischen Eskalation sein. Noch schwerer dürfte aus Sicht der Marktteilnehmer aber die fehlende Perspektive eines für beide Seiten gesichtswahrenden Auswegs wiegen. Tatsächlich ist fraglich, wie insbesondere in der Frage des iranischen Atomprogramms eine Lösung aussehen kann. Einerseits dürften zumindest die Hardliner im Iran nach den jüngsten Erfahrungen ein noch größeres Interesse an der Entwicklung waffenfähigen Urans haben. Auf der anderen Seite können weder die USA noch Israel in diesem Punkt auf die Gegenseite zugehen, ohne das zentrale Ziel des Krieges über Bord zu werfen.
Diese Erkenntnis soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass sowohl die USA als auch der Iran ein Interesse an einer Beilegung des Konflikts haben dürften. Gerade mit Blick auf die näher rückenden US-Kongresswahlen im Herbst (Midterm Elections) könnte sich ein höherer Preisdruck als schwere Bürde für die republikanischen Kandidaten erweisen. Es droht der Verlust der Mehrheit in mindestens einer der beiden Kammern. Teheran dürfte unterdessen ein Interesse daran haben, dass die eigenen Ölexporte die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman wieder ungehindert passieren können. Schließlich fehlt dem iranischen Regime ohne diese Ausfuhren eine zentrale Einnahmequelle.
Es sind diese Rahmenbedingungen, die das langfristige Bild der Akteure an den Rohölmärkten prägen. So liegt der Preis für ein Fass der Sorte Brent laut Future-Kontrakt für Anfang 2027 bei etwas über 80 USD. Und klar ist auch: Bereits eine mit einer Öffnung der Straße von Hormus verbundene und nachhaltig tragfähige Waffenruhe dürfte genügen, um den Preisdruck am Rohölmarkt rasch und signifikant zu dämpfen. Sollten die Konfliktparteien hingegen wieder zu den Waffen bzw. Raketen und Drohnen greifen, dürften die Rohstoffpreise einen weiteren Aufwärtsschub erfahren.
-- Linda Yu, Christoph Müller

