Euro-Raum: Nochmal ein kleines Wachstumsplus Anfang 2026
Die Wirtschaft des Euro-Raums wächst im ersten Quartal 2026 um 0,1%. Fast alle Mitgliedsländer stützten die Entwicklung. Die Krise an der Straße von Hormus dürfte jedoch zu einer Abbremsung der Konjunktur führen.
Die Wirtschaft des Euroraums kam zum Jahresanfang 2026 nur leicht voran. Von Januar bis März stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach vorläufigen Berechnungen um 0,1 % gegenüber dem Vorquartal. Viele Details sind noch nicht bekannt. Es ist gut möglich, dass sich die Auswirkungen des Kriegs am Persischen Golf bereits im März bremsend auf die Wirtschaft ausgewirkt haben. Andererseits könnten Vorratsbestellungen, die aus Sorge vor Lieferengpässen getätigt wurden, die Produktion sogar etwas angekurbelt haben.
Die Mehrheit der großen Mitgliedsländer stützt die Quartalsentwicklung. So stieg das BIP in Spanien um 0,6 %, in Deutschland um 0,3 % und in Italien um 0,2 %. Die französische Wirtschaft kam dagegen nicht von der Stelle: Das BIP stagnierte im Vergleich zum Vorquartal. Die meisten kleineren Länder wiesen ein positives Quartalsergebnis auf. Ein kräftiges Minus der irischen Wirtschaft – hier sind die Daten jedoch außerordentlich volatil – verhinderte eine stärkere Expansion der EWU-Wirtschaft.
Das deutsche BIP konnte gemäß der Schnellschätzung des Statistischen Bundesamts um 0,3 % zulegen. Viel ist zwar auch hier noch nicht bekannt. Positive Impulse kamen den vorläufigen Angaben zufolge aber von privaten und staatlichen Konsumausgaben sowie von den Exporten. Da fällt es kaum ins Gewicht, dass die Zuwachsrate des Vorquartals leicht nach unten revidiert wurde.
Die schlechte Nachricht ist jedoch, dass es so nicht weitergehen wird. Die Krise an der Straße von Hormus hat zu einer steigenden Inflation – im April lag die Inflationsrate schon bei 3,0% – und einem deutlichen Rückgang wichtiger Stimmungsindikatoren, wie dem Economic-Sentiment-Indikator auf EWU-Ebene oder dem ifo-Geschäftsklima in Deutschland, geführt. Auch die Verbraucherstimmung sinkt deutlich. Zudem mehren sich die Indizien für aufkeimende Engpässe bei Vorprodukten. Im zweiten Quartal ist daher wohl mit einer spürbaren Abbremsung der Konjunkturdynamik zu rechnen. Wie stark diese ausfällt, hängt auch vom weiteren Verlauf der Krise ab. Nur eine Beendigung der Kampfhandlungen und eine baldige Öffnung der Straße von Hormus kann hier noch einen größeren Schaden abwenden.
-- Dr. Christoph Swonke

