Robuster Corporate-Bond-Markt trotz „AI Scare“ und Irankrieg

Das hohe Investitionsvolumen der Hyperscaler, Sorgen vor den Auswirkungen der KI auf die Software- und Medienbranche sowie der Irankrieg stellen auch für den Markt für Euro-Unternehmensanleihen Belastungen dar. Dies zeigt sich in merklichen Spreadausweitungen bei den Anleihen der potenziell betroffenen Unternehmen, aber auch in einem hohen Neuemissionsvolumen von US-Technologiekonzernen, welche verstärkt den Euro-Markt für die Refinanzierung nutzen und so zum Wachstum des europäischen Kapitalmarkts beitragen.  
 

Das Bild stellt einen Baumdiagramm (Treemap) dar, das die prozentualen Anteile verschiedener Unternehmen am Primärmarkt für Euro-Unternehmensanleihen im Jahr 2023 bis dato zeigt. Verschiedene Farben und Größen repräsentieren verschiedene Unternehmen, wobei Versorgungsunternehmen die größte Gruppe darstellen. "Telecom 24%" ist der größte Teil, gefolgt von Branchen wie Banken und Versicherungen.


Nach einem positiven Jahresstart sorgten zunächst Bedenken über den Refinanzierungsbedarf von US-Hyperscalern sowie Sorgen vor den Auswirkungen von KI auf die Software- und Medienbranche („AI Scare“) für eine gewisse Unruhe am Kapitalmarkt. Seit Ende Februar hält der Iran-Krieg die Märkte in Atem. Trotz dieser Belastungen steht für Euro-Unternehmensanleihen YTD nur ein moderater Anstieg der Risikoaufschläge um 8 Bp auf 84 Bp zu Buche. Eine besonders starke Spreadausweitung hatten die Immobilienwerte zu verzeichnen (+20 Bp), für die der zuletzt starke Renditeanstieg zur Belastung wird. Dahinter folgen die Medien- (+19 Bp) und Tech-Unternehmen (+14 Bp). Seit Beginn des Iran-Kriegs haben sich zudem Anleihen von zyklischen und energieintensiven Emittenten unterdurchschnittlich entwickelt, während die Branchen Öl & Gas, Grundstoffe, Telekoms und Versorger besser als der Gesamtmarkt abschnitten.

 

Die weitere Entwicklung der Corporate Spreads hängt maßgeblich vom Fortgang des Krieges ab. Selbst wenn es bei einem Waffenstillstand bleiben sollte, werden sich aufgrund der bisherigen Dauer des Konflikts negative Auswirkungen auf Inflation, Konsum und Investitionen trotzdem nicht vermeiden lassen. Die Risikoaufschläge dürften in diesem Szenario zunächst auf dem aktuellen Niveau verharren, könnten im Verlauf des Jahres aber wieder sinken, da die Auswirkungen auf die Bonitätsprofile in Summe doch handhabbar bleiben sollten und das technische Bild unterstützend wirkt.

 

Der Primärmarkt für Unternehmensanleihen verzeichnete in Q1 2026 ein robustes Emissionsvolumen von 151 Mrd. Euro. Dies stellt eine signifikante Steigerung von 22% gegenüber dem Vorjahreszeitraum dar und übertrifft den Fünf-Jahres-Durchschnitt von 123 Mrd. Euro ebenfalls deutlich. Maßgeblich für diese Entwicklung waren, analog zum Vorjahr, Emittenten aus den USA, die bereits Anleihen im Nennwert von knapp 50 Mrd. Euro platzierten. Den primären Treiber für den erhöhten Kapitalbedarf stellt der Ausbau von KI-Lösungen über sämtliche Industrie- und Dienstleistungssektoren hinweg dar. Dieser Trend manifestiert sich insbesondere im Tech-Sektor, dessen Emissionsvolumen sich im ersten Quartal mehr als verdreifachte. Mit einem Volumen von knapp 28 Mrd. Euro liegt der Sektor nun nahezu gleichauf mit den traditionell emissionsstarken Versorgern an der Spitze der Sektoren.

 

Im Segment der nachhaltigen Anleihen wurde in Q1 ein Volumen von 27 Mrd. Euro erreicht, was einem Zuwachs von 12% im Vorjahresvergleich entspricht. Der relative Anteil nachhaltiger Finanzierungen am Gesamtvolumen belief sich seit Jahresbeginn jedoch nur auf 18% und lag damit geringfügig unter dem Wert für das Gesamtjahr 2025 (19,3 %). Damit setzte sich der sukzessive Rückgang des Anteils seit dem Höchststand von 35,1% im Jahr 2022 auch im ersten Quartal fort.

 

-- Thomas Weber und Christine Bredehöft