US-Banken haben Basel III Endgame gewonnen

Die US-Bankenaufsichtsbehörden haben drei Vorschläge zur Modernisierung des regulatorischen Kapitalrahmens veröffentlicht, die zur Senkung der Kapitalanforderungen für die Großbanken des Landes führen und EU-Regulatoren und Banken unter Zugzwang setzen. Der daraus resultierende „Wettlauf nach unten“ geht zu Lasten der Bondinvestoren.
 

Die US-Bankenaufsichtsbehörden Fed, FDIC (Federal Deposit Insurance Corporation) und OCC (Office of the Comptroller of the Currency) haben am 19. März 2026 drei umfassende Vorschläge zur Modernisierung des regulatorischen Kapitalrahmens für Banken aller Größenklassen zur Kommentierung bis zum 18. Juni 2026 vorgelegt. Der erste Vorschlag zur Umsetzung der Basel III Regelungen (Basel III Endgame) zielt darauf ab, die risikobasierten Kapitalanforderungen für global systemrelevante Banken (G-SIBs) und weitere sehr große, komplexe Banken (Bilanzsumme ab 700 Mrd. USD oder grenzüberschreitende Aktivitäten von 75 Mrd. USD) durch einen einzigen erweiterten risikobasierten Ansatz (ERBA) erheblich zu vereinfachen. Der zweite Vorschlag überarbeitet die risikobasierte Kapitalbehandlung bestimmter Engagements unter dem Standardansatz für alle anderen Banken. Der dritte Vorschlag verbessert den Rahmen zur Festlegung des Eigenkapitalzuschlags für US-G-SIBs.

 

Die Vorschläge werden nach Schätzungen der Aufsichtsbehörden unter Berücksichtigung der im vergangenen Jahr vorgeschlagenen Stresstest-Änderungen die aggregierten CET1-Kapitalanforderungen für G-SIBS und Kategorie 2 Banken um voraussichtlich 4,8% und damit von 860 Mrd. USD auf 818 Mrd. USD senken. Das Überschusskapital der sechs G-SIBs in unserer Coverage JPMorgan, Bank of America, Citigroup, Wells Fargo, Goldman Sachs und Morgan Stanley würde sich auf Basis der Zahlen per Ende 2025 um 18 Mrd. USD auf 188 Mrd. USD erhöhen, wobei JPMorgan und Bank of America mit jeweils 5 Mrd. USD die größten Gewinner der Reformvorschläge wären, während Morgan Stanley (1 Mrd. USD) am wenigsten davon profitiert.

 

Die vorgeschlagenen US-Kapitalreformen markieren einen Paradigmenwechsel. Offiziell wird dies mit der Notwendigkeit begründet, eine überzogene Regulierung zu korrigieren, die Kreditvergabe zu fördern und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Die Ratingagenturen bewerten diesen Schritt jedoch einstimmig als kreditnegativ, da er die Kapitalpuffer als primären Schutz für Gläubiger schwächt. Die Reformen lösen zudem einen internationalen regulatorischen Wettbewerb aus, da Europa gezwungen ist, mit eigenen Lockerungen zu reagieren, um einen massiven Wettbewerbsnachteil zu vermeiden. Aus Sicht von Anleiheinvestoren erhöht die Kombination aus geringerem Kapital und einer gleichzeitig geschwächten Bankenaufsicht das langfristige Kreditrisiko, kurz- bis mittelfristig erwarten wir aufgrund der Ertragsstärke der Banken allerdings keine unmittelbaren Bonitätsänderungen.

 

-- Dr. Abdoulaye Aboubakar