Gold: Achterbahnfahrt zum Jahresauftakt

2026 begann mit einer spektakulären Goldpreisbewegung. Die derzeit zugespitzte geopolitische Lage sowie anschließende Gewinnmitnahmen sorgten zwar für extreme Volatilität, doch die langfristigen Treiber sind weiterhin intakt. Auf Jahressicht erwarten wir ein nachhaltiges Niveau von 5.000 (USD/Unze).

 

Das Bild zeigt zwei Diagramme, die den Goldpreisanstieg darstellen. Das linke Diagramm vergleicht den Goldpreis in USD je Feinunze mit dem US-Dollar-Index (DXY) seit dem 30.11.2022. Das rechte Diagramm zeigt eine Prognose des Goldpreises in USD je Feinunze bis 2027. Es wird gezeigt, dass der Goldpreis kurzzeitig volatil ist, aber langfristig stabil bei 5.000 USD wird, basierend auf einer D/Z BANK-Prognose.

 

Das Jahr 2026 begann mit einer der spektakulärsten Achterbahnfahrten des Goldpreises in der jüngeren Geschichte. Für die stark gestiegene Goldnachfrage waren zum einen die eskalierenden geopolitischen Spannungen, die vor allem aus den Handlungen der US-Regierung resultierten. Zum anderen war eine Verschärfung des sogenannten „Debasement Trades” mitverantwortlich. Dieser beschreibt eine Strategie, die auf der Erwartung beruht, dass eine Währung – in diesem Fall der US-Dollar – an Kaufkraft verliert. Anleger, die eine solche Entwertung befürchten, tauschen ihr Geld in Sachwerte, darunter Gold. Somit war der „Sichere-Hafen“-Aspekt des Goldes der wichtigste Treiber des jüngsten Anstiegs.

 

Die Rally veranlasste zudem spekulative Investoren, ihre Gold-Engagements zu erhöhen. Die Daten signalisierten im Vorfeld eine sehr ausgeprägte Long-Position spekulativer Akteure – die Wetten auf steigende Kurse hatten ein historisches Rekordhoch erreicht. Solche Konstellationen machen einen Markt anfällig für Rückschläge, wobei bereits kleinere Signale als Initialzündung dienen können.

 

Dieses Signal kam am 30. Januar mit der Ankündigung von US-Präsident Trump, Kevin Warsh als Nachfolger für den Fed-Vorsitzenden zu nominieren. So wurde die Wahl von Warsh als Zeichen gewertet, dass die Fed eine größere Unabhängigkeit bewahren könnte, als es unter dem als politisch gefügiger geltenden Kevin Hassett der Fall gewesen wäre. Diese wahrgenommene Stärkung der Fed-Unabhängigkeit reduzierte die Ängste vor einer politisch motivierten Dollarabwertung, die ein wesentlicher Treiber der Gold-Rally waren. Die Reaktion erfolgte prompt. Insbesondere entsprechende Investoren aus China begannen in erheblichem Ausmaß Gewinne mitzunehmen und drückten den Goldpreis zeitweise auf 4.600 USD.

 

Die Rally auf über 5.600 USD wurde durch eine Kombination aus strategischer, langfristiger Nachfrage und kurzfristiger, gehebelter Spekulation beschleunigt. Der Preissturz daraufhin war zwar die Folge eines überhitzten Marktes und wurde durch einen „Schock“ in Form der Nominierung von Warsh ausgelöst. Die fundamentalen Treiber der Goldnachfrage sind jedoch nach wie vor intakt: Blockbildung und eine starke Zentralbanknachfrage sowie das immer noch schwankende Vertrauen in die Fed und den US-Dollar. Diese dürfte den Goldpreis auf Sicht von zwölf Monaten die Marke von 5.000 USD je Feinunze nachhaltig erreichen lassen. Kurzfristig dürfte der Markt volatil bleiben und sich in Abhängigkeit von geopolitischen Ereignissen bewegen.

 

-- Thomas Kulp