US-Notenbank Fed: Dovishes Abwarten
Nach drei Leitzinssenkungen in Folge sprechen die jüngsten Konjunkturdaten und Äußerungen der FOMC-Mitglieder für ein Stillhalten auf der kommenden Sitzung der US-Notenbank Fed am 28. Januar.
Auf der ersten FOMC-Sitzung des neuen Jahres dürften die US-Währungshüter die Leitzinsen unverändert auf dem aktuellen Niveau belassen. Nach drei Senkungen um jeweils 25 Basispunkte in Folge liegt der Zielkorridor der Fed Funds Rate nun bei 3,50-3,75% und damit deutlich näher am neutralen Zinssatz, der im Bereich von 3% vermutet wird. Die Datenveröffentlichungen der letzten Wochen unterstützen unsere Sichtweise, dass das Spannungsfeld aus (noch) zu hoher Inflation und einem schwächelnden Arbeitsmarkt weiterhin besteht. Während der erstgenannten Faktor gegen weitere Zinssenkungen spricht, tut es der zweitgenannte, was in Summe eine eindeutige Richtungsentscheidung erschwert.
Der US-Arbeitsmarktbericht im Dezember wies zwar einen etwas schwächeren Stellenzuwachs als die Konsenserwartung auf, gleichzeitig sank die Arbeitslosenquote aber auf 4,4% (der Vormonatswert wurde zudem von 4,6 auf 4,5% nach unten revidiert). Gleichzeitig bestätigten die CPI-Inflationsdaten für den Dezember den Rückgang des Vormonats auf 2,7%. Auch die gestern, als Folge des Shutdowns verspätet veröffentlichten PCE-Preissteigerungsmaße (als die von der Fed favorisierten Inflationsindikatoren) blieben im Rahmen der Erwartungen. Im November lagen Kern- und Gesamtrate bei jeweils 2,8% J/J. Unsere Inflationsprognose für das Gesamtjahr 2026 haben wir zuletzt nach unten revidiert, von 3,3% auf 3,0% J/J. Dies zeigt: Die Richtung stimmt, das Niveau aber noch lange nicht.
Viele Gremiumsmitglieder plädieren, auch vor diesem Hintergrund, zuletzt für ein Abwarten, was sich unter anderem aus den Minutes der letzten Sitzung am 10. Dezember ablesen lässt. Damals hatten die regionalen Fed-Präsidenten Schmid und Goolsbee gegen niedrigere Leitzinsen gestimmt. Im Rahmen der üblichen Rotation werden diese beiden FOMC-Mitglieder 2026 zwar nicht mehr stimmberechtigt sein. Mit Lorie Logan (Dallas) und Beth Hammack (Cleveland) dürfte das geldpolitische Falkenlager aber auch in diesem Jahr nicht an Stärke verlieren. Neel Kashkaris (Minneapolis) und Anna Paulsons (Philadelphia) Stimmen dürften eher dem Taubenlager zuzurechnen sein, sodass wir mit Blick auf das Stimmverhalten der regionalen FOMC-Mitglieder im Vergleich zum Vorjahr keine grundlegenden Veränderungen erwarten. Das Board of Governors dürfte ein letztes Mal in der aktuellen Zusammensetzung abstimmen, denn Stephen Mirans Interimsamtszeit läuft zum 31. Januar aus. Sein Nachfolger, der auch designierter Fed-Vorsitzender wäre, dürfte von US-Präsident Trump in den kommenden Tagen (womöglich noch vor dem FOMC-Treffen) nominiert werden. Mit den zuletzt als Top-Favoriten gehandelten Herren Warsh und Rieder dürfte aber kein geldpolitischer Unverstand in die Fed-Führung einziehen.
-- Christian Lenk

