Deutschland: Sicherer Hafen Bundesanleihen

Der wachsenden politischen Unsicherheit in Deutschland und höheren Schulden zum Trotz: Bundesanleihen behalten nicht nur das Prädikat des sicheren Hafens, ihre Bedeutung hat jüngst sogar noch zugenommen.

 

Das Bild stellt ein Diagramm dar, das den Anteil ausstehender Staatsanleihen nach Ratingklasse (AAA, AA, A, BBB) in Prozent zeigt. Die Balken sind in verschiedene Kategorien unterteilt: „EWU-Govies ex DE, FR", „FR", und „DE". Es wird darauf hingewiesen, dass Deutschland nach der Herabstufung von Frankreich der größte EWU-Emittent im Segment AA und besser ist.

 

Die deutsche Politik ist zunehmend fragmentiert, radikale Kräfte werden populärer und die Wirtschaft stagniert seit Jahren. Trotz dieser innenpolitischen Herausforderungen und der Abkehr von der Sparpolitik behalten Bundesanleihen ihre Rolle als sicherer Hafen im europäischen Rentenmarkt. Dies liegt an Deutschlands herausragender Bonität, dem stabilen AAA-Rating, der hohen Repo-Fähigkeit sowie der exzellenten Liquidität des Cash- und Derivatemarktes. Insbesondere die Herabstufung Frankreichs und die Unsicherheiten in der US-Politik haben die Position von Bundesanleihen als sichere Alternative sogar noch gestärkt.

 

Die etablierten Wirkungsmechanismen bestätigen dies: Bei Marktrisiken oder exogenen Schocks steigt die Nachfrage nach Bundesanleihen, und die Renditen sinken, wie die Reaktionen auf die Corona-Pandemie oder den Ukraine-Krieg zeigten. Zuletzt steigende Bundrenditen im vierten Quartal 2025 und für das laufende Jahr sind somit auch nicht Ausdruck wachsender Skepsis gegenüber Deutschland. Vielmehr sind sie auf ein höheres Angebot an Bundeswertpapieren, bessere Konjunkturaussichten und die reduzierten Anleihebestände der EZB zurückzuführen. Dennoch ist bei zukünftigen Krisen weiterhin mit kurzfristigen Nachfrageüberhängen und sinkenden Bundrenditen zu rechnen.

 

Selbst in Szenarien einer innenpolitischen Krise in Deutschland würde die Stellung der Bundesanleihen als Zufluchtsort voraussichtlich nicht grundlegend gefährdet sein. Zwar könnte z.B. eine unionsgeführte Minderheitsregierung kurzfristig zu Verunsicherung führen, was sich temporär in einer steigenden politischen Angstprämie widerspiegeln könnte. Doch die Stabilität der politischen Institutionen und die Erwartung einer restriktiveren Fiskalpolitik würden letztlich dazu führen, dass Bundesanleihen weiterhin als die sicherste Option gelten, insbesondere im Vergleich zu anderen Alternativen. Ein Verlust des Vertrauens in Deutschland als Emittenten wäre nur in einem extrem unwahrscheinlichen Szenario von Neuwahlen mit Mehrheiten jenseits etablierter Parteien zu befürchten, vor allem wenn sie radikale Vorschläge wie einen "Dexit" propagierten.

 

-- Daniel Lenz