Gold: Prognoseupdate – 5.000 US-Dollar auf Jahressicht

Ein angeschlagenes Vertrauen in den US-Dollar, geopolitische Spannungen und Zentralbankkäufe sorgen für anhaltenden Rückenwind am Goldmarkt. Kurzfristig rechnen wir mit Niveaus um die 4.600 USD, während zum Ende des Jahres die Marke von 5.000 USD je Feinunze erstmals erreicht werden dürfte.

Das Bild stellt eine Grafik dar, die den Goldpreis in US-Dollar pro Feinunze von 2023 bis 2026 zeigt, einschließlich Prognosen von DZ-BANK. Die Prognose deutet darauf hin, dass der Goldpreis bis Ende 2026 die Marke von 5.000 US-Dollar erreichen könnte.


Am Goldmarkt spielt die US-Notenbank derzeit eine wichtige Rolle. Zum einen ist ihre Geldpolitik für die Goldnachfrage relevant – aktuell rechnen die Märkte mit zwei Leitzinssenkungen im laufenden Jahr. Dabei stützen niedrigere US-Zinsen die Nachfrage nach dem unverzinsten Gold. Zum anderen ist das Vertrauen in die Fed derzeit angeschlagen, was für die Goldnachfrage sogar noch wichtiger ist als ihre Geldpolitik. Grund dafür sind die Versuche des US-Präsidenten, in ihre Unabhängigkeit einzugreifen, um schnellere Leitzinssenkungen zu erreichen. Zudem dürfte Trump mit Kevin Hasset einen Vertreter seines Lagers als Powells Nachfolger an der Spitze der Fed nominieren, sodass sein Einfluss auf die Notenbank perspektivisch zunehmen wird. Da der Dollar ebenso wie Gold den Status eines sicheren Hafens genießt, sollte ein angeschlagenes Vertrauen in die Weltleitwährung die Goldnachfrage weiter stärken.

Zudem hat das Jahr 2025 erneut gezeigt, dass sich die Welt auf einem Weg zur Blockbildung befindet. Am deutlichsten war dies an der „America-first-Politik“ des Weißen Hauses zu erkennen. Das Jahr begann zwar nicht mit weiteren Zolldrohungen, aber mit der völkerrechtswidrigen Entführung des venezolanischen Präsidenten Maduro durch die USA. Nun droht Präsident Trump mit weiteren militärischen Eingriffen in anderen Regionen. Diese Entwicklungen bestätigen, dass eine Kehrtwende auf dem Weg zur Blockbildung nicht in Sicht ist – wovon Gold als ultimativer sicherer Hafen profitiert.

Ein weiteres Spiegelbild dieser Blockbildung sind die Währungsreserven der Zentralbanken. Bereits seit vielen Jahren erhöhen viele Zentralbanken ihre Goldbestände massiv, weil sie sich mehr Unabhängigkeit vom US-Dollar wünschen. Vor allem die BRICS-Staaten versuchen, ihre Anfälligkeit gegenüber potenziellen westlichen Sanktionen mithilfe größerer Goldreserven zu verringern. Zentralbanken bleiben somit eine strukturelle Stütze für die Goldnachfrage, denn trotz des starken Preisanstiegs gaben viele in einer Umfrage jüngst an, den Anteil des gelben Edelmetalls in ihren Reserven weiter erhöhen zu wollen.

Drei Monate nach unserer Prognose vom Oktober 2025 sind die Treiber am Goldmarkt weiterhin intakt und unser kurzfristiges Prognoseziel von 4.400 USD wurde jüngst erreicht. Somit sehen wir den Zeitpunkt gekommen, unseren Prognosepfad zu rollieren, sodass wir kurzfristig einen Goldpreis von 4.600 USD erwarten. Langfristig, auf Sicht von zwölf Monaten, rechnen wir erstmals mit 5.000 USD je Feinunze.

 

-- Thomas Kulp