Japan: Wirtschaftspolitik als Zünglein an der Waage

2025 hat die japanische Exportwirtschaft trotz des Handelskonflikts mit den USA der Konjunktur wichtige Impulse verliehen. 2026 dürfte hingegen die Erholung beim privaten Konsum in den Vordergrund treten. In diesem Umfeld plant die Premierministerin jetzt für das Parlament vorgezogene Neuwahlen.
 

Das Bild zeigt zwei Diagramme, die wirtschaftliche Daten von Japan darstellen. 

1. **Linkes Diagramm (Industrieklima):** 
   - Es zeigt den S&P Global Index für Dienstleistungen und Industrie.
   - Die Achsen sind mit Datum (horizontal) und Indexwerten (vertikal) beschriftet.
   - Der Index wird als „50=neutral” bezeichnet.
   - Es gibt zwei Linien: eine orange für Dienstleistungen und eine blaue für Industrie.

2. **Rechtes Diagramm (Preisantrieb):**
   - Es zeigt die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahr, gemessen als Prozentsatz.
   - Die Achsen sind ebenfalls mit Zeit (horizontal) und Prozentwerten (vertikal) beschriftet.
   - Es gibt zwei Linien: eine orange für allgemeine Verbraucherpreise und eine blaue für Preise ohne Nahrungsmittel und Energie.


Die japanische Wirtschaft befindet sich schon seit einigen Jahren auf einem sehr schwachen Wachstumspfad. Aktuell wird die Inlandsnachfrage durch die immer noch erhöhte Inflation und die Straffung der Geldpolitik gedrosselt. Zudem haben im vergangenen Jahr die Handelsstreitigkeiten mit den USA das Wirtschaftsklima belastet. Vor diesem Hintergrund hat mit ihrem Amtsantritt im Oktober Premierministerin Sanae Takaichi einen Kurswechsel bei der Wirtschaftspolitik vollzogen.

 

Um Wachstum zu generieren, sollen vor allem private Haushalte und kleine und mittelständische Unternehmen finanziell entlastet werden. Darüber hinaus werden Investitionen in Zukunftstechnologien stärker gefördert und die Verteidigungsausgaben weiter erhöht. Wegen kräftigen Steuereinnahmen ist die Haushaltslage zwar besser als erwartet, dennoch wird sich die Lücke im Staatshaushalt wohl wieder ausweiten. Deshalb ist der Kurswechsel bei der Fiskalpolitik ein Balance-Akt. Es besteht die Gefahr, dass der bereits sehr hohe Verschuldungsgrad nach einem leichten Rückgang in den letzten Jahren wieder anzieht. Eine anhaltende Yen-Schwäche würde die Bekämpfung der Inflation erschweren und die Realeinkommen der privaten Haushalte schwächen.

 

Die Inflation hatte auch in Japan durch die Corona-Krise angezogen, im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ist sie allerdings immer noch sichtbar erhöht. Ihren letzten Höhepunkt erreichte die Teuerung im Januar 2025 mit einer Rate von 4,0%. Im Jahresverlauf sorgten vor allem Nahrungsmittel für Auftrieb. Bei den Preisen für Dienstleistungen macht sich hingegen der Aufwärtstrend bei den Löhnen bemerkbar. Im Jahresdurchschnitt lag 2025 letztlich die Inflation bei 3,2%. Für 2026 ist mit einer Rate von 2,1% zu rechnen.

 

Trotz des Handelskonflikts mit den USA und dem schwierigen Unterfangen, die Abhängigkeit von der chinesischen Wirtschaft zu reduzieren, hat die Exportwirtschaft im abgelaufenen Jahr der japanischen Konjunktur erneut wichtige Impulse verliehen. In diesem Jahr dürfte hingegen die Erholung beim privaten Konsum in den Vordergrund treten. Begünstigende Faktoren hierfür werden wohl die finanziellen Entlastungen von staatlicher Seite, der Rückzug der Inflation und anhaltend robuste Lohnsteigerungen sein. In diesem und im kommenden Jahr wird das Wirtschaftswachstum Japans wohl bei 0,7% und 0,9% liegen.

 

-- Dr. Christine Schäfer