US-Notenbank: Angekratzte Glaubwürdigkeit
Die Entlassung von Fed-Gouverneurin Lisa Cook durch Präsident Trump stellt die Unabhängigkeit der US-Notenbank auf eine harte Probe. Sollte er sich durchsetzen, drohen nicht nur stärkere Zinssenkungen, sondern auch ein dauerhafter Vertrauensverlust an den Finanzmärkten.

Die fristlose Entlassung von Fed-Gouverneurin Lisa Cook durch Präsident Trump am 25. August 2025 sorgt weit über die Vereinigten Staaten hinaus für Aufsehen. Juristisch ist dieser Schritt höchst fragwürdig, da die Federal Reserve unabhängig agiert und Gouverneure nur aus wichtigem Grund ihres Amtes enthoben werden dürfen. Reine politische Meinungsverschiedenheiten zählen ausdrücklich nicht dazu. Trump beruft sich auf angebliche Unregelmäßigkeiten bei Immobilienkrediten aus dem Jahr 2001, doch Cook weist die Vorwürfe zurück und verweigert den Rücktritt. In ihren jüngsten Auftritten präsentiert sie sich als klare Vertreterin einer restriktiven Geldpolitik innerhalb des FOMC, was Trumps Forderung nach raschen Zinssenkungen widerspricht.
Die Märkte reagierten unmittelbar, wenn auch moderat. Der Dollar gab kurzzeitig nach, während die Renditen am kurzen Ende deutlich fielen und die Renditen langfristiger Treasuries stiegen. Die Renditestrukturkurve wurde steiler. Seither preisen Anleger verstärkt Zinssenkungen ein.
Die Frage, was geschieht, wenn Trump mit seiner Entlassung durchkommt, ist besonders heikel. Schon jetzt hat er mit Waller und Bowman zwei loyale Stimmen im Board. Mit Stephen Miran wartet ein weiterer Kandidat auf die Bestätigung durch den Senat. Erhielte Trump zusätzlich die Möglichkeit, Cook zu ersetzen und Powell nach dem Auslaufen seiner Amtszeit zu verdrängen, stünde ihm eine Mehrheit von fünf der sieben Gouverneure zur Verfügung. Eine solche Trump-Mehrheitsfraktion könnte nicht nur die Richtung der Geldpolitik bestimmen, sondern auch die Wiederernennung der zwölf regionalen Präsidenten beeinflussen. Diese Posten müssen alle fünf Jahre vom Board bestätigt werden, die nächste Verlängerungsrunde steht im Februar 2026 an. Damit könnte Trump auch auf regionaler Ebene diejenigen Stimmen stärken, die Zinssenkungen und eine expansivere Politik unterstützen.
Sollte der Supreme Court über die Entlassung Cooks entscheiden müssen, ginge es nicht nur um eine Personalie, sondern auch um die Grenzen der Kontrolle des Präsidenten über unabhängige Institutionen. Für die Finanzmärkte wäre diese Unsicherheit von hoher Relevanz. Eine geschwächte Unabhängigkeit der Fed würde die Glaubwürdigkeit der Inflationsbekämpfung untergraben und könnte zu einem dauerhaften Risikoaufschlag auf den Dollar und auf US-Staatsanleihen führen. Verschärft wird die Lage durch Trumps Forderungen nach Leitzinssenkungen bis auf ein Prozent sowie nach unkonventionellen Maßnahmen wie erneuten Anleihekäufen. Sollte er sich damit durchsetzen, drohten ein deutlicher Anstieg der Inflation und eine starke Zunahme der Marktvolatilität.
-- Birgit Henseler